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Sie revolutionierte die Frauenmode

Frauen-Geschichte(n): Anna Muthesius

  • Von Martin Stolzenau
  • Lesedauer: 3 Min.

Sie stammte aus Aschersleben im Harz, war mit einem berühmten Architekten verheiratet und und entwickelte sich vor dem Ersten Weltkrieg unter dem Einfluss englischer Vorbilder als Autodidaktin zur deutschen Galionsfigur für weibliche Reformkleidung. Sie war es, die sich gegen die Korsage und für eine von der Pariser Mode unabhängige praktische und bequeme Frauenkleidung engagierte.

Anna Muthesius sorgte nicht nicht nur als Modedesignerin für Aufsehen, sondern ebenfalls als Innenarchitektin. Als Salonière verbreitete sie ihre fortschrittlichen Überlegungen in Berlin und in ihrem Sommerhaus auf der Insel Hiddensee und in verschiedenen Veröffentlichungen. Es ist höchste Zeit, sie aus dem Tal des Vergessens zu holen.

Am 12. August 1870 als Anna Trippenbach in Aschersleben in einer wohlhabenden Familie geboren, bildhübsch und mit vielgestaltigen künstlerischen Talenten ausgestattet, begann sie nach einer intensiven Gesangsausbildung zunächst eine Karriere als Konzertsängerin. Mit Erfolg. Auch in der Liebe: Mit ihrem baldigen Ehemann, dem aufstrebenden Architekten Hermann Muthesius aus dem Großherzogtum Sachsen-Weimar, ging sie 1896 nach London, wo er als Architekturattaché an der deutschen Botschaft tätig wurde und dem bauinteressierten Kaiser Wilhelm II. ausführliche Berichte über die profane britische Baukunst lieferte, die sich deutlich von deutscher Prunksucht unterschied. Anna kam in England erstmals mit den Ideen der Lebensreformbewegung in Kontakt.

Nach der Heimkehr des Paares 1906 aus London nach Berlin wurde die Frau des Architekten, der inzwischen zum Geheimrat befördert worden war, als Innenarchitektin bekannt: Ihr Stil, der englischen Landhäusern entlehnt war, begeisterte die modisch orientierte Aristokratie. Mit Gleichgesinnten gründete sie 1907 den Werkbund als »Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Sachverständigen«.

Parallel revolutionierte sie als Modedesignerin die Frauenmode, indem sie der einengenden Korsage den Kampf ansagte. Anna Muthesius stellte ihre Modelle im Berliner Warenhaus Wertheim aus, gewann prominente Mitstreiter, sah sich auch mit dem Neid von männlichen Konkurrenten konfrontiert. Sie behauptete sich und engagierte sich zudem für die Herstellung preiswerter guter Stoffe in Deutschland, um auch der kleinen Hausschneiderin Chancen einzuräumen. »Könnte man erst gute Farben und Stoffe in jedem Laden als deutsches Fabrikat preiswert kaufen, so würde damit nicht nur den großen Toiletten der reichen Frauen, sondern auch dem im engen Hinterstübchen mit der kleinen Schneiderin im Hause gearbeiteten Eigenkleide ein sehr großer Dienst geleistet sein«, schrieb sie in einem Artikel. Nebenbei zog Anna noch fünf Kinder groß.

Auf der Insel Hiddensee erstand das Ehepaar Muthesius ein vormaliges Fischerhaus in Vitte, das sie in ein behagliches Sommerheim mit inseltypischem Landhauscharakter umwandelten. Als sie ihren Mann nach einem schweren Unfall 1927 verlor, zog sich Anna aus der Öffentlichkeit zurück.

Die bemerkenswerte Frau starb am 30. März 1961 in Berlin im Alter von 90 Jahren. Ihre letzte Ruhe fand sie an der Seite ihres Mannes auf dem Evangelischen Kirchhof in Berlin-Nikolassee. Von Anna Muthesius sind ein Bild aus dem Jahre 1895, das Max Koner schuf, und einige Fotos, auf denen sie ihre Reformkleider trägt, überliefert.

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