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Clickhate

NETZWOCHE: Die junge Marke vom »Spiegel« wird eingestellt. Schade eigentlich.

  • Von Susanne Romanowski
  • Lesedauer: 3 Min.

Wer sich schon immer gefragt hat, ob er oder sie Weihnachtssüßigkeiten an ihren Krümeln erkennen kann oder in welcher Serie das eigene Leben spielen sollte, konnte bislang auf »Bento« zählen, das Online-Angebot des »Spiegel« für junge Leute. Damit ist jetzt Schluss.
Nun verkündete der »Spiegel« die Einstellung des Angebots aus wirtschaftlichen Gründen. Im Herbst geht die Seite, die sich primär an Menschen unter 30 richtete, offline.

Lange wurde die Einstellung eines Mediums nicht mehr so genüsslich auseinandergepflückt, wie es sich gerade im Fall von »Bento« beobachten lässt. Spätestens seit der Moderator Jan Böhmermann der Seite in seiner Sendung »Neo-Magazin Royale« vor drei Jahren eine vernichtende Kritik widmete, trafen Spott und Häme »die websitegewordene Schulklotür« wie wenige andere Medien. Viel Applaus kommt von rechts, aber auch sonst werden der »Pseudojournalismus« und »Bravo-Abklatsch« von »Bento« wenig betrauert.

Tatsächlich war die Aufmachung der Seite gerade anfangs eher schrill, Clickbait war üblich, und beizeiten wurde es mit Artikeln wie »Syrien, Jemen, Afghanistan: Welcher Bürgerkrieg bist du?« richtig düster.

Und doch mischt sich zwischen sarkastische Beileidsbekundungen auch Lob wie das der stellvertretenden Vorsitzenden der Grünen, Ricarda Lang: »Bei @bento_de habe ich das erste Mal erklärt, warum es nicht meine Aufgabe ist, mich an ›fette Fotze‹ zu gewöhnen. Daraus ist eine breite Debatte entstanden, die mir, und ich hoffe auch anderen, immer wieder Kraft gegeben hat.« Noch bevor etwa #metoo Ende 2017 zu einem viralen Hashtag und Feminismus zum viralen Thema wurde, ging es bei »Bento« um sexualisierte Gewalt und Diskriminierung.

Dass solche Themen mehr Raum bekommen haben, hat vermutlich auch demografische Gründe. Lisa McMinn, stellvertretende Chefredakteurin von »Vice« (ein Medium, das ähnlich kritisiert wird), twitterte dazu: »Es ist traurig, dass es @bento_de nicht mehr geben wird. Junge Medien sind Experimentierfelder für junge JournalistInnen und modernen Journalismus.«

Noch letztes Jahr hat »Bento« eine Generalüberholung bekommen: Ernster und aufgeräumter kommt es daher, politische Themen wie die aktuellen Proteste in den USA dominieren die Startseite. Es gibt immer noch Einiges, was sich an »Bento« kritisieren lässt: So wirkt das genannte Bürgerkriegs-Quiz doppelt zynisch, wenn es aus einer Redaktion kommt, deren Reisen in den Globalen Süden eher dem Backpacking als dem Verwandtenbesuch dienten. Aber mangelnde Diversität in Redaktionen ist kein reines »Bento«-Problem, sondern eines der gesamten Medienbranche.

Das Nachfolgeformat für »Bento« wurde bereits angekündigt: »Spiegel Start« soll sich inhaltlich auf den Übergang vom Studium zum Beruf konzentrieren – ein Thema, das auf »Bento« seit längerem behandelt wird. Der Unterschied: Während »Bento« gerade 16 Redakteur*innen beschäftigt, sollen es beim Nachfolger lediglich fünf werden.

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