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Es fehlt an bundesweit geltenden Regeln

Busreisen sind wieder möglich, doch von Normalität kann noch lange keine Rede sein

Von Heidi Diehl

Endlich sind auch wieder Busreisen möglich. Man fährt mit Abstand - doch wer da glaubt, es gibt Regelungen, die für alle Bundesländer gelten, der irrt sehr. Die Hoffnung der Busunternehmen auf eine verbindliche bundesweite Regelung erfüllte sich bislang leider nicht.

Wie Lutz Thieme, Geschäftsführer von Meissen Tourist gegenüber »nd« sagte, hat derzeit jedes Bundesland seine eigenen Vorgaben. »Der größte Unterschied«, so Thieme, »besteht bei Abstandspflicht und Mundschutz.« In Sachsen müsse man zwar eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, eine Abstandspflicht bestehe aber nicht. »Während wir mit vollen Bussen fahren dürfen, ist zum Beispiel in Berlin und Brandenburg ein Sitzabstand von mindestens 1,50 Meter einzuhalten. Das bedeutet für uns, dass wir theoretisch weder in unser Nachbarland noch in die Bundeshauptstadt fahren dürfen«, sagt der Unternehmer. »Da es keine bundesweit einheitlichen Regelungen gibt, haben wir nun für uns festgelegt, dass das gilt, was am Sitz des Veranstalters zutrifft.« Diese Kleinstaaterei sei »ein Unding«, findet Thieme, und er hofft, wie sicher auch alle Busreiseveranstalter anderswo, dass endlich die Vernunft siegt und einheitliche Regelungen getroffen werden.

Das sieht auch Andreas Stanschuß, Leiter Touristik des Berliner Reiseveranstalters BVB Touristik so. »Uns geht es um Gleichbehandlung. Es kann doch nicht sein, dass Flixbus, Bahn und Flugzeuge mit voller Auslastung unterwegs sein dürfen, wir indes einen Mindestabstand einhalten müssen und zum Beispiel einen 50er-Bus mit maximal 14 Reisenden losschicken dürfen.« Er hofft, dass sich nach der Busdemo am 17. Juni mit über 1000 Reisebussen in Berlin nun endlich etwas bewegt. Zwar hat die Bundeskanzlerin noch am selben Tag mit den Ministerpräsidenten der Länder vereinbart, dass künftig auch bei Busreisen bundeseinheitliche Schutzmaßnahmen analog denen im öffentlichen Personenverkehr gelten sollen, doch das wird erst in Kraft treten, wenn alle Ministerpräsidenten die Corona-Verordnungen in ihren Ländern entsprechend angepasst haben. Bis zum Redaktionsschluss war das nicht geschehen.

»Bislang jedenfalls ist es einfacher, ins Ausland zu reisen als durch Deutschland«, sagt Lutz Thieme, »denn dort hat die Regierung für klare Regelungen gesorgt.« Deshalb führte die erste Mehrtagesfahrt von Meissen Tourist am 20. Juni auch an die polnische Ostseeküste. BVB Touristik musste indes vor wenigen Tagen eine gut gebuchte Tagestour zum »Elefantenhof« nach Platschow kurzfristig absagen, weil - anders als in vielen anderen Bundesländern - Tagesfahrten nach Mecklenburg-Vorpommern noch immer verboten sind.

Alle Reiseveranstalter, mit denen »neues deutschland« seit vielen Jahren gut zusammenarbeitet, halten sich an sehr strenge Hygieneregeln. Mundschutz ist genauso selbstverständlich wie Desinfektionsmittel an Bord, Ein- und Ausstiegsregeln oder Regelungen zum Service an Bord. Die Gesundheit der Reisenden und Mitarbeiter hat oberste Priorität versicherten alle unisono.

Auch wenn Busreisen wieder möglich sind, Aufatmen ist für die Unternehmen längst nicht angesagt. »Die Menschen sind extrem verunsichert, nicht nur in Bezug aufs Reisen«, so Andreas Stanschuß. »Was erlaubt ist und was nicht, entscheiden Länder, manchmal sogar Kommunen im Alleingang. Es wird wohl noch lange dauern, ehe wieder Normalität eintritt.« Diese Verunsicherung spüren die Reiseunternehmen täglich hautnah. Buchungen laufen nur sehr zaghaft wieder an.

Das merkt auch die nd-Leserreisenabteilung stark. Wie der zuständige Mitarbeiter Frank Diekert sagt, kommen zwar wieder täglich Anfragen, doch insbesondere die Älteren sind mit Buchungen noch sehr zurückhaltend. Auslandsreisen sind zurzeit weniger nachgefragt, deshalb hat er gemeinsam mit den Reisepartnern eine ganze Reihe interessanter neuer Mehrtagsfahrten im Inland aufgelegt. Beispielsweise mit BVB Touristik im August nach Ostfriesland, im September in den Spessart und im Oktober nach Binz und Hamburg mit einem Orgelkonzert in der Elbphilharmonie.

Meissen Touristik lädt jeweils zu mehreren Terminen im zweiten Halbjahr ein, den »Zauber Nordfrieslands« zu entdecken, oder zu »Fünf Flüsse - ein Hotel«, einer kombinierten Bus- und Schiffsreise entlang der Sehenswürdigkeiten an Main, Mosel, Neckar, Rhein und Saar. Ein besonderes Erlebnis verspricht auch eine Tour über Weihnachten nach Oybin.

Wenn es Sie mehr in den Süden Deutschlands zieht, dann passen vielleicht die Angebote unseres Reisepartners PTI Panoramica aus Roggentin: In der Zeit von Juli bis Oktober hat er mehrere Reisen an den Bodensee und ins Allgäu aufgelegt. Mit M-tours Live Reisen können Sie im September ins Oderbruch und im Oktober auf den Darß reisen. Rufen Sie einfach bei Frank Diekert an, er berät Sie gern und hat auch noch eine ganze Reihe anderer Touren zur Auswahl.

Nach vielen Protesten der Busreiseunternehmen, bei denen seit dem 17. März alle Räder stillstanden, hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer während der Busdemo am 17. Juni verkündet, dass die Bundesregierung nun endlich auch ein Rettungspaket für die Branche in Höhe von 170 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Besser als nichts, aber es reicht natürlich nicht aus, um wieder in sicheres Fahrwasser zu kommen. Die Unternehmen setzen auf die Treue ihrer langjährigen zufriedenen Kunden und darauf, dass diese von ihren guten Erfahrungen und schönen Erlebnissen unterwegs anderen weitererzählen.

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