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Wirecard

Wie im Film

Sieben Tage, sieben Nächte

Von Stephan Fischer

Jede noch so abgedreht und krude erscheinende Geschichte wird schnellstens darauf abgeklopft, ob daraus nicht noch ein paar Euro zu machen sind. Während sich also Peter Altmaier und Olaf Scholz, ihres Zeichens CDU-Wirtschaftsminister und SPD-Finanzminister, in dieser Woche im Finanzausschuss des Bundestages zum Thema Wirecard fragen lassen mussten, was da eigentlich los war, sind andere schon viel weiter: Im ersten Quartal 2021 soll das Dokudrama zum Fall Wirecard erscheinen, verkündet ein Streamingdienst aus dem Bertelsmann-Imperium. Das Konzept der Geschichte um den Finanzdienstleister, bei dessen beispiellosem Absturz offenbar Luftbuchungen im Milliardenbereich stattfanden und der Vorwurf des »gewerbsmäßigen Bandenbetrugs« im Raum steht, sei bereits fertig.

Dass jene Ausschusssitzung eine ausgiebige Rolle im angekündigten Dokudrama spielt, darf bezweifelt werden. Zu dröge das parteipolitische Geplänkel, es war ja nicht einmal ein Untersuchungsausschuss, und die Bundeskanzlerin war auch nicht dabei. Stattdessen wird es wohl um Einzelpersonen gehen, mit viel krimineller Energie, dubiosen Verbindungen - vielleicht noch eine Prise Exotik (Philippinen!) dazu, fertig ist das Drama.

Ein paar der wirklich interessanten Facetten dieses Dramas werden wohl gar nicht betrachtet oder höchstens in personalisierter Form. Was wussten Aufsichtsbehörden und wann? Warum hat da kaum jemand früher und genauer hingeschaut? Vielleicht, weil die Aufgaben vieler Behörden, denen man ebenjene Aufsichtsabsicht unterstellt, sich nicht ganz von den Absichten jener frei machen können, denen sie unterstellt sind? Zu kompliziert? Nun, die Aufgaben von Steuerbehörden sollten eigentlich klar und vor allem eindeutig definiert sein - die kreative Auslegung ebenjener kann aber zum Vorteil beim Locken von Kapital werden, dessen Eignern dann eben versprochen wird, »nicht so genau hinzuschauen«.

Genau hinschauen werden bei dem Dokudrama wohl viele, die »in Wirecard investiert waren«, wie es Neudeutsch so scheußlich wie bezeichnend heißt. Investition geht über eine profane Tätigkeit hinaus, sie ist zum Seinszustand geworden. Aber jene »Investierten«, sind sie nicht dem Rat gefolgt, den die Bertelsmänner dieser Republik seit 40 Jahren propagieren? Sei selbst verantwortlich, der Staat wird’s nicht richten. Kein Wunder, der soll laut der Bertelsmänner immer schlanker bis zur Magersucht werden. Selbst schuld, die Investierten, sind halt auf Betrüger hereingefallen? Nun ja, vielleicht hat ebenjener Streamingdienst schon einen Coronafilm in Planung. Heldenhafte Ärztinnen und Ärzte wären darin wohl zu sehen - eine Studie samt Empfehlung zum massiven Abbau von Krankenhausbetten wohl eher nicht. Das will doch keiner sehen. Stephan Fischer

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