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Der Provokateur

Ulrich Kutschera ist ein redegewandter Feingeist mit Nähe zur AfD

  • Von Stefan Otto
  • Lesedauer: 2 Min.

Ulrich Kutschera kommt vielleicht nicht so steif rüber wie Beatrix von Storch. Der 65-Jährige ist Professor für Evolutionsbiologie an der Universität Kassel und produziert in seiner Freizeit Musik. Sein Vater Alfred war Künstler, der für das Rolling-Stones-Album »Big Hits. High Tide and Green Gras« das Cover entwarf. Kutschera mag als redegewandter Feingeist erscheinen, aber dennoch sucht er die Nähe zur biederen AfD-Politikerin. Es gibt ein Video, in dem er von der Bundestagsabgeordneten interviewt wird. Von Storch liefert die Stichworte, und er referiert über die evolutionären Unterschiede von Mann und Frau. Letztlich kommt er zu dem Schluss, dass die Ehe eine Verbindung von Mann und Frau mit dem Ziel sei, Nachwuchs zu zeugen. »Wer die Familie zerstört, zerstört alles«, lautet seine These.

Vor vier Jahren brachte er den Band »Das Gender-Paradoxon« heraus. Darin vertritt er die Auffassung, dass es kein psychosoziales Geschlecht unabhängig von der Biologie des Menschen gibt. In der Wissenschaft nimmt er damit einen Gegenpol zu den Gender Studies ein. Angesichts seines Hangs zur Polemik und Provokation wundert es nicht, dass er sich zur radikalen Rechten hingezogen fühlt. Seit 2018 sitzt er im Kuratorium der von der AfD gegründeten Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Als im Jahr zuvor die »Ehe für alle« im Bundestag beschlossen wurde, kommentierte Kutschera im Online-Magazin »kath.net« bissig: »Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen.« Mit Blick auf männliche Regenbogenfamilien warnte er gar vor einem »Horror-Kinderschänderszenario«. Wegen dieser Aussagen wurde er angeklagt. Seit Montag läuft am Kasseler Amtsgericht der Prozess gegen ihn wegen des Verdachts der Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung und Verleumdung.

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