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Economists for Future will Wirtschaftswissenschaften verändern

Andere Themen im Lehrplan

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 2 Min.

Ist die Ökonomie im deutschsprachigen Raum wirklich so schlecht wie ihr internationaler Ruf? Der Volkswirt Lukas Bäuerle hält die universitäre Standardlehre aus mehreren Gründen zumindest für problematisch: »Was hier über Wirtschaft beigebracht wird, hat keinerlei Bezüge zu realen ökonomischen Prozessen oder Erfahrungen.«

Im Zentrum der Ausbildung stehe die Einübung abstrakter Denkmethoden, der enge Lehrkanon ignoriere dabei sogar den Stand der ökonomischen Forschung und Erkenntnisse aus der interdisziplinären Zusammenarbeit beispielsweise mit Sozialwissenschaften.

Die Folgen kriegen nicht allein Betriebs- und Volkswirte zu spüren. Für Studierende aus anderen Fächern gehören wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen zum Pflichtprogramm. »Allein in Deutschland lernen somit über 600 000 Studierende Semester für Semester hochgradig abstrakte, einseitige und weltanschaulich problematische Vorstellungen über Ökonomie«, sagt Bäuerle gegenüber »nd«.

Der Wissenschaftler am Institut für Ökonomie an der Cusanus-Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Rheinland-Pfalz gehört zu den Sprechern des neuen internationalen Netzwerkes Economists for Future. Gründer der Gruppe waren im vergangenen Jahr Studierende aus aller Welt, von Kenia bis Deutschland, von Großbritannien bis Chile. Sie wollen der Krise von Klima und Umwelt mit Mitteln der Ökonomie beikommen.

An diesem Mittwoch veröffentlicht die Gruppe einen Aufruf mit dem Titel »Ökonomische Bildung reformieren«. Der offene Brief, der »nd« vorlegt, wurde vorab von zwei Dutzend Organisationen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft unterzeichnet, in Deutschland unter anderem vom Netzwerk Plurale Ökonomik und der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik.

Ganz neu sind die Forderungen nicht. Schon vor der Finanzkrise 2007-2009 erschallte häufiger der Ruf nach einer anderen Ökonomie. Doch die Finanzkrise war die »entscheidende Wende«, meint Bäuerle. Seither sei die Wirtschaftslehre zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Auch haben die Kritiker neue »institutionelle Formen« gefunden. Das gelte im deutschsprachigen Raum insbesondere für Studierende, aber auch für einige Uni-Fachbereiche und Institute. »Gleichwohl führen diese Alternativen innerhalb der Volkswirtschaftslehre weiterhin ein Nischendasein«, beklagt Bäuerle.

Eine zukunftsfähige Ökonomie müsse konkrete wirtschaftliche Phänomene und Problemlagen nicht nur besser verstehen, sondern auch »adäquate Lösungen aufzeigen«, ist Bäuerle überzeugt. Dabei gehe es neben Klima und Biodiversität auch um soziale Ungleichheiten bis hin zu existenzieller Armut und um die ausufernde Ökonomisierung vieler Lebensbereiche. Das »Zukunftsfähige« müsse in den Lehrplänen verankert werden, so der Wirtschaftswissenschaftler.

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