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Die eigene Verdopplung in der Nahaufnahme

Gewiss sind nur die Würmer

Langsam begreife ich, dass Älterwerden gar nichts Schlechtes sein muss. Im Gegenteil: Es birgt jede Menge Überraschungen, Ungewissheiten und Fragen mit Nervenkitzelfaktor. Werde ich erst heute Abend aus der Unterhose nach Urin riechen oder schon heute Nachmittag? Kann ich mir ohne Brille die Fußnägel schneiden? Und wo genau werde ich mich dabei mit dem Nagelschneider verletzen? Wann werde ich anfangen, meine Handlungen mit seltsamen Geräuschen zu begleiten oder gar damit, mich ständig selbst zu kommentieren? (»So, gut, und jetzt noch die Paprika in den Korb, und dann an die Kasse. Ich habe genug Taschen eingepackt, hier eine, dort eine, Pfand ist auch weggebracht, toll. Tappel, tappel ...«)

Personen des öffentlichen Lebens machen das ohnehin unentwegt: sich selbst kommentieren. In einem Interview mit dem auch noch gar nicht so alten Kevin Kühnert stand zum Beispiel vor Kurzem der schöne Satz: »Meine Lebenszeit ist mir zu schade für persönliche Konflikte.« Ich könnte mir das gut als Tattoo vorstellen, die Buchstaben gleichmäßig auf die Außenseite der Finger verteilt - und wenn man beide Fäuste zusammenhält, ergibt es auf einmal Sinn, und zwar den obigen.

Das Ding ist, das stimmt natürlich nicht. Niemand ist sich zu schade für persönliche Konflikte. Am wenigsten aber alte Menschen. Ihnen machen die ja auch am meisten Spaß: Denn sie haben entweder alles - oder eben nichts mehr zu verlieren. Ich denke da an das alte Schwein, das sich selber in Scheiben geschnitten und mit Pfeffer gewürzt haben soll. Sie wissen, wen ich meine.

Sie wissen es nicht? Das macht nichts, gar nichts! Wer hat denn gesagt, dass es hier etwas zu verstehen gäbe? Eben.

Würmer, viele Würmer! Nicht in jedem Kopf ist Platz für Veränderung. Man muss da etwas aus den Ohren rausziehen, zum Beispiel die Zauberknete, die der alte Magier Doktor Schranz wohlmeinend reingedrückt hatte; hier etwas reinstecken, neue Gedanken etwa, direkt an die Nervenenden glibbern, das hilft. Was einem allerdings niemand sagt, ist, dass die neuen Gedanken doch nur die alten Probleme sprachlich tangieren, umkreisen und an ihnen irre werden.

So kann Frau Apunkt Herrn Bpunkt ein Leben lang ehrlich zuhören und dabei doch nur immer an die Nilpferde im Zoo denken. Sicher, die beiden reden darüber. Aber löst das Frau Apunkts Fixierung? Sie bekommen Kinder. Die Kinder wedeln mit Scheiße und fragen sich Fragen.

Wo waren wir? Ach so, ja: den Bus nehmen und dann die Tasche abstellen. Schlüssel - hab ich! Tripp, tripp, trapp, trapp ...

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