Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Schon wieder »I can't breathe«

Video von Tötung von weiterem Schwarzen in USA bekannt geworden / Transkript zeigt: George Floyd rief 20 Mal er könne nicht atmen

  • Lesedauer: 3 Min.

Schon wieder schockiert ein Video, auf dem zu sehen ist, wie ein schwarzer Jugendlicher durch Gewaltanwendung umkommt. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie mindestens sieben Mitarbeiter der psychiatrischen Anstalt Lakeside Academy in Kalamazoo im US-Bundesstaat Michigan die Arme und Beine des 16-jährigen Cornelius Fredericks festhalten und auf ihm sitzen.

In der Zivilklage von Fredericks’ Anwalt und Nachlassverwalter heißt es, der Jugendliche habe »I can’t breathe« (Ich kann nicht atmen) geschrien. Fredericks war, wie erst jetzt bekannt wurde, am 29. April zu Boden gestoßen worden, weil er in der Cafeteria ein Sandwich geworfen hatte. In den von Überwachungskameras aufgezeichneten Aufnahmen ist zu sehen, wie der Teenager anscheinend das Bewusstsein verliert. Mitarbeiter versuchen, ihn wiederzubeleben, und rufen dann medizinische Hilfe herbei. Laut Autopsie ist er erstickt.

Drei Mitarbeiter der Anstalt Lakeside Academy in Kalamazoo wurden inzwischen wegen des Vorfalls formell von der US-Justiz beschuldigt. Ihnen wird fahrlässige Tötung und die Misshandlung eines Minderjährigen vorgeworfen.

»Ich kann nicht atmen« - diese Worte fallen viel zu oft im Zusammenhang mit der Tötung von Schwarzen. Als Slogan drücken sie die angestaute Wut schwarzer Menschen in rassistischen Gesellschaften aus, die seit einigen Jahren in der Black-Lives-Matter-Bewegung Ausdruck findet. Nach neu veröffentlichten Abschriften sagte der Afroamerikaner George Floyd vor seinem Tod bei einem Polizeieinsatz Ende Mai mehr als 20 Mal »I can't breathe« - ich kann nicht atmen.

Die Transkripte stammen von den Körperkameras der nun angeklagten Polizisten und wurden am Mittwoch von einem Gericht im US-Bundesstaat Minnesota veröffentlicht. In ihnen zeigt sich unter anderem, wie Floyd die Beamten immer wieder anbettelte, von ihm abzulassen. »Ich kann nicht atmen, ich kann nicht atmen. Ah! Ich werde wohl auf diese Weise sterben«, heißt es in den Gerichtsunterlagen unter anderem.

Der unbewaffnete Floyd war am 25. Mai in der Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota bei einer brutalen Festnahme ums Leben gekommen. Sein Tod führte im ganzen Land zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus. Die Polizeibeamten hatten Floyd wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen. Sie drückten ihn auf der Straße zu Boden. Ein weißer Beamter drückte sein Knie rund acht Minuten lang in Floyds Hals. Floyd verlor das Bewusstsein und starb an Ort und Stelle, wie die Autopsie ergab.

Die Mitschriften zeigen weiter, dass Floyd offenbar von Anfang an verängstigt war, er flehte einen der Polizisten offenbar schon vor der körperlichen Auseinandersetzung an, ihn bitte nicht zu erschießen. »Sie handeln etwas unberechenbar«, sagt ein Beamter zu ihm an einem Punkt. Floyd entgegnete: »Ich habe Angst, Mann«. Im weiteren Verlauf wird immer wieder deutlich, dass Floyd und die Polizisten Probleme haben, miteinander zu kommunizieren.

Immer wieder sagt der Festgenommene auch, dass er unter Platzangst leide und deshalb Schwierigkeiten habe, in das Polizeiauto einzusteigen. Anschließend kam es zu der Auseinandersetzung, in der Floyd getötet wurde. Das Hauptverfahren gegen vier Polizisten, denen die Tötung Floyds zur Last gelegt wird, soll nach US-Medienberichten am 8. März nächsten Jahres beginnen. ais/Agenturen

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln