Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Harte Kämpfe abseits des Platzes

Die Pläne des Deutschen Fußball-Bundes zur Fortführung seiner Wettbewerbe spalten weiterhin die 3. Liga

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

Oft wurde in den vergangenen Wochen im Fußball von Solidarität gesprochen. Das wenig überraschende Ergebnis: Wo kein Geld, da keine Solidarität. Leisten können sich diese die Erst- und Zweitligisten. Unter dem Dach der Deutschen Fußball Liga (DFL) entschieden sie sich für eine Fortsetzung der Saison - vor allem, um mit den noch ausstehenden Einnahmen der Übertragungsrechte die vielerorts bedrohlichen Konsequenzen des eigenen fragwürdigen Wirtschaftens zu vermeiden. Am Montagnachmittag sprach sich auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für die Fortführung seiner Wettbewerbe aus. Der Streit über die Pläne des Verbandes war in der 3. Liga zuvor schon hart eskaliert - und geht jetzt weiter.

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel den beiden Bundesligen der Fußballer am 6. Mai die Spielerlaubnis erteilt hatte, forderte DFB-Präsident Fritz Keller »unter dem Aspekt der Gleichbehandlung« auch den Neustart in der 3. Liga, dem DFB-Pokal und für die Fußballerinnen in ihrer Bundesliga. Dass die deutschen Pokalsieger ermittelt werden, scheint realistisch. Bei den Frauen müssen zuvor noch die Viertel- und Halbfinals gespielt werden, bei den Männern nur die Vorschlussrunde. Beide Endspiele sollen am 4. Juli stattfinden. Während das gesundheitliche Risiko bleibt, scheint zumindest der Aufwand für die insgesamt zehn Spiele vergleichbar gering. Ähnliches gilt für die Bundesliga der Frauen, wo der Anpfiff für die noch ausstehenden sechs Spieltage am 29. Mai erfolgen soll. Noch aber fehlt die politische Erlaubnis.

In der 3. Liga hingegen fehlt alles, vor allem Zustimmung, Einigkeit und Geld. Von Solidarität ganz zu schweigen. »Der Klassenerhalt soll politisch gesichert werden«, polterte jüngst Robert Marien. Der Vorstandsvorsitzende von Hansa Rostock kritisierte damit die landespolitischen Entscheidungen in Sachsen-Anhalt. Dort wurde während der Coronakrise im gesamtgesellschaftlichen Interesse entschieden, dass bis mindestens zum 27. Mai kein Mannschaftstraining erlaubt ist. Vollkommen ausgeschlossen sind bis dahin natürlich auch Fußballspiele der Drittligisten Hallescher FC und 1. FC Magdeburg.

Umso erstaunlicher ist die Entscheidung des DFB vom Montag. »Wir würden uns freuen, ab 26. Mai wieder unseren Beruf im Spielbetrieb ausüben zu können«, erklärte Tom Eilers als Chef des Ausschusses 3. Liga nach der Vorstandssitzung des Verbandes. Wie soll das funktionieren, wenn neben dem HFC und dem FCM bis dahin auch die Fußballer von Carl Zeiss Jena nicht zusammen trainieren können? In diesem Zusammenhang klingt auch der Plan des DFB abenteuerlich, die elf Spieltage in fünf aufeinanderfolgenden englischen Wochen bis zum 30. Juni zu beenden.

Peter Frymuth ist als DFB-Vizepräsident unter anderem für den Spielbetrieb zuständig. Er sprach am Montag »von einem mehrheitlichen Meinungsbild« der Drittligisten für eine Fortsetzung der Saison. Widerspruch kam prompt von Markus Kompp. »Ich habe eine neue Abstimmung beantragt. Ich sehe es nicht ein, dass der DFB die Saison auf Basis eines veralteten Meinungsbildes, aber unter neuen Rahmenbedingungen, Stichwort neutraler Spielort, fortsetzen will«, sagte der Geschäftsführer des SV Waldhof Mannheim. Am 27. April hatten sich bei zwei Enthaltungen zehn Klubs für und acht gegen die Weiterführung der Saison ausgesprochen. Weil die politische Entscheidungshoheit in Sachen 3. Liga im Gegensatz zum DFL-Bereich komplett an jedes einzelne Bundesland übertragen wurde, will der DFB Vereine, denen es in ihrem Gebiet verboten ist, an neutralen Orten spielen lassen.

Schon Mitte April hatten acht Drittligisten in einem gemeinsamen Positionspapier den Abbruch der Saison gefordert. Der Vorwurf anderer Vereine, dies sei sportlich motiviert geschehen, ist nachvollziehbar. Sieben der acht Klubs stehen am Tabellenende und könnten bei der von ihnen geforderten Nichtabstiegsregelung die Klasse halten. Der Einspruch der Gegner hat aber ebenso einen sportlichen Hintergrund: Die Zweitvertretung des FC Bayern ausgenommen, haben zehn Vereine noch eine realistische Aufstiegschance. Was alle eint: finanzielle Probleme. »Sollten wir gezwungen sein, die noch ausstehenden Spiele als Geisterspiele austragen zu müssen, hätten wir bei vollen Kosten keinerlei Einnahmen aus dem Spielbetrieb«, heißt es in dem Positionspapier, das ausdrücklich vor »zahlreichen Insolvenzen« warnt.

Die Grundlage für den geplanten Neustart der 3. Liga bildet das aufwendige Hygienekonzept der DFL-Klubs. Die Schwierigkeiten damit fasste am Montagabend Malte Metzelder zusammen. »Ein einwöchiges Quarantäne-Trainingslager, ein eigener Mannschaftskoch, mehrere Mannschaftsbusse oder zusätzliche Kabinen und Sanitärräume erscheinen für die durch die Pandemie ohnehin finanziell angeschlagenen Vereine nicht vertretbar«, sagte der Sport-Geschäftsführer von Preußen Münster und sprach von »vielen offenen Fragen.« Die 3. Liga braucht darauf schnellstmöglich Antworten. Ein weiterhin möglicher Saisonabbruch kann erst am 25. Mai auf dem Außerordentlichen Bundestag des DFB beschlossen werden.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln