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Solidarität mit »Black Lives Matter«-Protesten

Jüdinnen und Juden in Berlin unterstützen die Widerstandsbewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

»Gegen Rassismus zu kämpfen, heißt für mich in erster Linie, für Respekt zu kämpfen«, sagt Devaney Baron. Die 22-jährige Deutschamerikanerin und Jüdin war wie Zehntausende andere am vergangenen Samstag auf der »Black Lives Matter«-Demonstration auf dem Alexanderplatz in Mitte. »Es ist unbedingt notwendig, dass rassistische Gewalt und systematische Diskriminierung durch Strafverfolgungsbehörden auch hier in Deutschland endlich thematisiert werden«, sagt sie.

Seit vier Jahren engagiert sich die junge Frau in der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD). Die Vereinigung wird vom Zentralrat der Juden gefördert und hat sich mit der »Black Lives Matter«-Bewegung solidarisch erklärt. »Für mich als Jüdin ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich alle Menschen unterstütze, die sich für eine freie und tolerante Gesellschaft starkmachen«, sagt Baron. Als weiß etikettierte Frau sei sie sich ihrer Privilegien bewusst. »Niemals werde ich es nachfühlen können, wie es ist, direkt von Rassismus betroffen zu sein.« Antisemitismus und Rassismus spielten sich auf unterschiedlichen Ebenen ab und »greifen doch beide auf Theorien der Ungleichwertigkeit zurück«, wie sie sagt. Deshalb sei es für sie ein persönliches Anliegen, gegen alle Formen von Ausgrenzung einzustehen.

»Der strukturelle Rassismus in der deutschen Polizei ist auch eine Gefahr für die jüdische Gemeinschaft«, meint auch Ruben Gerczikow, Vizepräsident der JSUD Berlin. »Hass und Ausgrenzung zielen letztendlich immer auf alle gesellschaftlichen Minderheiten ab«, meint der 23-Jährige. Der Einsatz gegen Rassismus sei deswegen auch immer der Einsatz gegen andere Formen der Diskriminierung. »Als Jüdinnen und Juden haben wir besonders sensible Antennen, wenn es um die Ausgrenzung von Minderheiten geht«, so Gerczikow. »Aus dieser Position heraus ergibt sich meiner Meinung nach auch eine besondere Verantwortung.«

Auch in der jüdischen Community gebe es bisweilen rassistische Vorurteile. »Hier müssen wir im innergemeinschaftlichen Dialog dafür sorgen, dass solche Einstellungen verschwinden«, fordert er. Auch in Israel werde diese Debatte teils heftig geführt. Tatsächlich hatte die »Black Lives Matter«-Bewegung im vergangenen Jahr dort für Aufsehen gesorgt. Nachdem ein Jugendlicher äthiopischer Abstammung im Juli von einem Polizisten erschossen worden war, kam es im ganzen Land zu teils gewaltsamen Protesten. Die rund 145 000 Angehörigen der jüdisch-äthiopischen Community klagen seit Langem über Diskriminierung durch Polizei und staatliche Behörden.

»Es ist wirklich traurig und schade, dass offener Rassismus und Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe auch heute noch in unseren Gesellschaften präsent ist«, sagt Jonathan Ben-Shlomo, Vizepräsident des jüdischen Sportverbands Makkabi, der sich gegen Rassismus und Antisemitismus engagiert. Ben-Shlomo kennt beides aus eigener Erfahrung. Als der gebürtige Freiburger, der einen israelischen Vater iranischer Abstammung und eine deutsche Mutter hat, letztes Jahr auf der Straße angesprochen wurde, woher er denn komme, habe ein Mann zu ihm gesagt: »Dein Vater kommt aus Israel? Hitler hat euch wohl vergessen.« »Rassismus und Antisemitismus gehen nicht selten Hand in Hand«, sagt Ben-Shlomo.

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