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Mahnmal für KZ-Opfer bröckelt

Sanierung in Lieberose überfällig, aber nach vier Jahren noch immer nicht gesichert

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
In diesem Rondell wurde in den 1970er Jahren die Asche von 577 Häftlingen des KZ-Außenlagers Lieberose beigesetzt.
In diesem Rondell wurde in den 1970er Jahren die Asche von 577 Häftlingen des KZ-Außenlagers Lieberose beigesetzt.

Das an der Bahnhofstraße gelegene Mahnmal für die Opfer des KZ-Außenlagers Lieberose (Dahme-Spreewald) benötigt dringend eine Sanierung. Schon seit Anfang 2016 wird darum gerungen. Ein Kostenvoranschlag bezifferte den Finanzbedarf auf 33 000 Euro. Doch bis heute sei nicht geklärt, wer das bezahlt, bedauert Peter Kotzan. Der 84-Jährige kümmert sich mit sechs Gleichgesinnten ehrenamtlich um das Mahnmal und das kleine Museum, das sich ein paar Schritte den Hang hinunter befindet. »Im Augenblick hängt alles in der Luft«, sagt er dem »nd« am Dienstag.

Ihn wundert, wie Kulturministerin Manja Schüle (SPD) kürzlich sagen konnte, die Stadt Lieberose sei fest entschlossen, die notwendigen Sanierungsarbeiten durchzuführen, und es gebe auch Zusagen des Landkreises für eine finanzielle Unterstützung. Denn gerade meldete die Linksfraktion im Kreistag, die anderen Parteien hätten ihren Antrag auf Unterstützung für das Mahnmal torpediert - unter anderem mit der Forderung, die Opfer des Stalinismus in die Unterstützung einzubeziehen.

Das KZ-Außenlager hatte sich nicht in Lieberose befunden, obwohl der Name dies nahelegt, sondern im etwas entfernten Jamlitz. Auf dem historischen Gelände war aber eine Siedlung entstanden, so dass in der DDR entschieden wurde, das Mahnmal in Lieberose zu platzieren und dort die Asche von 577 jüdischen Häftlingen beizusetzen, deren sterbliche Überreste 1971 in einem Massengrab in einer Kiesgrube entdeckt wurden. Vom 2. bis zum 4. Februar 1945 hatte die SS insgesamt 1342 jüdische Häftlinge ermordet. In Jamlitz befand sich dann später ein sowjetische Speziallager, in dem auch der Schauspieler Gustaf Gründgens interniert war.

Anlass der Äußerungen von Kulturministerin Schüle war eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Sahra Damus (Grüne). Diese hatte auf bröckelnde Treppenstufen am Weg zum Mahnmal hingewiesen, auf ein dadurch bestehendes Unfallrisiko und darauf, dass die Stadt Lieberose deshalb die Schließung dieses Erinnerungsorts erwäge. Damus wollte wissen, welche Möglichkeiten das Kulturministerium sehe, mit einer finanziellen Unterstützung eine solche Schließung zu verhindern.

Ministerin Schüle fühlte sich daraufhin bemüßigt, den Unterschied zu erklären zwischen dem authentischen Ort in Jamlitz, der von der Stiftung brandenburgische Gedenkstätten betreut wird und wo zu Jahresbeginn die erweiterte Freiluftausstellung eröffnet wurde - und dem Mahnmal in Lieberose, welches nicht allein für das historische Naziverbrechen stehe, »sondern vielmehr für deren geschichtspolitische Instrumentalisierung in der DDR«.

Angesichts der Beisetzung der Asche von 577 KZ-Opfern im Rondell des Mahnmals kommen aber genau dorthin Angehörige und deren Nachfahren, um der Ermordeten zu gedenken. Immerhin sagte Schüle selbst: »Das Mahnmal ist zu erhalten.« Sie fügte allerdings hinzu: »Aber unter den richtigen Bedingungen und mit dem richtigen Konzept.« Deshalb sei eine Gesamtkonzeption für Jamlitz-Lieberose unter Einbeziehung der Expertise der Stiftung brandenburgische Gedenkstätten in Arbeit. Dabei solle der Fokus weg von dem in der DDR errichteten Mahnmal wieder nach Jamlitz zurückgelenkt werden - an den »Ort der Shoah«. Schüle versicherte für die Regierung: »Wir haben die bestehende Finanzierungszusage erneut erhöht, von 4800 auf 8000 Euro. Denn es ist wichtig, insbesondere angesichts des sich verändernden gesellschaftlichen und politischen Klimas und der Zunahme von antisemitisch und rassistisch motivierten Anschlägen, konkret an die Verbrechen zu erinnern, gerade auch in Jamlitz-Lieberose, und dafür leisten auch wir unseren Beitrag.«

Die Landtagsabgeordnete Andrea Johlige (Linke) monierte, Peter Kotzans Verein werde von der Landesregierung seit Jahren »stiefmütterlich behandelt«.

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