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Brandenburg

Immer am Wasser entlang

Liegt denn das Weite wirklich so nah? Auf Tour durch Brandenburg mit Rad und Kajak

Von Steven Hille

Seit Jahren behaupten Brandenburgs Tourismus-Vermarkter, »Das Weite liegt so nah«. Die Zeit ist gekommen, sich den Spruch zu Herzen zu nehmen. In Coronazeiten erkunden Reisende eher die heimischen Gegenden, als im Ausland große Unsicherheiten zu riskieren. Also ab aufs Fahrrad und los vor die Tore Berlins: Nach Norden, in den Landkreis Oberhavel.

Auf perfekten Radwegen startet dieser Tag vom Gut Boltenhof entlang des großen und kleinen Wentowsees. Moosbewachsene Buchen, knarzende Kiefern, Brandenburg wie es sein soll. Die Libellen führen schwärmend das Heer der Insekten an. Eine Blaumeise fliegt neben den Fahrrädern her. Man kommt sich vor wie auf einem Segelboot, das in See sticht und von Delfinen begleitet wird. Ein Buntspecht schreckt von einem morschen Baumstamm auf und fliegt davon. In der Nähe erklingen die Rufe einer Nachtigall.

Eine Nachtigall? Kann das sein? Oder trügt das Ohr? Zum Vergleich kann man auf Youtube Gesänge der Vögel recherchieren. Wer sich den ursprünglichen Live-Gesang gut einprägt, hat schnell Gewissheit.

Der Naturpark Stechlin-Ruppiner Land

Weiter geht’s. Im Ort Stechlin informiert das Naturparkhaus über die 180 Seen und 2000 Kilometer Wasserwege im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Hier liegen die Drei-Seen-Stadt Lindow (Mark), die Städte Rheinsberg, Fürstenberg/Havel, Gransee und Neuruppin. Eingerahmt wird der Naturpark vom Müritz-Nationalpark und den Uckermärkischen Seen. Wer Wasser erleben will, ist hier bestens aufgehoben: Der Naturpark ist die seenreichste Fläche Brandenburgs, das wiederum selbst das seenreichste aller Bundesländer ist.

Der Tourismus im 680 Quadratkilometer großen Naturpark Stechlin-Ruppiner Land gewinnt immer mehr an Bedeutung. In Coronazeiten nimmt der Tourismus zu, weswegen auch das Ökosystem an seine Grenzen gerät. Um den Schaden gering zu halten, wurde ein Leitsystem für Wasserwanderer etabliert. Es richtet sich überwiegend an mit Muskelkraft betriebene Boote. Damit kennt sich Naturparkleiter Mario Schrumpf bestens aus. »Mit zwölf Jahren bekam ich mein erstes Faltboot, mit 14 Jahren startete ich auf meine erste eigene Tour. Sie führte von Feldberg nach Fürstenberg«, erzählt Schrumpf. Schon als Jugendlicher begeisterte ihn der Wasserreichtum dieser Region.

Wer mit Schrumpf ein paar Stunden unterwegs ist, lernt dabei mehr als in einem Schuljahr im Biounterricht: alles Wissenswerte über Maräne, Eisvogel, Zauneidechse, Fischotter und Molche. Schrumpf hat an den Gewässerbefahrungsregeln mitgewirkt, die die Tier- und Pflanzenwelt schützen sollen. So darf der Rheinsberger Rhin erst ab einem Pegel von 65 Zentimeter befahren werden, ausschließlich mit Einer- oder Zweier-Kajaks und nur tagsüber. Damit soll verhindert werden, dass der Grund des Baches zerstört wird oder nistende Vögel bzw. nachtaktive Tiere gestört werden. Eine automatische Zählanlage misst, wie viele Touristen zu welcher Tageszeit auf dem Rhin unterwegs sind. Das Ergebnis bisher: Alle halten sich an die Verbotszeiten.

Fischerei am Stechlinsee

Gut überwacht wurde lange Jahre auch der Stechlinsee: Das Kernkraftwerk Rheinsberg bezog seit 1966 bis 1990 Kühlwasser aus Stechlin- und Nehmitzsee. Zum Glück ist das Kraftwerk seit 30 Jahren stillgelegt, sodass der tiefste See Brandenburgs auch im Sommer für eine astreine Abkühlung herhalten kann. »Bis heute zählt der See zu den saubersten Seen Norddeutschlands«, sagt Schrumpf. Nach einem Bad lässt sich auf den Holzbänken an der Fischerei Stechlinsee bestens ausruhen - direkt am Wasser. Davor ein eingezäunter Bereich, in dem Karpfen schwimmen. Im Biergarten der Fischerei wird Welsfilet serviert. Bei gutem Wetter lässt es sich dort stundenlang aushalten. Beim Fischer erfährt man auch einiges über das Gewässer und seinen Artenreichtum, auch wenn der Brandenburger nicht von Natur aus als besonders gesprächig und freundlich gilt: So gibt es eine Fischart, die nur im Stechlinsee zu Hause ist. Die Fontane-Maräne wurde im Jahr 2003 entdeckt: Sie soll sich innerhalb der letzten 12 000 Jahre aus der Kleinen Maräne entwickelt haben. (Nein, nicht durch das Kernkraftwerk!)

Kajaktour in Fürstenberg

Etwa elf Kilometer sind es von der Fischerei am Stechlinsee bis nach Fürstenberg/Havel. Mit dem Fahrrad geht das schnell, immer Richtung Norden auf gut ausgeschilderten Radwegen rollt es fast wie von selbst. Jetzt soll es aufs Wasser gehen. In der dortigen Kanuvermietung kann man stunden- und tageweise Kajaks und Canadier mieten. Bis zu vier Stunden im Kajak kosten 17 Euro, zwei Tage beispielsweise 40 Euro. Der Mietpreis beinhaltet Paddel, Schwimmwesten und ein wasserdichtes Behältnis für die Wertsachen.

Das Equipment ist hochwertig, im Verleih nimmt man sich Zeit mit den Erklärungen und hilft bei der Routenplanung. Und das ist besonders wertvoll. Denn auf den Flüssen und Seen ringsum gibt es so viele Routenoptionen, dass man schnell den Überblick verlieren kann.

Als die Route festgelegt ist, geht’s aufs Wasser. Beim Einsteigen wird geholfen und dann geht es los. Ruhig das Paddel führend wird Strecke gemacht, Meter um Meter. Auf diese Art lassen sich die ruhigen Abendstunden genießen. Von der Gänsehavel geht es über Schleusenhavel und Baalensee in den Schwedt-See. Am Ufer ist viel los: Oft lassen sich Schwäne, Stockenten und Rebhühner beobachten. Wer auf der Tour zum Schwedt-See hungrig geworden ist, kann den wunderbaren Sommertag im Ristorante direkt am Westufer des Sees mit deftiger italienischer Küche beschließen.

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