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Der Hafen an der Lieferkette

Deutschland ist stärker als andere Industrieländer in die globale Wirtschaft eingebunden und will es bleiben

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

»Wir haben getan, was zu tun ist, und Deutschland versorgt«, sagt Angela Titzrath zu der Leistung des größten deutschen Hafens während der Coronakrise. Die Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik AG sprach kürzlich von einem »moderaten Rückgang« des Umschlages. Weniger Schiffe, weniger Ladung, lautet ihre Rechnung für Klopapier, Gesichtsmasken, chinesische Champions in Dosen, aber auch für Computerplatinen und Schrauben, die der deutsche Maschinenbau benötigt.

Die Bilanzen nach Wochen des Lockdowns sind in der Industrie unterschiedlich. »Wir haben noch keine Probleme mit unseren Lieferketten«, heißt es bei Krauss-Maffei Wegmann in München beruhigend. So basiert die Produktion des Kampfpanzers »Leopard« auf Teilen und Komponenten von etwa 1000 Zulieferfirmen, die schon aus sicherheitspolitischen Gründen vorwiegend in Europa angesiedelt sind. Der Panzerbauer liegt damit ziemlich im Trend. Gut 62 Prozent aller Vorleistungen für die deutsche Industrie kommen nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft aus den Ländern der Europäischen Union.

Dass auch die EU-Orientierung kein Allheilmittel ist, zeigte der Ausbruch der Corona-Pandemie in Norditalien, wo ein Großteil der italienischen Industrie sitzt. Pharmafirmen, Maschinenbauer und Textilindustrie berichteten im April von Lieferengpässen, wenn es um Produkte aus Italien ging. Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Ausland ist existenziell: 55 Prozent der gesamten Einfuhren entfallen auf Vorprodukte - von der Steinkohle bis zum Kühlaggregat.

Der Angebotsschock fiel bislang wohl doch nicht ganz so schlimm aus, wie von Konzernen und Wirtschaftsverbänden befürchtet. Das verdeutlichen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach der Import im März um 4,5 Prozent zum Vorjahresmärz zurückgegangen war. Auch die Zahlen vom Hamburger Hafen belegen das: Im ersten Quartal ging der Umschlag nur von 2,0 auf 1,9 Millionen Containern zurück. Von 551 planmäßigen Anläufen durch große Überseefrachter wurden 26 gestrichen, so Axel Mattern, Vorstand vom Hafen Hamburg Marketing. Im April seien es bereits weniger Ausfälle gewesen.

Da die Wirtschaft insgesamt nur langsam wieder anfährt, fehlt es an Nachfrage. Waren bleiben in Lagern der Logistiker liegen. Hafenbetreiber an Nord- und Ostsee beklagen überlaufende Logistikflächen. Drei Viertel der Unternehmen planen, aufgrund der neuen Corona-Erfahrungen, ihre Lieferketten umzugestalten. Konzerne wollen ihre Abhängigkeit von nur wenigen Zulieferern und Ländern verringern. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage, die das französische Beratungsunternehmen Sopra Steria veröffentlichte. Unterstützung kommt von den G20-Handelsministern, die einen Katalog von Maßnahmen erstellt haben, um die globalen Handels- und Lieferketten stabiler zu gestalten. Die Bundesregierung hatte mit den Kreditversicherern einen Schutzschirm aufgespannt, um Lieferketten abzusichern.

Trotz der Coronakrise ist eine der größten Reedereien, Hapag-Lloyd, gut ins Jahr gestartet. Doch Vorstandschef Rolf Habben Jansen warnt: »Auch wenn wir noch Rückenwind zu Jahresbeginn mitnehmen konnten, rechnen wir ab dem zweiten Quartal mit sehr deutlichen Auswirkungen der Pandemie.«

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