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Weißer Polizist kniet auf Genick von schwarzem Mann, bis dieser tot ist

Vier an Festnahme beteiligte Polizisten aus Minneapolis wurden entlassen

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.

George Floyd ist nur der letzte Name in einer langen Liste schwarzer Männer, die durch Polizisten in den USA getötet worden ist. Das Video seiner Festnahme zeigt, wie der bereits an den Händen fixierte Floyd neben einem Polizeiauto auf dem Boden liegt, ein weißer Polizist kniet auf seinem Hals. »Ich kriege keine Luft«, sagt Floyd mehrmals. Passanten, die die Festnahme filmen, fordern die Beamten mehrfach auf von ihm abzulassen. Sekunden später antwortet Floyd nicht mehr. Kurze Zeit darauf wird er in einem Krankenhaus für tot erklärt.

Verschiedene Videos der Festnahme aus mehreren Blickwinkeln zeigen: Floyd war in seinem Auto gestoppt worden, hatte bei seiner Fixierung keinen Widerstand geleistet. Die Aufnahme seiner Festnahme verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Netz, denn der Fall reißt in der schwarzen Community alte Wunden auf.

Der Fall erinnert an den Tod von Eric Garner. Der schwarze Mann war 2014 von Polizisten im New Yorker Stadtteil Staten Island festgenommen, mit einem Würgegriff fixiert und dabei von weißen Polizeibeamten getötet worden. Sein Ausspruch »I cant breathe« wurde zum Slogan der Black-Lives-Matter-Bewegung und zur Parole gegen rassistische Polizeigewalt.

»Für ganze fünf Minuten haben wir uns angesehen, wie ein weißer Polizeibeamter sein Knie in den Nacken eines schwarzen Mannes gepresst hat. Dieser Polizeibeamte hat versagt, bei einfachsten menschlichen Verhalten: Wenn jemand Hilfe braucht, hilft man«, erklärte ein sichtlich bewegter Jacob Frey, Bürgermeister von Minneapolis. »Schwarzer in Amerika zu sein, darf kein Todesurteil sein«, erklärte Frey, der sich auf einer Pressekonferenz bei der schwarzen Community in der Stadt entschuldigte.

Anders als in vielen anderen Fällen von Polizeigewalt in den USA, in denen es keine oder kaum Konsequenzen für die handelnden Polizisten gibt, handelte die Stadt Minneapolis schnell. Die vier an der Verhaftung beteiligten Beamten wurden entlassen. Eine Aufsichtsbehörde im Bundesstaat Minnesota und die Bundespolizei FBI untersuchen die Festnahme mittlerweile.

Gegen den im Video zu sehende weiße Polizist gab es offenbar bereits eine Reihe von Bürgerbeschwerden. Außerdem scheinen Fotos in den sozialen Medien Derek Chauvin zu zeigen, wie er mit einem roten »Cops for Trump« T-Shirt bekleidet neben Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt des US-Präsidenten in der Stadt im Oktober 2019 auf der Bühne steht.

Am Dienstagabend kam es zu Protesten in Minneapolis. Hunderte Menschen versammelten sich auf einer Kreuzung nahe des Tatorts, riefen Parolen wie »No Justice, No Peace, Prosecute the Police«. Anders als im Fall der rechten Proteste gegen Corona-Einschränkungen in den vergangenen Wochen, wo bewaffnete weiße Demonstranten zum Teil Staatsparlamente gestürmt hatten, ging die Polizei in Minneapolis mit Tränengas gegen die Demonstranten vor und räumte die Kreuzung.

»Wie viele Menschen müssen noch sterben, nur weil sie schwarz sind, damit Racial Profiling und Geringschätzung für schwarzes Leben durch die Polizei ein Ende haben«, heißt es in einem Statement des Anwalts der Familie von Floyd. Man dürfe »jetzt nicht vorschnell die Beamten verurteilen«, sagte dagegen die Polizeigewerkschaft von Minneapolis in einer Erklärung.

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