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Schiffe versenken in der Ostsee

Die jährliche Nato-Marineübung »BALTOPS« endet am Dienstag

  • Von Robert Stark, Helsinki
  • Lesedauer: 3 Min.

Während die ersten Tourist*innen die Strände an der Ostsee bevölkern, endet am heutigen Dienstag das dort stattfindende maritime Nato-Manöver. Das Oberkommando der US-Marine in Europa lud zum 49. Mal Nato- und Partnerländer zu einer Marine- und Luftwaffenübung.

Laut der Pressestelle der 6. US-Flotte nahmen über 3000 Soldaten aus 17 Nato-Staaten sowie Schweden und Finnland teil. Fast 30 Kriegsschiffe und zahlreiche Militärflugzeuge übten in diesem Jahr Luftverteidigung, Maßnahmen gegen Seeminen, Kampf gegen U-Boote und maritime Abriegelungen. Über die Kosten des Manövers ist nichts bekannt.

Die deutsche Marine beteiligte sich unter anderem mit zwei Minenjagdbooten, dem Flottentanker »Rhön« und der Fregatte »Lübeck« an der Übung. Allein auf der »Lübeck« sind über 200 Soldat*innen stationiert. Normalerweise wird bei BALTOPS (Baltische Operationen) auch das Einlaufen in Häfen unterschiedlicher Ostseeanrainerstaaten geübt. Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurde die Übung in diesem Jahr allerdings ausschließlich auf hoher See und in der Luft durchgeführt. Zum ersten Mal lag der Oberbefehl bei dem portugiesischen Nato-Hauptquartier Oeiras. In einem ersten Teil übten die teilnehmenden Streitkräfte einzelne Ausbildungsinhalte nacheinander, um anschließend im »freien Spiel« Seekriegsführung zwischen zwei Parteien zu trainieren. Dieses Vorgehen scheint sich bewährt zu haben: Im Jahr 2008 wurde ein Seekrieg zwischen zwei fiktiven Ostseestaaten Bluland und Midland simuliert.

Das Manöver soll die Einsatzfähigkeit der Nato-Staaten und ihrer Verbündeten verbessern und ist das größte seiner Art in der Region. Laut der Zeitschrift »Europäische Sicherheit & Technik« ist die Übung als ein »demonstratives Zeichen der Allianz gegenüber Russland« zu verstehen.

Das Säbelrasseln in unmittelbarer Nachbarschaft zu Russlands Millionenmetropole St. Petersburg wurde offenbar auch als ein solches interpretiert: Ein Video des Fernsehsenders Zwezda, der vom russischen Verteidigungsministerium betrieben wird, zeigt eine zeitgleich stattfindende Übung russischer Kampfflugzeuge über der Ostsee. Dabei überflogen die russischen Jets auch Teile der Nato-Flotte und übten das Bombardement von Seezielen. Immer wieder kommt es im Ostseeraum zu Provokationen im Luftraum oder gefährlichen Nahflügen. Bei Nahflügen von Kampfflugzeugen werden die eindringenden Kräfte teilweise von verteidigenden Einheiten »beschattet« bis sie den eigenen Luftraum wieder verlassen. Bei derartigen Manövern nähern sich die Flugzeuge gelegentlich so nah einander an, dass die Piloten die Handschuhfarbe ihres Gegenüber erkennen können.

Während das militärische Muskelspiel in der Ostsee stattfand, übernahm die deutsche Verteidigungsministerin und CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer den politischen Teil der Übung: Am Wochenende lancierte sie in den wichtigsten Tageszeitungen Schwedens und Finnlands »Dagens Nyheter« und »Helsingin Sanomat« jeweils einen Kommentar. Darin rief sie zu einer noch intensiveren Zusammenarbeit von EU und Nato auf und unterstrich die besondere strategische Bedeutung Nordeuropas für die Europäische Union. Die beiden nordischen Länder sind zwar Teil einer strategischen Partnerschaft, aber keine Nato-Mitglieder.

Der Kommentar in der finnischen Zeitung war mit »Deutschland baut ein stärkeres Europa« übertitelt und setzte die Übung und dortige europäische Zusammenarbeit auch in den Kontext der ab Juli beginnenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Der Vorsitz steht unter dem Motto »Gemeinsam. Europa wieder stark machen.« Die Aussagen der Verteidigungsministerin machen deutlich, was sie unter europäischer Stärke versteht.

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