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Verzockt

Personalie

Erst wollte er sie nicht, dann doch - und nun will er gar nichts mehr: Frank Sitta, Landeschef der FDP in Sachsen-Anhalt, hat sich im Streit um die Spitzenkandidatur der Partei bei der Landtagswahl im Juni 2021 verzockt und zieht als Konsequenz abrupt die Reißleine. In einem Brief an die Basis erklärte er, weder für die Wahl im Land noch für die zum Bundestag einige Monate später als Spitzenmann bereit zu stehen. Im Herbst will er auch den Landesvorsitz der Partei abgeben. Statt dessen wolle er sich beruflich verändern.

Für Sachsen-Anhalts FDP geht es bei der Wahl in elf Monaten um viel. In besseren Zeiten hatte die Landespartei, die sich gern in die Tradition des in Halle geborenen liberalen Übervaters Hans-Dietrich Genscher stellte, das Land regiert, zuletzt von 2002 bis 2006 im Bündnis mit der CDU. 2011 indes flog die FDP aus dem Parlament; 2016 scheiterte der Versuch einer Rückkehr mit 4,9 Prozent knapp. Es droht dauerhafte politische Bedeutungslosigkeit.

Sitta rückte vor fünf Jahren an die Spitze der Landespartei, mit 39 und als Quereinsteiger. Er hatte zuvor Kongresse und Events organisiert. Es folgte ein flotter Aufstieg. Der Hallenser war Spitzenkandidat im Land und zur Bundestagswahl, erhielt ein Mandat in Berlin, wurde dort Fraktionsvize und sitzt im Bundespräsidium.

Zunächst sah es so aus, als ob Sitta weiter Berlin als sein Spielfeld sieht: Er strebte die erneute Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl an; für die Landtagswahl sollte die Magdeburgerin Lydia Hüskens zum Zug kommen, die einst eine Führungsrolle in der Landtagsfraktion hatte und schon in zwei Ministerien arbeitete. Sie meldete sich zuletzt zu landespolitischen Themen zu Wort. Bei einem Parteitag in Stendal vor wenigen Tagen sollte sie offiziell nominiert werden. Doch unvermittelt meldete auch Sitta Anspruch auf beide Spitzenkandidaturen an, was für Unmut und demonstrative Abkehr der Parteifreunde sorgte. In der Folge steht Sitta nun für überhaupt kein Amt mehr bereit. Hüskens dagegen dürfte Nachfolgerin beim Landesvorsitz werden und auch als Spitzenkandidatin im Land unangefochten bleiben.

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