Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

PARTEI will nur korrekte Typen

Männeraufnahmestopp in der Satirepartei geht zu Ende

  • Von Marion Bergermann
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Zeit, in der Mitgliedsanträge von Männern geschreddert werden, ist ab diesem Dienstag vorbei. Jetzt darf auch das in Parteien ohnehin überrepräsentierte Geschlecht wieder bei der satirischen PARTEI (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative) ein Formular für die Mitgliedschaft einreichen.

Das war in den letzten 100 Tagen nicht möglich, weil die Partei seit dem Internationalen Frauentag einen Männeraufnahmestopp verhängt hatte. So sollte der Anteil von Mitgliedern, die nicht männlich sind, erhöht werden.

Wie bei vielen PARTEI-Aktionen steckt damit hinter populistischen Slogans ein ernsthaftes Anliegen. Mit einer Quote von 20 Prozent weiblicher Mitglieder befänden sie sich in der »etwas unappetitlichen Gesellschaft« von anderen Parteien wie der CDU, FDP und AfD, hatte die PARTEI im März geschrieben. Aber nicht nur diese drei Zusammenschlüsse haben einen geringen Frauenanteil unter ihren Mitgliedern.

Eine dpa-Umfrage von April 2019 zeigte, dass Frauen in allen klassischen Volksparteien unterrepräsentiert sind. Auch in der SPD mit rund 33 Prozent, bei der Linken mit rund 36 Prozent sowie bei der FDP mit rund 22 Prozent weiblichen Mitgliedern. Die höchste Rate haben die Grünen, bei denen Ende vergangenen Jahres laut Eigenangaben 41 Prozent der Mitglieder Frauen waren.

In der PARTEI hat sich zahlenmäßig seit dem Aufnahmestopp nicht so viel getan. Waren vor der Aktion 20 Prozent der Mitglieder weiblich, sind es nun 21,3 Prozent, teilte die Bundesgeschäftsstelle dem »nd« mit. Eine größere Quotenverschiebung sei bei über 45 000 Mitgliedern zu Corona-Zeiten nicht zu erwarten, sagt der Parteivorsitzende Martin Sonneborn dieser Zeitung. »Aber der Männerstopp war ein innerparteilicher Erfolg, weil er ein deutliches Zeichen gesetzt hat«, so Sonneborn. »Und weil er lustige Beschimpfungen von abgewiesenen Männern nach sich zog. Wer so etwas nicht gelassen nimmt, passt eh nicht in die PARTEI.«

Immer wieder hatte es in den letzten Jahren parteiinterne Debatten gegeben, wie die PARTEI mit Sexismus in den eigenen Reihen umgehen soll. Nach mehreren frauenfeindlichen Vorfällen hatten Mitglieder kritisiert, dass solche Geschehnisse nicht ausreichend aufgearbeitet worden seien. Daraufhin wurde eine Antidiskriminierungskommission gegründet, in allen Landesverbänden sollte es Ansprechpartner*innen geben.

Doch einigen Mitgliedern ging das zu langsam. Gründungsmitglied Martina Werner sagte im März dem »nd«, sie glaube, dass sich nun mit dem Thema Sexismus beschäftigt werde, weil es einige laute Frauen in der Partei gebe. »Wir brauchen solche Frauen, um klarzumachen, in der Partei wird nichts verziehen. Die Partei darf kein Schonraum für Sexisten werden«, sagte sie.

Das politische Satireprojekt ist mittlerweile mit zwei Abgeordneten, Martin Sonneborn und Nico Semsrott, im EU-Parlament vertreten. In einigen Städten sitzt die PARTEI in Stadt- und Gemeinderäten.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln