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Bienen auf dem Botschaftsdach

Honig von der brandenburgischen Landesvertretung in den Berliner Ministergärten

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

»Da sind noch Drohnen, also Männchen«, sagt Imker Holger Ackermann. Er greift in das Gewimmel der Arbeitsbienen hinein und entfernt ein, zwei Tiere. »Drohnen haben keinen Stachel, die kann man anfassen« beruhigt der Imker, der sich um die zwei Bienenvölker kümmert, die ihre Kästen auf dem Dach der brandenburgischen Landesvertretung in den Berliner Ministergärten stehen haben. Seit 2015 macht Ackermann das schon. Bienen in der Großstadt zu halten, das war am Anfang ungewöhnlich. Die Imker wussten nicht so genau, ob es funktioniert. Inzwischen ist Holger Ackermann klar: »In der Stadt ist Bienenhaltung möglich, auf dem Lande ist sie nötig.«

Schließlich werden alle blühenden Pflanzen von Insekten bestäubt, hauptsächlich von Bienen, die damit für Gärtner und Obstbauern enorm wichtig sind. »Unsere Welt würde ohne Bienen ganz anders aussehen«, ist Ackermann überzeugt.

Die Bedeutung der Tiere ist auch der Grund, warum das Land Brandenburg 2015 zunächst zwei Bienenvölker auf das Dach seiner Vertretung in Berlin holte und 2017 zwei weitere Völker an den Regierungsstandort in der Potsdamer Heinrich-Mann-Allee. »Wir wollten Werbung machen für die Imkerei«, erklärt Staatssekretärin Jutta Jahns-Böhm.

Nur noch 1800 Imker gab es vor zehn Jahren in Brandenburg. Doch die Werbung und Förderprogramme haben sich tatsächlich ausgezahlt. Inzwischen sind es rund 3000. Das Bundesland zahlt Imkern nach wie vor eine Starthilfe. Im Gegenzug muss sich der Geförderte verpflichten, mindestens drei Jahre lang zu imkern. Andernfalls müsste er das Geld zurückzahlen.

»Drei Jahre reichen aus. Dann ist man infiziert«, sagt Ackermann. Er kenne niemanden, der nach drei Jahren noch aufhören wollte. Die Faszination für die Bienen sei ansteckend. Man lerne auch nie aus als Imker. »Die Natur überrascht uns immer wieder. Das macht dieses Hobby so spannend.«

Am Mittwoch schaut Ackermann nach den beiden Bienenvölkern auf dem Dach der Landesvertretung, die man sich als Botschaft Brandenburgs beim Bund vorstellen kann. Es sei nicht der Start der Saison, betont Ackermann. Ein Ende der Vorjahressaison und einen Start der diesjährigen habe es nämlich überhaupt nicht gegeben. Wegen des milden Wetters seien die Bienen den ganzen Winter hindurch geflogen.

Jetzt sei aber die Schwarmzeit. Da müsse ein Imker genau aufpassen und spätestens alle zehn Tage nach seinen Völkern sehen. Denn sie neigen jetzt dazu, sich zu teilen, indem die alte Königin mit der Hälfte des Volks auszieht und den Bienenkasten einer Nachfolgerin überlässt. Der Imker muss die alte Königin dann rechtzeitig in einen neuen Kasten setzen, sonst hängen die Bienen irgendwo als Traube an einem Baum. »In der Stadt sorgt das für Aufregung. Da wird es schon mal spektakulär, wenn die Feuerwehr kommt und die Bienen holt«, erzählt Ackermann.

Zur Landesvertretung ist er an einem besonderen Tag gekommen. Es ist der 20. Mai, der Geburtstag von Anton Janscha (1734 bis 1773). Der Slowene hatte einst in Wien eine Schule für die Bienenzucht aufgebaut. Ihm ist es zu verdanken, dass Imker heute statt der herkömmlichen Bienenkörbe Kästen benutzen. Daher wurde Janschas Geburtstag als Weltbienentag festgelegt. Aus Anlass dieses Tages bezeichnet die brandenburgische Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann (Linke) Insekten als systemrelevant. »Ohne Insekten werden viele Blüten nicht bestäubt, deren Früchte zu unserer Ernährungsgrundlage gehören«, erinnert sie. Der Insektenschwund sei ein »alarmierendes Symptom dafür, wie fragil Ökosysteme sind, die existenziell für unser Leben sind«.

Ähnlich äußert sich die Fraktion der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus: »Bienen sind ökosystemrelevant.« Der Abgeordnete Turgut Altug wünscht sich eine Stadt, »die im Frühling und Sommer brummt und summt«. Ihm zufolge fühlen sich Bienen »oftmals wohler in der Großstadt als in den Monokulturwüsten der industriellen Landwirtschaft«. Zum Weltbienentag verteilt Altug gemeinsam mit seinen Fraktionschefinnen Silke Gebel und Antje Kapek am Kottbusser Tor Blumensamen. Es soll etwas blühen für die Bienen.

In der Stadt ist Imkerei tatsächlich ergiebiger als auf dem Lande - zumindest bei der gegenwärtig herrschenden Trockenheit. Denn die Einwohner der Städte gießen ihre Balkonblumen. Die Blumen haben dann genug Feuchtigkeit, um Nektar zu bilden, den die Bienen sammeln können. Während Wildbienen nur in einem Radius von 100 Metern sammeln, fliegen Honigbienen bis zu fünf Kilometer weit. Von den Ministergärten aus erreichen sie so den Berliner Tiergarten. Die Linden und Kastanien in der Umgebung sorgen für einen kräftigen Geschmack des Honigs. Im vergangenen Jahr war die Honigernte besonders ergiebig. 90 Kilogramm wurden es. Das reichte für 730 Gläschen. Währenddessen schafften die zwei Bienenvölker am Potsdamer Regierungsstandort nur 50 Kilogramm beziehungsweise 400 Gläschen.

Die Sorte »Märkischer Ministergarten - Brandenburger Honig made in Berlin« wird an ausgewählte Gäste der Landesvertretung verschenkt. Da das Bundesland Brandenburg dieses Jahr die Bundesratspräsidentschaft innehat, schien der Bedarf groß zu sein. Der reichliche Ertrag war willkommen. Doch durch die Coronakrise gab es zuletzt wenig Gelegenheit, Honig zu verschenken. »Wir bekommen die Gläschen aber noch weg«, ist sich Staatssekretärin Jahns-Böhm sicher.

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