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Rassisten vom Sockel geholt

In den USA wurden am Wochenende erneut Statuen gestürzt, die die Sklaverei verherrlichten

  • Von Alexander Isele
  • Lesedauer: 2 Min.

Auch an zurückliegenden Wochenende wurde in den USA über den Umgang mit der rassistischen Kolonialgeschichte gestritten. Im ganzen Land wurden bei Demonstrationen und Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt mehrere umstrittene Statuen von historischen Personen gestürzt, die mit Rassismus in Verbindung gebracht werden. In der US-Hauptstadt Washington zum Beispiel am Freitag eine Statue des Südstaaten-Generals Albert Pike. Die zu Fall gebrachte Statue wurde mit Benzin übergossen und in Brand gesetzt. US-Präsident Donald Trump forderte auf Twitter, die Täter sollten festgenommen werden, und warf der Polizei Versagen vor. Trump nannte den Sturz der historisch aufgeladenen Statuen eine »Schande«.

Vor allem am Freitag, dem sogenannten »Juneteenth«, wurden mehrere Statuen zu Fall gebracht. In den USA wird am 19. Juni der Befreiung der Sklaven gedacht. An diesem Tag im Jahr 1865 hatte eine Proklamation in Texas das Ende der Sklaverei markiert. Kurz zuvor war der Bürgerkrieg mit einem Sieg über die Sklaverei befürwortenden Südstaaten zu Ende gegangen. Die seit Wochen andauernden Proteste in den USA nach dem Tod des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz ließen den Konflikt um Statuen, die in Verbindung mit Rassismus gebracht werden, neu aufflammen. In Portland (Oregon) wurde am Wochenende eine Statue des ersten US-Präsidenten George Washington gestürzt, der zahlreiche Sklaven besessen hatte. In San Francisco wurden mindestens drei weitere Statuen gestürzt, berichtete der Fernsehsender CBS.

Auch in anderen Ländern gab es am Wochenende Proteste gegen Denkmäler. So kam es im niederländischen Hoorn nach einer Demonstration gegen ein Denkmal aus der Kolonialzeit zu heftigen Unruhen. Die Statue stellt Jan Pieterszoon Coen (1587 bis 1629) dar, Generalgouverneur der Ostindien-Kolonie. Coen hat den Beinamen »Schlächter von Banda« - er war verantwortlich für ein Massaker auf einer Gewürzinsel desselben Namens. Auch in London waren für Sonntagnachmittag Demonstrationen gegen Rassismus angekündigt.

Derweil kamen zur ersten Wahlkampfveranstaltung des US-Präsidenten nach dem Corona-Lockdown deutlich weniger Besucher als erwartet. Nachdem Trump wegen heftiger Kritik die Veranstaltung in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma den Auftritt vom »Juneteenth« auf Samstag verschoben hatte - Tulsa ist der Ort eines brutalen Massakers von Weißen an Schwarzen -, blieb die 19 000 Menschen fassende Halle zu einem Drittel leer. Das Wahlkampfteam Trumps hatte zuvor behauptet, es Millionen Anmeldungen gegeben. In seiner Rede erwähnte Trump George Floyd nicht, auch Rassismus oder Polizeigewalt thematisierte er nicht. Stattdessen sagte Trump unter Applaus: »Wenn die Demokraten an die Macht kommen, dann werden die Randalierer das Sagen haben und niemand wird mehr sicher sein.«

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