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Kontaktlos aus der Krise

Mit kleineren Meetings nimmt die Leichtathletik Anlauf zum überraschenden Saisonhöhepunkt

  • Von Ulrike John, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 3 Min.

»Inspiration Games« und »Impossible Games«, Vierkampf statt Zehn- und Siebenkampf, kleine Sportfeste wie das Backontrack-Meeting in Dortmund: Die Leichtathleten rappeln sich in der Coronakrise wieder auf. Der richtige Kick fehlt jedoch, die Sportart läuft derzeit unter dem öffentlichen Radar, die Zuschauer fehlen, und all zu viele Wettkampfmöglichkeiten gibt es nicht. »Ich glaube, wir sind alle vor eine Herausforderung gestellt. Das Jahr ist für jeden Menschen auf dieser Erde anders. Man muss das Beste daraus machen«, sagt Hindernis-Europameisterin Gesa Krause aus Trier.

»Wöchentlich gibt es mehrere Events, wo die Sportler auf gutem Niveau unter Wettkampfbedingungen testen können«, urteilte das Fachmagazin »Leichtathletik« kürzlich und lobte: »Wer hätte vor wenigen Wochen gedacht, dass die Leichtathletik so schnell und souverän wieder in ihren Rhythmus zurückfindet?« Am vergangenen Wochenende starteten über 500 Sportler in Regensburg bei der Laufnacht und der Gala. »Wir konnten beweisen, dass Leichtathletik eine kontaktlose Sportart ist - kein Rempeln, keine Stürze«, sagte Organisator Kurt Ring. »Ich kenne in der Leichtathletik keinen einzigen Coronafall. Alle verhalten sich verantwortungsvoll, so, wie wir unsere Jugendlichen erziehen.«

Hoffen auf Hochklassiges

Und doch ist vieles anders: Bei den ungemein aufwendig inszenierten »Inspiration Games« mit 300 Besuchern in Zürich mit zeitgleichen Wettkämpfen in sechs weiteren Städten rannten Sprinter in drei verschiedenen Orten gegeneinander. Die Kameras erfassten jeden einzelnen, für den Fernsehzuschauer war allerdings nicht genau zu erkennen, wer wirklich vorne lag. Zu allem Übel sorgte Noah Lyles unfreiwillig für eine Lachnummer: Der Amerikaner unterbot den Weltrekord über 200 Meter von Usain Bolt - später stellte sich heraus, dass er nur 185 Meter gerannt war.

Mit einem ähnlichen Konzept organisierte Oslo die »Impossible Games«, auch nur ein Abklatsch der Diamond League. Die Premiumserie soll nun mit einigen Auflagen am 14. August in Monaco starten. Mehrkämpfer wie die deutschen WM-Medaillengewinner Carolin Schäfer und Kai Kazmirek können bisher nur auf einen Vierkampf in Neuwied verweisen statt auf einen Weltklasse-Wettkampf wie sonst in Götzis. Und die Sportfeste haben eine schalen Beigeschmack: keine Fans, reduzierte Starterfelder, keine internationalen Stars in Deutschland. Auch die »Sportlerin des Jahres« und Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo und Laufass Konstanze Klosterhalfen sind bisher auf deutschem Boden noch nicht angetreten.

Das könnte sich bei den Deutschen Meisterschaften am 8. und 9. August in Braunschweig ändern: Mihambo hat dort ihre Teilnahme angekündigt. Zudem hat der Deutsche Leichtathletik-Verband nach einigem Hin und Her nun auch die Genehmigung, Mittel- und Langstreckenläufe durchzuführen. Für Chef-Bundestrainerin Annett Stein ist Braunschweig wie ein »Leuchtturm« inmitten einer undurchsichtigen Umgebung. Dass diese Titelkämpfe der Höhepunkt einer späten Saison werden, die die olympische Kernsportart in der Not veranstaltet, ahnte zu Jahresbeginn noch niemand. Keine Olympischen Spiele in Tokio, keine EM in Paris. So nutzen viele Athleten die unverhoffte Zwangspause zur Regenerationoder um kleinere Blessuren auszukurieren und Kraft für 2021 zu sammeln. »Ich habe mehr Zeit, an meinen Schwächen zu arbeiten«, sagt Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko aus Leverkusen.

Ziel und Druck fehlen

»Ohne Wettkämpfe ist es sehr schwierig, sich zu motivieren. Ich brauche ein Ziel und auch einen gewissen Druck, um die normalen Tagesabläufe einzuhalten«, erklärt jedoch Marathonläufer Amanal Petros vom TV Wattenscheid, der schon auf dem besten Weg nach Tokio war. »Mir fehlt einfach die Wettkampfpraxis«, klagt Raphael Holzdeppe, der Stabhochsprung-Weltmeister von 2013, nach drei Fehlversuchen bei seiner Einstiegshöhe zuletzt bei seinem Auftritt in Zweibrücken. dpa/nd

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