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Waffenfabrik macht dicht

Zwielichtige Firma Sig Sauer gibt ihren Standort in Eckernförde auf. Von Dieter Hanisch

Von Dieter Hanisch

Das 70. Jahr seines Bestehens wird die Waffenschmiede Sig Sauer im nächsten Jahr nicht mehr erleben. Der Waffenhersteller aus Eckernförde gab bekannt, noch im Verlauf dieses Jahres seinen Standort an der Ostsee zu schließen. Die Entscheidung teilte Geschäftsführer Tim Castagne der Belegschaft und dem Betriebsrat am Donnerstag mit. Er verwies auf wirtschaftliche Gründe, widersprach aber Presseschlagzeilen, wonach das Unternehmen pleite sei. Für die 125 Beschäftigten strebe man nun sozialverträgliche Lösungen an, sagte Castagne.

Bereits im Februar, vor der Corona-Pandemie, hatte der traditionelle schleswig-holsteinische Pistolen- und Langwaffenbauer Kurzarbeit angemeldet. Es heißt, die jährliche Produktion habe zuletzt nur noch rund 25 000 Waffen betragen.

Castagne sieht die Coronakrise nicht als Hauptursache für das Aus des Standorts. Eine restriktivere Gesetzgebung bei Sport- und Behördenwaffen sowie die zunehmende Ausgrenzung bei Ausschreibungsverfahren sind laut Sig Sauer entscheidend für die zuletzt immer schlechteren Umsätze gewesen. So hatte man sich unter anderem vergeblich darum beworben, ein Nachfolgermodell fürs Bundeswehr-Sturmgewehr G 36 zu entwickeln.

Jürgen Grässlin von der Initiative »Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!« sieht in der international operierenden Firma einen skrupellosen Rüstungsproduzenten für Kleinwaffen, gegen den seit April die Kieler Staatsanwaltschaft neuerliche Ermittlungen aufgenommen hat. Der Vorwurf steht im Raum, dass über Umwege ohne erforderliche Rüstungsexportgenehmigung der Bundesregierung illegal Pistolen aus Eckernförde nach Mexiko verbracht wurden, wie Recherchen des Filmemachers Daniel Harrich ans Tageslicht brachten.

Erst im vergangenen Jahr wurden wegen illegalen Geschäfte nach Kolumbien drei Ex-Manager von Sig Sauer aus Eckernförde vor dem Kieler Landgericht zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. Zugleich ordnete das Landgericht an, bei Sig Sauer die aus dem Rüstungsgeschäft mit Kolumbien erzielten Gewinne in Höhe von 11,1 Millionen Euro einzuziehen. Dagegen hat der Waffenbauer nach Urteilsverkündung Revision eingelegt. Darüber hat der Bundesgerichtshof noch nicht entschieden.

Sig Sauer gehört seit dem Jahr 2000 zur L & H-Holding in Emsdetten, unter dessen Dach auch die US-Schwester Sig Sauer Inc. in Newington im US-Bundesstaat New Hampshire sowie Swiss Arms aus Neuhausen/Schweiz ihre Geschäfte abwickeln. Der Rüstungsgegner Grässlin sieht im Zusammenhang mit der L & H-Holding den Standort Eckernförde nur als kleinen Player. »Die umfänglicheren Geschäfte werden doch eigentlich über das Schwester-Unternehmen in New Hampshire abgewickelt«, fügt er hinzu.

Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel nennt die Schließung einen »herben Schlag« für die Stadt. Sig Sauer war einer der größten Arbeitgeber vor Ort. Was aus dem Grundstück und der Produktionsstätte wird, ist noch ungewiss. Kommentar Seite 8

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