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Diskriminierung ist Alltag

In einer Studie wird das Ausmaß der Gewalt gegen Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle deutlich

  • Von Lisa Ecke
  • Lesedauer: 3 Min.
Angriffe und Ausgrenzung gegen LGBTI sind in Deutschland weit verbreitet. Im europäischen Vergleich liegt die Bundesrepublik im Mittelfeld.
Angriffe und Ausgrenzung gegen LGBTI sind in Deutschland weit verbreitet. Im europäischen Vergleich liegt die Bundesrepublik im Mittelfeld.

13 Prozent der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen (LGBTI) In Deutschland wurden in den vergangenen fünf Jahren körperlich oder sexuell attackiert. Das geht aus einer aktuellen Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Eine verbale Belästigung mussten im Jahr vor der Befragung sogar 36 Prozent der LGBTI in Deutschland erleiden.

Für die Studie wurden im Mai und Juni vergangenen Jahres 140 000 LGBTI-Menschen in der Europäischen Union, im Vereinigten Königreich, in Serbien sowie in Nordmazedonien befragt. Aus Deutschland nahmen mehr als 16 000 Menschen teil.

Aus der Studie geht auch hervor, dass 23 Prozent der in Deutschland lebenden LGBTI-Personen einen solchen Angriff nicht anzeigen, weil sie Angst vor homophoben oder transphoben Reaktionen der Polizei haben. Ein schwuler Studienteilnehmer aus Deutschland sagt dazu, er habe bei Anzeigenerstattung Homophobie seitens der Polizei erlebt. Nach späteren Angriffen habe er es deshalb vermieden, Anzeige zu stellen. »Bei der Polizei empfand ich die Homophobie als noch schlimmer als in der allgemeinen Gesellschaft«, sagte der 30-Jährige Studienteilnehmer.

Die Gründe einen Übergriff nicht zu melden, sind aber noch vielfältiger: Auch Bagatellisierung und Selbstschutz würden dabei laut Markus Ulrich, dem Pressesprecher vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland, eine Rolle spielen. Ulrich sagt gegenüber »nd«: »Erschreckend finde ich die hohe Dunkelziffer. Nur zehn Prozent gehen überhaupt zur Polizei.« Der Lesben- und Schwulenverband sehe sich durch die Studie darin bestätigt, dass die Dunkelziffer der Angriffe gegenüber LGBTI bei bis zu 90 Prozent liege.

Die Untersuchung offenbart nicht nur die Angriffe und Diskriminierung von LGBTI-Personen, sondern auch ihre Angst: Nur 57 Prozent der LGBTI-Personen in Deutschland leben ihre sexuelle Orientierung beziehungsweise ihre Identität überhaupt offen aus. Beispielsweise vermeiden 45 Prozent der Befragten aus Angst vor Angriffen, sich mit ihrer Partner*in händchenhaltend in die Öffentlichkeit zu begeben. »Es ist auffällig, dass Vermeidungsstrategien den Alltag bestimmen. LGBTI überlegen sich sehr genau, wo sie sich outen und wo nicht. Sie meiden bestimmte Orte und nehmen Umwege in Kauf«, sagt Ulrich.

Auch wirtschaftlich werden LGBTI benachteiligt. Laut der Studie kommt jede dritte befragte Person nur mit Mühe finanziell über die Runden. Bei intersexuellen und Transgender-Personen ist die Situation sogar noch prekärer. Von den Befragten in Deutschland fühlte sich einer von zehn Befragten auf der Jobsuche diskriminiert. Eine Diskriminierung auf der Arbeit haben 23 Prozent erlebt. Michael O’Flaherty ist Direktor der FRA und befürchtet: »Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und bei der medizinischen Versorgung könnten sich aufgrund von COVID-19 noch verschärfen.« Er fordert politische Entscheidungsträger auf, die Situation ernst nehmen und sich aktiver dafür einsetzen, dass die Rechte von LGBTI-Personen in vollem Umfang respektiert werden.

Grundsätzlich finden 59 Prozent der Befragten aus Deutschland, dass die Regierung Vorurteile und Intoleranz gegenüber LGBTI-Menschen nicht effektiv bekämpft. Ulrich überraschen die Ergebnisse nicht. Er fasst zusammen: »Wir sehen anhand der Ergebnisse, dass Deutschland im europäischen Vergleich nur im Durchschnitt liegt. Wenn Deutschland über dem EU-Durchschnitt liegt, dann eher bei den negativen Aspekten. Es gibt deutlich Luft nach oben.« Die Studienergebnisse legen nahe, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um die Sicherheit und die Rechte der LGBTI-Gemeinschaft zu stärken.

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