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Marathon der Quarantäne

In der Metropolregion Buenos Aires breitet sich das Coronavirus trotz der Restriktionen aus

  • Von Marcus Christoph, Buenos Aires
  • Lesedauer: 2 Min.
Im Schichtdienst wird im öffentlichen Hospital Penna im Stadtteil Parque Patricios gegen die Corona-Pandemie gearbeitet.
Im Schichtdienst wird im öffentlichen Hospital Penna im Stadtteil Parque Patricios gegen die Corona-Pandemie gearbeitet.

Argentinien hat früh drastische Maßnahmen ergriffen, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Eine Woche, nachdem am 3. März die erste Person positiv auf Corona getestet wurde, erklärte Präsident Alberto Fernández die Einstellung des Flugverkehrs. Eine weitere Woche später verhängte die Regierung eine allgemeine Ausgangssperre. Ausgenommen waren systemrelevante Berufsgruppen. Alle weiteren Bürger durften ihre Wohnungen nur zum Einkauf von Lebensmitteln oder Arzneimitteln verlassen. Ziel war, die Ansteckungskurve flach zu halten. So sollte Zeit gewonnen werden, um das Gesundheitssystem nachzurüsten. »Die Wirtschaft kann man wieder aufrichten, aber ein Leben ist unwiederbringlich verloren«, so Fernández.

Die aktuelle Corona-Lage im Land sei »sehr ambivalent«, wie Omar Sued, der Präsident der argentinischen Gesellschaft für Infektiologie, auf unsere Nachfrage erläutert. In weiten Teilen des Landesinneren sei die Situation zwar als »sehr günstig« zu bewerten, sodass dort sukzessive Lockerungen möglich waren. Allerdings müsse man in der Metropolregion Buenos Aires »eine sehr gefährliche Beschleunigung« der Ansteckungen feststellen, so der Wissenschaftler.

Die Hauptstadt und ihre Vororte haben sich zum Hotspot der Pandemie entwickelt. Dort wurden zuletzt 95 Prozent aller neuen Corona-Fälle verzeichnet. Die Auslastung der Intensivbetten betrug vor wenigen Tagen rund 64 Prozent, wie Fernández am Freitag ausführte.

Bei der Gelegenheit kündigte der Präsident - trotz steigender Zahlen - Lockerungen der Quarantäne für den Großraum Buenos Aires an, wo es Ende Juni zunächst eine weitere Verschärfung gegeben hatte. Ab sofort dürfen kleine Geschäfte wieder öffnen. Die Industriebetriebe können die Produktion wieder hochfahren. Die neuen Regeln gelten vorerst bis zum 2. August.

Unter dem Strich gelang es Argentinien, die Ausbreitung des Virus besser einzudämmen als den Nachbarländern Brasilien und Chile. Doch auch die argentinischen Zahlen steigen im südlichen Winter nun stark: über 4500 neue Fälle pro Tag. Die Regierung hofft, dass der Scheitelpunkt bald erreicht ist. Seit März sind 126 755 Infektionen registriert worden. 2260 Menschen starben bis 20. Juli laut der Johns Hopkins University, die weltweit die Corona-Zahlen erfasst und dokumentiert.

Durch die Corona-Pandemie droht Argentinien nach Einschätzung der Vereinten Nationen ein besonders harter wirtschaftlicher Absturz. Bis zum Jahresende könnten fast sechs von zehn Argentiniern (58,6 Prozent) in Armut leben. Ähnliche Zahlen seien bei der Kinderarmut zu erwarten. Die Tageszeitung »Clarin« berichtete, die argentinische Wirtschaft sei im ersten Quartal um 5,4 Prozent eingebrochen.

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