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Jahrhundertflut überschwemmt den Süden Chinas

740 000 Menschen mussten bisher evakuiert werden, die Wetterprognose sagt weiter Starkregen voraus

  • Von Fabian Kretschmer, Peking
  • Lesedauer: 3 Min.

Es sind alarmierende Meldungen, die aus der 18-Millionen-Metropole Chongqing an die Öffentlichkeit dringen: Im Qijiang-Bezirk haben sintflutartige Regenfälle den Jangtse-Fluss auf einen Wasserstand fünf Meter über der Hochwasserschutzlinie anschwellen lassen. Noch nie seit Aufzeichnung der Daten wurde ein solch hoher Wert gemessen. Laut offiziellen Schätzungen mussten bereits mehr als 740 000 Chinesen evakuiert werden.

Traditionell sind Überschwemmungen während der frühen Sommermonate in Südchina die Regel und keine Ausnahme. Während der Regenzeit halten monsunartige Niederschläge oftmals über Wochen an. Doch dieses Jahr zählen die Unwetter zu den schlimmsten seit sieben Jahrzehnten. Ganze Provinzen im südlichen Teil des Landes sind weitflächig von den Fluten betroffen. Fast zwei Drittel der gesamten Volksrepublik leiden zudem unter massiven Regenfällen. Laut den lokalen Behörden dürfte sich die Lage weiter zuspitzen: Für die Provinzen Guizhou und Guangxi sind in den nächsten Wochen weiter starke Monsunregen angekündigt.

In Zahlen liest sich das erschütternd: Mehr als 14 Millionen Menschen in 26 Provinzen sind laut Regierung von den Fluten betroffen, insgesamt wurden bereits über 860 000 Hektar an Farmland zerstört. Der finanzielle Schaden beläuft sich auf über 27 Milliarden Yuan, das sind umgerechnet etwa 3,5 Milliarden Euro. 78 Menschen sind Stand Wochenende bisher in dem Hochwasser umgekommen oder gelten als vermisst.

Die Naturkatastrophe richtet den Fokus auch auf die Drei-Schluchten-Talsperre in der Provinz Hubei, die eigentlich errichtet wurde, um die alljährlichen Fluten abzufedern. Schließlich sind allein im 20. Jahrhundert rund drei Millionen Menschen in den Fluten des Jangtse umgekommen.

Der vielleicht größte Damm der Welt ist einerseits ein logistisches Meisterwerk: Allein der Bau zog sich von 1994 über zwölf Jahre hin. Schließlich sind die Dimensionen der Talsperre gigantisch: Über 2300 Meter lang und 185 Meter hoch. 32 Turbinen generieren laut Schätzungen 100 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr.

Doch das Infrastrukturprojekt war von Beginn an auch von Skandalen, Korruption und Missmanagement überschattet: Rund zwei Millionen Anwohner mussten umgesiedelt werden, zudem gab es bereits vor der Konstruktion deutliche Sicherheitsbedenken. Nach der Fertigstellung traten dann mehr als 100 Risse bis zu drei Meter tief in der 115 Meter dicken Mauer auf. Später stellte sich heraus, dass teils minderwertige Materialien für den Bau verwendet wurden. Dutzende Regierungsbeamte wurden infolge des Bauskandals verurteilt.

Nun deutet sich an, dass der Hochwasserschutz des Damms eingeschränkt ist, schließlich kommt es trotz der Talsperre immer wieder zu massiven Überschwemmungen. Taiwanesische Medien berichten zudem von Gerüchten, dass der Damm möglicherweise vor einem Kollaps steht. Dies hätte zweifelsohne katastrophale Folgen: 400 Millionen Chinesen leben flussabwärts des Hochwasserdamms.

Chinesische Staatsmedien weisen dies jedoch entschieden zurück. »Manche westlichen Medien haben Anschuldigungen hochgespielt, denen zufolge der Damm zu kollabieren droht«, schreibt beispielsweise die parteitreue Zeitung »Global Times«. Dabei handele es sich jedoch um typische Verunglimpfungen ausländischer Medien. Tatsächlich sei es ganz normal, dass in den regenreichen Sommermonaten Wassermassen abgelassen werden müssten. Das Reservoir sei laut Experten der Regierung jedoch nicht in Gefahr.

Die Empirie gibt den Chinesen recht: Vorhersagen über einen Zusammenbruch der Drei-Schluchten-Talsperre kursieren bereits seit zehn Jahren, bislang hat sich jedoch keine der Prognosen bewahrheitet.

Gesichert ist indes, dass die verstärkten Regenfälle auch eine Folge des sich zuspitzenden Klimawandels sind. Laut einer Studie der Yale-Universität haben die Niederschlagsmengen während der Sommermonate im Flusseinzugsgebiet des Yangtze in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen.

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