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Polizeibrutalität bei »Black Lives Matter« Demonstration

Zehntausende demonstrieren gegen Rassismus in Deutschland / Proteste auch in den USA und Frankreich

  • Lesedauer: 4 Min.

Berlin. Tausende Menschen haben am Samstagnachmittag in Berlin auf dem Alexanderplatz unter dem Motto »Black Lives Matter« (»Schwarze Leben zählen«) gegen Rassismus demonstriert. Dabei kam zu brutalen Verhaftungen durch Polizeikräfte. Videos davon kursierten in den Sozialen Netzwerken. In den Agenturen wird die Teilnehmerzahl mit 15.000 Personen angegeben. Im Kurznachrichtendienst Twitter ist von 50.000 Menschen die Rede. Es kam laut Agenturangaben zu insgesamt 93 Festnahmen.

180.000 Menschen haben am 6. Juni deutschlandweit gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA und Deutschland demonstriert

Wie dem »nd« berichtet wurde, war das Spektrum der Demonstrierenden sehr verschieden. Von linken Blöcken, zu religiösen Gruppen und jenen, die im Rahmen der »Silent Demo« still trauerten. Die Polizeiangriffe auf Demonstrierende konzentrierten sich laut Augenzeugen auf nach der Veranstaltung. Demonstrierende, die im Anschluss Richtung Straußberger Platz liefen, wurden von der Polizei teils hart und unverhältnismäßig angegangen.

Anlass der Demonstration war der Mord des Afroamerikaners George Floyd am 25. Mai bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis, USA. Ein Video der tödlichen Festnahme hatte zu landesweiten Protesten geführt.

Viele Demonstranten trugen schwarze Kleidung und Mund-Nasen-Schutz. Immer wieder wurde der Protestslogan »Black Lives Matter« gerufen. Auf Plakaten wurde unter anderem auch an Menschen dunkler Hautfarbe erinnert, die in Deutschland Opfer rassistischer Gewalt wurden.

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd gingen auch andernorts Menschen auf die Straße. Afrodeutsche Initiativen hatten in rund 20 Städten zu den Protesten unter dem Motto »Silent Demo« aufgerufen. Größere Demonstrationen fanden neben Berlin auch in München, Hamburg, Köln und Frankfurt statt. Alleine in München sollen 25.000 Menschen demonstriert haben. In Düsseldorf verharrten zum Auftakt am DGB-Haus die Demonstranten für acht Minuten und 46 Sekunden in Schweigen. So lange hatte der US-Polizist sein Knie auf den Hals von George Floyd gedrückt.

In den USA nahmen die seit Wochen andauernden Proteste auch dieses Wochenende nicht ab. Allein in Washington versammelten sich tausende Menschen in den Straßen um das Weiße Haus. Viele Demonstranten trugen Plakate mit der Aufschrift »Keine Gerechtigkeit, kein Frieden« und knieten nieder. Militärkräfte und Polizisten beobachteten den Protest in Washington. Sie schienen aber zahlenmäßig weniger präsent zu sein als in den Tagen zuvor.

Neben Washington gab es am Samstag auch in anderen Städten wie New York, Philadelphia, Chicago und Los Angeles Proteste. In San Francisco marschierten tausende Menschen über die Golden Gate Bridge und legten zeitweise den Verkehr lahm. In Floyds Heimatstaat North Carolina kamen hunderte Menschen zu einer Trauerfeier zusammen.

Die Proteste in den USA wurden zuletzt von neuen Vorfällen von Polizeigewalt überschattet. Die Polizei in Minneapolis hatte am Freitag angekündigt, Beamten den Würgegriff zu verbieten. Der Polizeichef von Seattle kündigte an, 30 Tage auf Tränengas zu verzichten. In Denver wurde der Einsatz chemischer Stoffe und Projektile wie Gummigeschossen gegen friedliche Demonstranten verboten.

Auch in Frankreich gingen am Samstag Tausende Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße. In Paris widersetzten sich die Menschen Demonstrationsverboten. Die Pariser Polizei hatte etliche Proteste in der Hauptstadt verboten, Versammlungen von mehr als zehn Menschen in der Öffentlichkeit sind coronabedingt nicht erlaubt. Zahlreiche Menschen versammelten sich dennoch im Zentrum von Paris - unter anderem in der Nähe der US-Botschaft am Place de la Concorde. Dem Innenministerium zufolge demonstrierten gut 23 000 Menschen in ganz Frankreich, davon etwa 5500 in Paris, wie französische Medien berichteten.

Die Demonstrierenden hielten Schilder der »Black Lives Matter«-Bewegung in Anlehnung an die Proteste in den USA in die Höhe. Andere forderten Gerechtigkeit für Adama Traoré. Der 24-jährige Sohn von Einwanderern aus Mali war vor vier Jahren in Polizeigewahrsam in einer Pariser Vorstadt ums Leben gekommen. Der Fall Traoré gilt in Frankreich als ein Symbol der Polizeigewalt und weist Parallelen zum Mord an Floyd auf. Agenturen/nd

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