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Amo ist machbar, Herr Nachbar

Initiative der Humboldt-Universität befeuert Debatte um Umbenennung der Mohrenstraße

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Mohrenstraße ist bald Geschichte. Nur: Wie wird die Gegenwart heißen?
Die Mohrenstraße ist bald Geschichte. Nur: Wie wird die Gegenwart heißen?

Die Planungen sind abgeschlossen. Die »Nachbarschaftsinitiative Anton-Wilhelm-Amo-Straße« lädt für kommenden Dienstag, den 21. August, von 17 bis 18.30 Uhr, zu einem »dekolonialen Flanieren« in Mitte ein. Die Initiative wird maßgeblich vom Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin getragen, das ebenfalls an der Straße mit dem umstrittenen Name liegt. Sie fordert die Umbenennung der Straße, die von den Aktivistinnen und Aktivisten lediglich »M*Straße« genannt wird, um die als diskriminierend angesehene Bezeichnung »Mohr« aus dem Straßenbild zu tilgen. Als Alternative wird der Name »Anton-Wilhelm-Amo-Straße« vorgeschlagen - Amo war ein schwarzer promovierter Philosoph, der Anfang des 18. Jahrhunderts forschte.

»Wir wollen als Institut in Erscheinung treten, um politischen Druck auszuüben, damit die Straße umbenannt wird«, sagt die Geschlechterwissenschaftlerin Ulrike Klöppel vom Institut für Europäische Ethnologie. Die Aktion soll zwei Tage vor dem jährlichen Straßenfest zur Umbenennung der »M*Straße« stattfinden, das am 23. August geplant ist. Dieses wird von zehn afrodiasporischen und dekolonialen Vereinen organisiert, die sich seit vielen Jahren für eine Straßenumbenennung einsetzen.

Auch die Vertreterinnen und Vertreter der Initiative am HU-Institut positionierten sich bereits im Juni mit einem Offenen Brief in der Debatte. In dem Schreiben mit dem Titel »Kein Rassismus vor unserer Haustür!«, das »nd« vorliegt, heißt es: »Viele Kolleg*innen und Studierende unseres Instituts sind sehr unzufrieden damit, dass unsere Straße noch immer M*straße heißt - obwohl dieser Name aus heutiger Sicht Schwarze Menschen herabwürdigt und obwohl Kritiker*innen dagegen schon seit Jahrzehnten protestieren.« Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts befassen sich seit vielen Jahren kritisch mit der deutschen und europäischen Kolonialgeschichte.

Nicht zuletzt durch den öffentlichen Druck und die laufende Debatte bewegt sich auch etwas: Anfang dieser Woche sprachen sich die Fraktionen der Grünen und der SPD in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Mitte ebenfalls dafür aus, dass nicht nur der Name des U-Bahnhofs Mohrenstraße, sondern auch die gleichnamige Straße umbenannt wird. Das unterstützt auch die Linke in der BVV, so Fraktionschef Thilo Urchs.

In einer gemeinsamen Mitteilung erklärten Grünen-Kreisvorstand Jeff Kwasi Klein und die Grünen-BVV-Fraktionsvorsitzende Laura Neugebauer am Montag, dass sie dabei ebenfalls den Namen Anton Wilhelm Amo bevorzugen. »Amo wurde als einer der ersten prägenden Schwarzen Philosophen und Rechtswissenschaftler in Deutschland bekannt«, schreiben die Grünen-Politiker. Die Linke verweist darauf, dass Frauennamen bei Umbenennungen gewählt werden sollen. Die Grünen setzen sich außerdem für einen Lernort in der Nähe der U-Bahn-Station ein. Vertreter der CDU in Mitte schlagen indes vor, den U-Bahnhof neu zu benennen, den Straßennamen dagegen beizubehalten.

Das stößt wiederum beim Bündnis Decolonize Berlin auf Widerstand. Die Anträge von Grünen und SPD sowie Linke für die BVV werden dagegen begrüßt. »Das ist ganz großartig, dass sich nach fast 20 Jahren etwas bewegt«, sagt Vorstandsmitglied Tahir Della. Und: »Ich denke, dass der Bezirk erkannt hat, dass gehandelt werden muss.«

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