Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Zurück ins Renngetümmel

Mit der Sibiu Tour in Rumänien probiert sich auch der Straßenradsport in neuartigen Geisterrennen

  • Von Tom Mustroph
  • Lesedauer: 4 Min.

Die Sibiu Tour ist ein junges Rennen. 2011 tauchte es erstmals im Kalender des Weltradsportverbandes auf. Mit einer Mischung aus Sprint- und Bergetappen sowie einem Zeitfahren verschaffte sich die viertägige Rundfahrt durch Rumänien dennoch schnell eine gute Reputation. Mit manchen Siegern wuchs diese noch mal an. 2017 gewann hier Egan Bernal. Der Kolumbianer wurde zwei Jahre später Triumphator bei der Tour de France. 2018 war sein Landsmann Ivan Sosa erfolgreich in Rumänien, und auch ihm werden ähnliche Taten zugetraut. Also nahm ihn Bernals Team Ineos schnell unter Vertrag.

In diesem Jahr bekommt die Sibiu Tour sogar noch eine stärkere Aufmerksamkeit. Denn für die meisten Teilnehmer ist es das allererste Rennen nach Aufhebung der Pandemie-Beschränkungen. »Die Vorfreude darauf, dass es endlich wieder los geht, ist einfach groß«, erzählt Jens Zemke am Dienstag dem »nd«. Der sportliche Leiter beim deutschen Bora-Rennstall, wird mit einem starken Team den Wiedereinstieg in den Wettkampfsport betreiben. »Mit Pascal Ackermann wollen wir bei den Sprints zum Zuge kommen und mit Patrick Konrad und Gregor Mühlberger haben wir zwei Männer für das Gesamtklassement dabei«, beschreibt Zemke die Ziele. Die Österreicher Mühlberger und Konrad begeben sich also auf die Spuren der Kolumbianer Bernal und Sosa.

Die härteste Gegenwehr war vom italienischen Team Androni Giocattoli erwartet worden. Das stellte in den letzten drei Jahren stets den Sieger, erst mit den damals noch ungeschliffenen kolumbianischen Diamanten und zuletzt mit Kevin Rivera aus Costa Rica. Rivera allerdings erzählte heimischen Medien, dass er seinen Titel nicht verteidigen könne. »Ich habe hier hart trainiert, seit ich am 20. Februar aus Italien zurückgekommen bin. Aber nun gibt es keine Erlaubnis, dass ich nach Europa fliegen darf«, sagte er. Die meisten EU-Staaten erlauben im Rahmen der Pandemie-Einschränkung derzeit nur Flügen aus etwa 15 Ländern eine Landung. Costa Rica gehört nicht dazu. Und anders als Kolumbien, das mit einem Sonderflug vor wenigen Tagen seine Sportstars nach Madrid brachte, gab es für Costa Rica keine solche Regelung.

Das ist ein Hinweis auf die erschwerten Begleitumstände des Rennens. Nicht alle, die wollen, können hin. Und wer kommt, muss Schwierigkeiten bei der Anreise überwinden. Austrian Airlines strich kurzfristig wegen steigender Infektionszahlen in Rumänien die Flüge dorthin. Jens Zemke legte deshalb die letzte Teilstrecke mit dem Auto von Wien zurück. 800 Kilometer Anfahrtsweg für den Job. Seine Profis wichen auf andere Fluggesellschaften aus. Teams aus den Niederlanden, Österreich, Italien und Russland zogen ihre Startzusagen kurzfristig zurück, weil sie nach der Rückkehr in der Heimat mehrwöchige Quarantäne-Auflagen fürchteten. Auch Riveras Team Androni Giocattoli gehörte dazu.

Dabei plant der Veranstalter drei verschiedene »Blasen« mit möglichst wenig Berührungspunkten. Die erste stellen die Teams selbst dar, die zweite die Organisatoren, eine dritte die Medienvertreter. Für jedes Team ist eine eigene Hoteletage mit eigenem Essenssaal vorgesehen. Journalisten sollen sich ihnen nur bis auf vier Meter nähern. Pressekonferenzen gibt es keine. Bei Siegerehrungen sollen Offizielle und Athleten ebenfalls auf Abstand bleiben. Zuschauer sind bei den Ehrungen ohnehin nicht erlaubt. »Start und Ziel werden für Publikum gesperrt, hat man uns mitgeteilt«, so Zemke.

Unterwegs auf der Strecke ist das nicht immer zu gewährleisten. Das Rennen führt schließlich über öffentliches Straßenland. Besonders attraktiv verspricht die Bergetappe hinauf zum Balea-See auf 2040 Metern Höhe zu werden. 1444 Höhenmeter sind auf 23 Kilometern zu erklimmen. Zum neuen Saisonbeginn stellt das einen echten Test für die Kletterer dar. Und es wird auch Aufklärung darüber geben, wie eine Bergetappe, wo Fans oft aus nächster Nähe die Fahrer anfeuern, in Corona-Zeiten zu organisieren ist.

Getestet sind alle Fahrer bereits. »Laut UCI-Protokoll müssen alle Teilnehmer sechs Tage vorher getestet werden«, erklärt Zemke. Bei den Rennen der ersten Kategorie muss drei Tage vor Start ein weiterer Abstrichtest gemacht werden. Für die Sibiu Tour wird dies nicht verlangt.

An den Start gehen insgesamt 25 Teams. Neben Bora ist mit Israel Start Up Nation ein zweites World Tour Team dabei. Auch zwei deutsche Continental-Rennställe sind dabei: Team Bike Aid und SKS Sauerland NRW. Letztere tritt mit einer reinen Nachwuchstruppe an. »Wir kommen mit unseren U23-Fahrern. Sie sollten sich auf die deutschen U23-Meisterschaften vorbereiten, die aber leider kurzfristig abgesagt wurden«, erzählt Manager Jörg Scherf dem »nd«. »Wir sind ein kleines Team, können nicht einfach schnell Flüge umbuchen, deshalb fahren wir mit der geplanten Besetzung hin.«

Konkurrenzfähig seien seine Youngster aber, versichert er. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Johannes Adamietz. Der ist mehrfacher Deutscher Bergmeister in den Nachwuchskategorien und soll hinauf zum Balea-See sein Können zeigen. Er wird sich also auf die Spuren von Egan Bernal begeben.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln