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Monsieur Johnson?

Personalie

Nein, nicht Boris, das haben unsere Nachbarn jenseits des Kanals wirklich nicht verdient. Die Rede ist vom 79-jährigen Vater des amtierenden Premiers, Stanley Johnson. Dieser soll laut der Zeitung »The Independent« den Antrag auf einen französischen Pass gestellt haben. Andere zuverlässige Nachrichtenkanäle bringen die Geschichte noch nicht.

Nun ist Boris’ Erzeuger Stanley kein Gewohnheitslügner wie sein ältester Sohn. Der Mann war Journalist und Autor, behauptet gerade, in seinem 1982 erschienenen Buch The Virus Covid-19 vorausgesehen zu haben. Schade, dass so viel Einsicht an dem Sohn spurlos vorbeigegangen ist, sonst wären die Briten nicht europäischer Spitzenreiter bei den Corona-Todeszahlen. Dagegen wirkt der Vater sympathischer. Als ehemaliger konservativer Europaabgeordneter für Hampshire von 1979 bis 1984 ist er auch im Ruhestand kein rabiater Brexiteer, sondern wie übrigens die weiteren Sprösslinge - die liberal gesinnte Journalistin Rachel und der wegen des Brexits als Tory-Abgeordnete zurückgetretene Jo Johnson - ist Stanley Vertreter der »Remainers«, unterstützt also die opportunistische, waghalsige No-Deal-Brexit-Politik von Boris gar nicht. Familienloyalität hin oder her - zumindest der Alte hat Grundsätze.

Nun gibt es verschiedene Gründe, den Pass eines anderen Landes zu beantragen. Zehntausende Briten, die auch Bürger der EU und nicht nur Untertanen der Queen bleiben wollten, haben mittlerweile ihre irischen Vorfahren wiederentdeckt, was auch angesichts der früheren Massenmigration von der Grünen zur Nachbarinsel nur gerecht ist. Die gastfreundlichen Iren freuen sich. Vielleicht besitzt die Familie Johnson ein Haus in der von Briten gern besuchten Dordogne und möchte unterwegs nicht allzu lange in der Ausländerschlange an der Grenze stehen. Bei einem alten Herrn wäre das verständlich. Oder die Geschichte ist eine Zeitungsente. Sie macht aber deutlich, zu welchen Kapriolen die Brexit-Politik von Stanleys Sohn Boris das Land führt.

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