Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Universum

»Trockenheit ist sehr nützlich«

DR: SCHMIDT ERKLÄRT DIE WELT: Der 3D-Atlas des Universums

Von Wolfgang Hübner

Dieser Tage wurde die bisher größte dreidimensionale Karte des Weltalls veröffentlicht. Wie muss man sich das vorstellen?

Das ist eine gigantische 3D-Datei, in der man die Bewegungen von Millionen Objekten sehen kann. Da sind unzählige Aufnahmen eingerechnet, die zu verschiedensten Zeiten aus verschiedenen Winkeln aufgenommen wurden. Vermutlich sind einige der eingesetzten Teleskope schon wieder verschrottet.

Astrophysiker beobachteten dafür über vier Millionen Galaxien und Quasare. Was ist das?

Eine Galaxie ist eine Ansammlung von Abermillionen von Sonnensystemen. Zum Beispiel unsere Milchstraße. Und ein Quasar ist ein Objekt, das Radiostrahlung abgibt. In der Regel ein Schwarzes Loch. Anfangs dachte man, das könnten Signale von Außerirdischen sein.

Was können wir aus so einem Atlas lernen?

Dass das Weltall unglaublich groß ist, wussten wir ja schon aus »Per Anhalter durch die Galaxis«. Interessant an der 3D-Darstellung ist, dass man die Bewegung der Objekte weg vom Urknall ziemlich genau erfasst hat. Das erlaubt Erkenntnisse über die Geschwindigkeit, mit der das Universums expandiert. Das ist zwar nicht so wichtig für uns heute, aber durchaus für die Frage, ob der beschleunigten Ausdehnung irgendwann ein beschleunigtes Zusammenziehen der ganzen Chose folgen könnte.

Was sind geeignete Teleskop-Standorte?

Kommt unter anderem drauf an, in welchen Bereich man gucken will. Ultraviolett geht von der Erde aus nicht, wegen der Ozonschicht. Bei Infrarot ist Trockenheit sehr nützlich. Denn Wasserdampf filtert Teile der Infrarotstrahlung aus. Deshalb stehen die Teleskope oft auf hohen Gipfeln in sehr trockenen Gebieten. Zum Beispiel in der Atacama-Wüste in Chile oder in Südafrika.

Die Forscher haben Licht aufgefangen, das vor bis zu elf Milliarden Jahren ausgestrahlt wurde. Wird diese Strahlung nicht sehr diffus?

Sie wird für uns immer schwächer. Deshalb braucht man sehr empfindliche Sensoren und hohe Belichtungszeiten. Früher wurden die Fotoplatten schon mal über mehrere Nächte belichtet. Von uns aus betrachtet, bewegen sich die meisten Sterne sehr langsam. Daher gab es im Mittelalter die Vorstellung, dass die Fixsterne an Kristallschalen um die Erde angebracht seien.

Gibt es eines Tages auch Bilder vom Urknall?

Unwahrscheinlich. Die Frage ist, ob es beim Knall - wenn er stattfand - eine Emission gab, die wir messen können. Die Theorien darüber gehen auseinander. Eine Annahme ist, dass die Gravitationswellen, die Einstein vorhergesehen hat, auch beim Urknall entstanden sein müssten. Vor Jahren wurde mal eine Störung der kosmischen Hintergrundstrahlung gemessen, von der man glaubte, sie stamme vom Urknall. Leider hat sich das aber als Schmutzeffekt erwiesen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung