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Kapitalismus

Tödliche Effizienz

SIEBEN TAGE, SIEBEN NÄCHTE über den Kapitalismus und seine Liebhaber

Von Stephan Kaufmann

Der Kapitalismus hat unter seinen Liebhabern den Ruf, besonders effizient zu sein. Effizienz bedeutet hier grob gesagt einen möglichst hohen Ertrag im Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln, wobei sich der Einsatz wie auch der Ertrag in Geldsummen berechnen. Effizienz wird darüber in etwa gleichbedeutend mit »Rendite«.

Spätestens seit der Be- und Überlastung der Gesundheitssysteme durch die Corona-Pandemie jedoch ist deutlich geworden, dass diese Effizienz nicht notwendig für Effektivität sorgt: Die Krankenhäuser mögen relativ kostengünstig arbeiten. Doch als Folge davon fehlen vielerorten schlicht Reserven für den Notfall, weil sie im Normalfall überflüssig und daher ineffizient sind. Spare in der Zeit, dann hast du in der Not - das stimmt eben oft nicht.

Zweifel an den herrschenden Effizienzmaßstäben kommt nun ausgerechnet von einer Institution, die diese Maßstäbe wie keine andere weltweit durchgesetzt hat: dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Seit Jahrzehnten bewahrt der IWF mit seinen Krediten Staaten vor dem Finanzkollaps. Im Gegenzug verlangt er von seinen Schuldnern Privatisierung, Deregulierung, Liberalisierung und die Umschichtung der Staatsausgaben - weg von Konsum, Personal und Sozialem und hin zu allem, was Wirtschaftswachstum fördert. Auf diese Weise trimmt der IWF die ärmeren Staaten der Welt auf gesamtwirtschaftliche Rendite oder aus seiner Sicht: auf Effizienz.

Aus dieser Institution kommt nun eine Warnung, die hier zitiert werden soll, weil sie gleichzeitig ein Resümee dessen ist, wohin es die herrschende Effizienz inzwischen gebracht hat: »Die Covid-19-Pandemie zwingt uns zu einer überfälligen Bestandsaufnahme unserer Fähigkeiten, mit systemischen Risiken umzugehen«, schreiben die IWF-Ökonomen Ann Florini und Sunil Sharmader. »Diese Blitze aus scheinbar heiterem Himmel werden weiter auf uns herunterfahren, angetrieben durch die zunehmende Zerbrechlichkeit unserer politischen, sozialen, ökonomischen und finanziellen Ordnung, die ihrerseits abhängig ist von einer natürlichen Umwelt, die am Abgrund steht. Da alle diese Systeme in Bewegung sind, stehen die Gesellschaften des 21. Jahrhunderts vor ernsten und möglicherweise existenziellen Bedrohungen. Der seit Jahrzehnten verfolgte, enge Fokus auf Effizienz und Erträge für die Aktionäre hat zwar irgendwie effiziente, aber weitgehend fragile Systeme geschaffen, die ihrer Widerstandsfähigkeit beraubt sind. Anstatt die Effizienz in den Vordergrund zu stellen, muss die Politik die Widerstandsfähigkeit gegen eine Reihe von Bedrohungen sichern. Wir stehen vor der monumentalen Aufgabe, das Regieren und Steuern neu zu überdenken.«

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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