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Die Angst geht um in den Bergbauregionen

Abgelegene Gegenden in Peru befürchten eine Corona-Epidemie, sollten die Minen wie geplant bald wieder auf Normalbetrieb schalten

Das Ziel ist klar: Der Bergbau in Peru soll nach der Corona-Pause schnellstmöglich wieder auf vollen Touren laufen. Die 17 großen Minengesellschaften hatten schon Mitte Mai ihre Pläne für die Wiederaufnahme des vollen Betriebes vorgelegt - inklusive der Konzepte für Gesundheitsschutzmaßnahmen. Die waren allerdings bisher äußerst löchrig; die Zahl von 821 mit dem Virus infizierten Bergarbeitern, von denen einer gestorben ist, macht das nur zu deutlich.

Infektionen gibt es vor allem im Westen des Landes in der Kupfermine Antamina sowie in den Goldminen des Konsortiums Horizonte. Dies geht aus einem internen Papier des Energieministeriums hervor, welches das Entwicklungsnetzwerk Muqui veröffentlicht hat. Vor allem in den abgelegenen Regionen geht die Angst um, dass Minenarbeiter, die alle paar Wochen nach Hause zu ihren Familien reisen, das Virus einschleppen.

Bisher entfällt mehr als die Hälfte der rund 180 000 Infizierten im Land - Peru liegt damit weltweit auf Rang neun - und der 4900 Todesopfer auf den Großraum Lima. Für José de Echave von der Entwicklungsorganisation CooperAcción in Lima ist die Angst auf dem Land dennoch nachvollziehbar: »Die Gesundheitsversorgung in den abgelegenen Regionen, wo die Minen oftmals angesiedelt sind, ist miserabel.« Im Süden Perus gab es schon lokale Proteste gegen die Präsenz von Bergarbeitern aus anderen Regionen. So wurden nach ersten Covid-19-Fällen die Zufahrtsstraßen zur Silber- und Kupfermine Bateas blockiert. José de Echave berichtet, dass anderswo mit alten Jagdgewehren bewaffnete Frauen und Männer Leute mit dem Hinweis abwiesen: Covid-19 kommt hier nicht rein.

Die Angst ist groß, dass sich das Virus durch das geplante Hochfahren der Bergbauaktivitäten ausbreiten könnte. Ohnehin gibt es eine große Dunkelziffer: Bisher seien in den Minen vor allem die Festangestellten getestet worden, sagt Aktivist de Echave. Doch je nach Mine seien bis zu 60 Prozent der Bergarbeiter bei externen Jobagenturen angestellt. »Da schlummert ein Risiko.«

Das bereitet auch Muqui-Leiter Jaime Borda Sorgen. Er verweist auf die Situation in den großen Kupferminen nahe der Touristenmetropole Cusco, die auch deutsche Abnehmer beliefern und in von indigenen Gemeinschaften bewohnten Gegenden liegen. »Dort wird der Bergbau ohnehin kritisch gesehen - in der Covid-19-Krise könnte das zu Protesten führen.«

Borda hält es für äußerst fragwürdig, den Bergbau hochzufahren, obwohl die Infektionszahlen weiterhin stark steigen. Doch die großen Bergbauunternehmen machen Druck, die bis zum 30. Juni verlängerten Quarantänemaßnahmen zu lockern. »Im Goldbergbau ist das angesichts der hohen Preise von mehr als 1700 US-Dollar pro Unze logisch. Und bei Kupfer haben die peruanischen Minen einen Kostenvorteil, da sie ex-trem billig produzieren«, so de Echave. Das sorgt dafür, dass die Bergbaukonzerne trotz des Preiseinbruchs um ein Drittel in der Coronakrise Gewinne generieren können.

Auch deshalb soll spätestens Ende Juni wieder mit Volldampf gefördert werden. Das kritisieren die NGO-Vertreter, denn mit mehr Verkehr aus den großen Städten in die Regionen steige auch das Risiko, das Virus zu verbreiten. »Das könnte zum Bumerang werden«, meint de Echave. Immerhin gebe es schon Proteste infizierter Bergarbeiter wegen unzureichender Gesundheitsversorgung. Arbeiter des Konsortiums Horizonte kritisierten in einem Video, dass sie sich selbst überlassen seien und nicht medizinisch versorgt würden.

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