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Wolfsburgerinnen wollen das Triple

Die SGS Essen muss nach dem knapp verlorenen Pokalfinale wohl länger auf die nächste Titelchance warten

  • Von Frank Hellmann, Köln
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Abläufe einer Siegerehrung in Coronazeiten mögen völlig anders sein, einige Rituale aber sind geblieben. Der Konfettiregen, in dem Lena Goeßling, Pernille Harder oder Alexandra Popp freudestrahlend im Kölner Stadion mal wieder den DFB-Pokal in die Luft reckten, nachdem sie vorher mit gebührendem Sicherheitsabstand durch das Spalier der mit Masken geschützten Spielerinnen der SGS Essen gegangen waren, erinnerte zunächst an Altbekanntes. Aus den Lautsprechern plärrte wie all die Jahre zuvor die VfL-Hymne »Immer nur Du« – schnell waren angelehnt an den Songtext die dazugehörigen T-Shirts gefunden. »Titel am Fließband« stand drauf. Nur passte der Aufdruck eigentlich gar nicht zum Ablauf am Sonnabend.

Dieser Pokalsieg – der siebte insgesamt, der sechste in Folge –, mit dem das vierte Double hintereinander perfekt gemacht wurde, fügte sich eben nicht ins Schema der routiniert in Akkordarbeit verrichteten Wolfsburger Titelgewinne. Diese würden ohnehin »auf keinen Fall zur Gewohnheit«, wie VfL-Trainer Stephan Lerch versicherte. Dass keine gekünstelte Freude aufkam, dafür sorgte der dramatische Spielverlauf: ein 4:2-Sieg im Elfmeterschießen, nachdem Tore von Harder (11.), Anna Blässe (70.) und Dominique Bloodworth (86.) für Wolfsburg sowie Lea Schüller (1.), Marina Hegering (18.) und Irini Ioannidou (90.+1) für Essen in ein spektakuläres 3:3 nach regulärer Spielzeit gemündet hatten.

Am Sonntag trugen sich die erfolgsverwöhnten Werksfußballerinnen im Rathaus der Autostadt ins Goldene Buch ein, am Sonnabend hätten sie in Köln beinahe die erste Niederlage seit dem 27. März 2019 erlitten, als das Champions-League-Viertelfinale gegen das Weltklasseteam von Olymique Lyon verloren ging. Ihm seien »Steine vom Herzen gefallen«, berichtete Lerch. Hätte er noch Haare auf dem Kopf, unkte der gebürtige Darmstädter, wären sie ihm wohl ausgefallen. »So ist vielleicht nur mein Bart grauer geworden«. Man brauchte nur die trotz Babypause freudig im Kreis ihrer Kolleginnen mitjubelnde Almuth Schult zu beobachten, um die Erleichterung zu spüren.

»Da steht nicht der verdiente Sieger auf dem Podest«, stellte Hegering als beste Essenerin nach dem Abpfiff fest, um ihre Aussage später in der Videopressekonferenz zu relativieren. »Pure Leidenschaft und positive Energie« seien leider nicht belohnt worden, erklärte die 30-Jährige, die bei der Siegerehrung bitter schluchzend rücklings auf dem Rasen lag.
Eigentlich waren die Außenseiterinnen nach dem Elfmeterfehlschuss der Wolfsburgerin Popp schon im Vorteil – dann aber scheiterten Ioannidou und Nina Brüggemann an VFL-Torhüterin und Schult-Vertreterin Friederike Abt. »Wir waren sehr nahe dran«, befand Essens Trainer Markus Högner. Der Stolz, zum besten und spannendsten Endspiel der Frauen seit der Abkoppelung 2010 vom Männerfinale beigetragen zu haben, war aber auch nicht zu überhören.

Doppelt schade, dass keine Zuschauer dabei sein konnten. »Da war das Frauenfinale selbst im Vergleich zum Männerfinale richtig spannend. Da war alles drin, was den Frauenfußball attraktiv macht«, sagte Siegfried Dietrich, Vorsitzender des DFB-Ausschusses Frauen-Bundesliga. Martina Voss-Tecklenburg war beim Blick in die Zukunft dennoch etwas unwohl. Dass der Ausbildungsverein aus dem Essener Stadtteil Schönebeck jetzt mit Hegering und Schüller (beide FC Bayern), Lena Oberdorf (VfL Wolfsburg) und Turid Knaak (Ziel unbekannt) vier deutsche Nationalspielerinnen verliert, gefällt der Bundestrainerin nur bedingt. Sie bangt um ausreichend Einsatzzeit ihrer Spielerinnen, die bald alle in Wolfsburg oder München unter Vertrag stehen.

Der deutsche Doublegewinner muss jedoch auch zusehen, dass er international konkurrenzfähig bleibt. Im nächsten Monat wird in Turnierform die Women’s Champions League fortgesetzt: Wolfsburg trifft am 21. August im spanischen San Sebastián auf Glasgow City. Atletico Madrid oder FC Barcelona wären dann mögliche Gegner im Halbfinale, Lyon könnte im Finale warten. Lerch spendiert daher nur knapp drei Wochen Sommerpause, bereits für den 28. Juli ist der Trainingsauftakt angesetzt. Den Trainer reizte die Aussicht aufs zweite Triple nach 2013 am Sonnabend nur bedingt. Vom Pokalfinale sichtlich geschafft, sagte der 36-Jährige: »Daran denke ich noch gar nicht. Jetzt gehen wir alle erst mal in den wohlverdienten Urlaub.«

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