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Keine Schützenhilfe für den Ex-Trainer

Karlsruhe erkämpft ein 3:3 gegen Bielefeld und rettet sich wohl im Abstiegskampf der 2. Liga - das Ende für Dresden

  • Von Christoph Ruf, Karlsruhe
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Hauptwohnung von Markus Kauczinski liegt Luftlinie nur gut zwei Kilometer vom Karlsruher Wildparkstadion entfernt. Der Trainer von Dynamo Dresden war von 2001 bis 2016 in diversen Trainerfunktionen beim Karlsruher SC beschäftigt und kennt in der Stadt noch jeden Stein. Am Sonntag empfing der KSC den künftigen Erstligisten Arminia Bielefeld und durfte sich sicher sein, dass der ehemalige Trainer in 50 Kilometern Entfernung, in Sandhausen, sehr heftig dem Gegner die Daumen drückt. Eine minimale Chance, die Klasse zu halten, hätten die Dresdner nur gehabt, wenn Dynamo gewonnen und der KSC sein Spiel verloren hätte.

Am Sonntag, um 17.19 Uhr nordbadischer Sommerzeit war Dresdens Abstieg in die Dritte Liga dann praktisch besiegelt. Der 1:0-Sieg in Sandhausen war zu wenig. Obwohl Wehen-Wiesbaden zeitgleich in Darmstadt verlor. Und trotz der Schützenhilfe aus Karlsruhe, wo sich der KSC ausgerechnet am vorletzten Spieltag im ersten Durchgang den schlechtesten Auftritt einer an schlechten Auftritten reichen Spielzeit gönnte. Dann aber drehte er in der zweiten Hälfte einen 0:3-Rückstand in ein Remis. Karlsruhe steht nun auf dem Relegationsrang, von dem ihn Dynamo bei drei Punkten und 14 Toren Rückstand nicht mehr verdrängen kann.

Schon nach 20 Minuten lag der KSC, der einen Sieg genauso dringend gebraucht hätte wie Dynamo, mit drei Treffern zurück. Der erste schlimme Fehler von Verteidiger Dirk Carlson führte zum 0:1 durch Marcel Hartel (5.); den zweiten Carlson-Bock, einen katastrophal verunglückten Rückpass auf Torwart Benjamin Uphoff, nutzte Torjäger Fabian Klos zum 0:2, ehe Christoph Kobald auch im formalen Sinne ein Eigentor zum 0:3 gelang (20.). Der Treffer von Philip Hofmann zum 1:3 hätte ein Weckruf sein können, doch an der Gesamtanmutung des Spiels änderte sich wenig. Allein in den ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff hatten die Westfalen dreimal die Chance, auf 1:4 zu erhöhen. Durch einen Foulelfmeter kam Karlsruhe aber auf 2:3 heran (70.) und holte in der Schlussoffensive einen weiteren Elfer heraus, den erneut Hofmann verwandelte (88.).

Für Dynamo ist der Verlauf des 33. Spieltages also genauso bitter wie das ganze Setting nach der Pandemiepause. Wegen einiger Corona-Fälle im Team hatte das Gesundheitsamt der gesamten Mannschaft Quarantäne verordnet, während alle anderen längst wieder trainierten. Dynamo musste daraufhin acht Spiele in 22 Tagen in der Restrunde bestreiten. Nachvollziehbar verloren sie die meisten davon.

Wut und Ohnmacht über diese Umstände des Abstiegs hatten sich schon ein paar Tage zuvor Bahn gebrochen, als Chris Löwe nach dem 0:2 in Kiel seinen Zorn artikulierte: »Wir sind am Ende die, die den Preis bezahlen für den ganzen Scheißdreck«, hatte Dynamos Verteidiger gesagt. Und einen Tag später »eine Wettbewerbsverzerrung von ganz besonderem Ausmaß« ausgemacht - eine Wertung, der inhaltlich interessanterweise noch niemand widersprochen hat.

In diesem bitteren Saisonfinale behalten sich die Sachsen eigenen Angeben zufolge juristische Schritte offen. In den kommenden Tagen dürfte man Näheres erfahren.

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