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Erneuter Coronafall in Wuhan

Chinas Behörden ordnen Tests aller Einwohner an

  • Von Fabian Kretschmer
  • Lesedauer: 3 Min.

Wie ernst die chinesische Regierung die Gefahr einer zweiten Corona-Infektionswelle nimmt, dürfte spätestens seit Montag unbestritten sein: Nachdem in Wuhan sechs Anwohner eines Wohnblocks positiv auf das Coronavirus getestet wurden, planen die lokalen Behörden nun jeden der elf Millionen Einwohner aus dem einstigen Covid-19-Epizentrum testen zu lassen. »Wir dürfen weder nachlässig noch lax sein«, zitiert die Wuhaner Tageszeitung »Changjiang« einen örtlichen Parteikader.

Seit einem Monat ohne neue Fälle kam es nun also wieder zu einem Infektionsstrang in der Provinzhauptstadt Hubeis, von der die Pandemie ausgegangen war: Ein 89-jähriger Mann hatte bereits Mitte März Fiebersymptome gezeigt, sich aber in Heimquarantäne erholt. Knapp zwei Monate später wurde er jetzt positiv getestet; laut dem chinesischen Zentrum für Seuchenbekämpfung soll es in Wuhan mehrere solcher Fälle gegeben haben, bei denen das Virus auch nach längerer Zeit noch einmal aufflackert. Bei den übrigen fünf Infizierten handelt es sich um so genannte asymptomatische Patienten.

In Wuhan ordnete die Regierung an, jedem Bezirk zehn Tage Zeit zu geben, um seine Bevölkerung vollständig einem Virustest zu unterziehen. Priorität sollen laut einem Regierungsdokument Risikogruppen wie Senioren oder Arbeitsmigranten in engen Behausungen bekommen. Die Kosten der Tests werden vom Staat getragen. »Ich selber habe davon bislang nur von den Medien erfahren. Aber wahrscheinlich werden wir bald eine Nachricht von unserer Wohnverwaltung bekommen«, sagt der deutsche Universitätsprofessor Timo Balz, der mit seiner Frau und zwei Kindern in Wuhan lebt.

Auch wenn in den vergangenen zwei Wochen sieben Provinzen Neuinfektionen gemeldet haben, kann man aufgrund der absolut geringen Anzahl nicht von einer zweiten Welle sprechen. Am ehesten ist der Norden des Landes gefährdet: Am Sonntag wurde eine Grenzstadt, die im Länderdreieck zu Russland und Nordkorea liegt, nach mehreren Fällen zum Hochrisikogebiet erklärt - dem derzeit einzigen im Land.

Laut Staatsmedien wurden in Shulan sämtliche Sporteinrichtungen, Kinos und Bibliotheken geschlossen und die 670 000 Bewohner bis auf wenige Ausnahme in Heimquarantäne geschickt. Der öffentliche Nahverkehr ist ausgesetzt, Taxis dürfen nicht mehr die Stadt verlassen, Züge fahren den örtlichen Bahnhof nicht mehr an. Auch die Schüler im wichtigen letzten Jahr vor ihrer Abschlussprüfung müssen wieder auf Onlineunterricht zurückgreifen.

Die strengen Maßnahmen der Behörden haben einen einfachen Grund: In rund zehn Tagen wird der Nationale Volkskongress in Peking tagen. Es ist eine der wichtigsten politischen Veranstaltungen des Landes, bei der rund 3000 Politiker sowie viele Tausend Wirtschaftsleute und Journalisten aus allen Provinzen in die Hauptstadt strömen werden. Bei jener symbolischen Tagung des chinesischen Parlaments will die Kommunistische Partei - wohl in vorsichtigen Worten - den Sieg über das Virus verkünden und den Fokus auf die Ankurbelung der Wirtschaft legen.

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