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Kritik an Rechtsradikalen ist gefährlich

In der Ukraine zwingen Drohungen Chefredakteurin Jekaterina Sergazkowa ins Exil

  • Von Denis Trubetskoy, Kiew
  • Lesedauer: 3 Min.

Vermutlich konnte Chefredakteurin Jekaterina Sergazkowa kaum ahnen, dass sie die Ukraine wegen einer Veröffentlichung verlassen muss. Sie hält sich inzwischen an einem unbekannten Ort auf. Die aus Russland stammende Sergazkowa ist erst seit fünf Jahren ukrainische Staatsbürgerin.

Sergazkowa leitet das ukrainische Online-Medium Zaborona (auf Deutsch: Verbot), welches sich meist mit für die Oberen unangenehmen Themen befasst. Anfang Juni wurde ein Text über Denis Nikitin veröffentlicht. Nikitin ist ein russischer Rechtsradikaler. Er gehört zu den bekanntesten Neonazis Europas und wohnte zuletzt in der Ukraine.

Den Beitrag hatte Facebook ursprünglich blockiert. Nach öffentlichen Protesten wurde der Text später allerdings wieder freigeschaltet, das Netzwerk erklärte die ursprüngliche Sperre mit einem Fehler. Die im vergangenen Jahr eingestellte Facebook-Managerin für die öffentliche Ordnung in der Ukraine, Kateryna Kruk, arbeitete früher bei der Nichtregierungsorganisation Stop Fake, die am Anfang des Ukraine-Konflikts 2014 durch Widerlegung von Falschinformationen mit Ukraine-Bezug international bekannt wurde. Außerdem gehört Stop Fake seit Neuestem zu den Organisationen, die auf Facebook Faktencheck betreiben.

Das merkwürdige Vorgehen von Facebook war ein Anlass für Zaborona, sich etwas tiefer mit Stop Fake zu beschäftigen. Das Ergebnis der Recherche: »Facebook hat Zaborona für die Kritik an Neonazisten gesperrt. Es stellte sich heraus, dass ukrainische Faktenprüfer mit ihnen eng befreundet sind.« Dieser Artikel erschien am 3. Juli. Bei der angeblichen tiefen Freundschaft geht es um das Gesicht des Projektes, den englischsprachigen Moderator der Videoformate von Stop Fake, Marko Suprun, Ehemann der Ex-Gesundheitsministerin Ulana Suprun.

Marko Suprun ist unter anderem im Rahmen einer nationalistischen Veranstaltung zusammen mit den Frontmännern von zwei rechtsradikalen Bands aufgetreten, eine davon hat in einem der Lieder den Holocaust geleugnet. Es gibt Hinweise auf die Freundschaft zwischen den drei Männern. Darüber hinaus existieren Fotos von Suprun mit anderen Rechtsradikalen. Außerdem wirft Zaborona dem Mitbegründer von Stop Fake, Jewhen Fedtschenko vor, Rechte öffentlich unterstützt zu haben.

Stop Fake reagierte mit einem Statement, in dem es darum ging, dass die Organisation nicht in der Lage ist, einen Beitrag auf Facebook zu sperren. Zudem seien die Fotos Supruns mit Rechtsradikalen kein Beweis dafür, dass er die Ansichten selbst teilt.

Binnen einer Woche eskalierte der Konflikt. Grund dafür waren die Postings des bekannten ukrainischen Journalisten Roman Skrypin, der als Reaktion auf die Publikationen die Fotos der Chefredakteurin Sergazkowa mit ihrem Sohn sowie ihres vermeintlichen Hauses veröffentlichte. Facebook hat zwar die ursprüngliche Nachricht von Skrypin blockiert, doch es folgten andere. In den Kommentaren wurde gerne auch Sergazkowas Adresse geteilt. Weil Sergazkowa aus Russland stammt, verbreitete man auch die Vermutung, sie würde vor allem im Interesse Moskaus arbeiten.

Letztlich führte das dazu, dass Sergazkowa sowohl Kiew als auch die Ukraine verlassen hat. »Der Europarat hat mit der Beobachtung meines Falls begonnen, während die ukrainische Polizei schweigt. Es wurde noch kein Verfahren geöffnet«, beklagt Sergazkowa auf Twitter. Sie vermutet außerdem, dass die öffentliche Diskussion dazu im Ausland größer ist als in der Ukraine. Tatsächlich sorgte die Situation für harte Kritik seitens Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch. »Die ukrainischen Machthaber sollen unverzüglich die Drohungen gegen Ekaterina Sergazkowa ermitteln. Die Journalisten sollen nicht um ihr Leben wegen der Arbeit fürchten müssen«, hieß es. Nach den Morden an den Journalisten Pawel Scheremet und Oles Busyna in den vergangenen Jahren ist das aber ein weiterer Zwischenfall, der nachdenklich macht.

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