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Gebäudereiniger wollen Weihnachtsgeld

Die IG BAU will bei Tarifverhandlungen mehr Geld für ihre schlecht bezahlten Beschäftigten erkämpfen

  • Von Rainer Balcerowiak
  • Lesedauer: 3 Min.

Diesen Dienstag beginnen in Frankfurt am Main die Tarifverhandlungen für die 700 000 Beschäftigten des Gebäudereinigerhandwerks. Da es sich neben dem Baugewerbe um die erste große Tarifrunde seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie handelt, geht ihre Bedeutung weit über diese Branche hinaus. Während Unternehmer- und Wirtschaftsverbände angesichts der dramatischen Rezession die Chance wittern, deutliche Einschnitte bei Entlohnung und Arbeitsbedingungen durchzusetzen, müssen die Gewerkschaften eine Strategie entwickeln, genau das zu verhindern.

Entsprechend unterschiedlich sind die Positionen in dieser Tarifrunde. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), die die Gebäudereiniger vertritt, fordert eine Erhöhung der beiden allgemeinverbindlichen Branchenmindestlöhne um jeweils 1,20 Euro pro Stunde auf dann 12 Euro beziehungsweise 15,30 Euro (für Glasreiniger). Die Tabellenentgelte der regulären Lohngruppen sollen um 6,5 Prozent steigen, die Vergütungen der Auszubildenden um 100 Euro. Zudem fordert die IG BAU den Einstieg in ein Weihnachtsgeld für die Branche in Höhe von 80 Stundenlöhnen.

Johannes Bungart, der Geschäftsführer des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV), bezeichnete die Forderungen der Gewerkschaft angesichts der dramatischen Auftragseinbrüche der letzten Monate als »vollkommen realitätsfern«. Die Forderung der IG BAU bedeuteten ein Lohnplus von 15,5 Prozent. Man könne in einer Tarifrunde nicht »die dramatischen Verwerfungen durch die Coronakrise ausblenden«, so Bungart in einer Erklärung. Laut einer Umfrage des Verbandes unter den Mitgliedsunternehmen des Verbandes hätten über 90 Prozent der Unternehmen Umsatzrückgänge zu verzeichnen, knapp 60 Prozent mussten Kurzarbeit anmelden, und fast ein Drittel hat staatliche Krisenunterstützung in Anspruch genommen.

Der Sprecher der IG BAU, Ruprecht Hammerschmidt, bezeichnete die Darstellung des Unternehmerverbandes am Montag gegenüber »neues deutschland« als »kompletten Unsinn«. Zwar seien in der Lockdown-Phase in einigen Bereichen wie Gaststätten, Beherbergungsgewerbe oder Schulen deutlich weniger Reinigungskräfte benötigt worden. In anderen Bereichen wie etwa Krankenhäusern, Altenheimen und auch Supermärkten sei das Arbeitsaufkommen aufgrund der erhöhten Hygieneanforderungen aber sogar deutlich gestiegen.

Jetzt, wo die Beschränkungen allmählich entfallen, werde sich dieser Trend fortsetzen, so Hammerschmidt. Natürlich hätten einige Betriebe Engpässe zu verzeichnen gehabt, aber nach Einschätzung der Gewerkschaft habe es besonders beim Kurzarbeitergeld »viele Trittbrettfahrer in der Branche gegeben«, sagt der Gewerkschafter. Er hofft, dass dieser Missbrauch später gründlich aufgearbeitet wird, denn schließlich handele es sich dabei auch um Beitragsgelder der Beschäftigten zur gesetzlichen Arbeitslosenversicherung. Der Wert professioneller Gebäudereinigung sei jedenfalls »in der Corona-Pandemie mehr als offensichtlich geworden. Das muss sich endlich auch im Lohn spiegeln.« Das gelte in besonderem Maße für die unteren Mindestlohngruppen, die sich noch immer im Niedriglohnsektor bewegen, »und da gehören sie nicht hin«.

Bei der ersten Verhandlungsrunde kommen erst mal die unterschiedlichen Positionen auf den Tisch, Ergebnisse sind noch nicht zu erwarten. So richtig Schwung aufnehmen wird die Tarifauseinandersetzung im Gebäudereinigerhandwerk dann wohl erst nach der Sommerpause. Wobei derzeit niemand vorhersagen kann, wie die Rahmenbedingungen durch die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie dann aussehen werden.

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