Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

»Seute Deern« schon ohne Gallionsfigur

Noch fehlt Geld fürs Abwracken des Segelschiffs - Neubau für Millionen aus der Steuerkasse?

Schon kurz nach ihrem Stapellauf 1919 im USA-Bundesstaat Mississippi musste die »Elisabeth Bandi« immer wieder mittels Pumpen »trockengelegt« werden. Der aus dem Holz der Sumpfkiefer gebaute Segler litt unter Attacken einer Muschel mit Namen »Schiffsbohrwurm«, die ihm Löcher zufügte. Undicht blieb das Schiff für den Rest seiner Tage. Auch als es »Seute Deern« - plattdeutsch für »süßes Mädchen« - hieß und in Bremerhavens Museumshafen als Restaurant vor Anker lag, mussten die Pumpen laufen. Als sie unerwartet ausfielen, sank die schon im Februar 2019 durch ein Feuer arg ramponierte Dreimastbark am 31. August 2019 auf Grund. Nach der Bergung befanden Gutachter: Totalschaden.

Das Schiff soll abgewrackt werden, entschied der Eigner, das Deutsche Schifffahrtsmuseum. Zu seiner Gründung 1972 hatte es die »Seute Deern« als Geschenk der Stadt Bremerhaven erhalten. Nach einem bewegten Schiffsleben war sie auf Kosten jener Kommune und der Stadt Bremen gründlich überholt worden. Nun reicht eine Überholung nicht aus, um den Segler zu erhalten. Er liegt in einem »Sandbett«, wartet auf die Abwracktrupps. Doch der Rückbau des Windjammers, der als ein Wahrzeichen Bremerhavens galt, ist teuer. So sind größere Sicherheitsvorkehrungen notwendig, um Belastungen durch krebserregende Schadstoffe zu verhindern. Sie waren bei Untersuchungen des schrottreifen Kahns entdeckt worden. Und es ist noch nicht geklärt, wer die Arbeiten bezahlt. Das Museum hat keine drei Millionen dafür im Etat. Die Städte Bremen und Bremerhaven sind finanziell recht klamm.

Nicht bezahlt werden dürfte das Abwracken aus den 47 Millionen Euro, die der Bund im November für einen Nachbau der »Deern« und weitere reparaturbedürftige Schiffe im Museumshafen bereitgestellt hatte. Diese Großzügigkeit zu Lasten der Steuerzahler hatte Kritiker auf den Plan gerufen. So den Ex-Landessprecher der Bremer Linkspartei, Felix Pithan: »Ich kann niemandem erklären, warum hier Dutzende Millionen mobilisiert werden, aber für Kitas, Klimaschutz oder Krankenhäuser immer zu wenig Geld da ist.«

Ob tatsächlich eine »Seute Deern II« entsteht, scheint offen zu sein. Ende Juni gab es Signale, die den Verzicht vermuten lassen. Wird befürchtet, dass das Vorhaben finanziell aus dem Ruder läuft? Bremens Regionalmagazin »Buten und Binnen« zitiert den Koordinator in Sachen »Seute Deern«, Uwe Beckmeyer: »Wir brauchen hier keine zweite Gorch Fock«. Eine Anspielung auf die Kostenexplosion bei der Renovierung des bundeswehreigenen Seglers. Alternativ zu einer neuen »Deern« könnte ein attraktives Traditionsschiff nach Bremerhaven geholt werden - wie der 93 Jahre alte Segler »Deutschland«, der in Bremen ruht. Überlegungen gibt es, konkrete Schritte nicht. Auch konkrete Schritte zum Abwracken der »Seuten Deern« sind nicht zu sehen. Bis dass irgendwer den Geldhahn aufdreht, beschränkt man sich auf die Sicherung erinnerungsträchtiger Details des Dreimasters. So ist neben dem Steuerrad auch die Galionsfigur abgebaut worden: die Gestalt einer jungen Frau, die dem Schiff in den späten 1930er Jahren vorangesetzt worden war und ihm den neuen Namen verlieh.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln