Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Erstaunlich gut drauf

Allen Unkenrufen zum Trotz ist das Schuljahr weitgehend problemlos angelaufen

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 3 Min.

Vier Begrüßungsfeiern für die neuen Siebtklässler hat Sven Zimmerschied gerade absolviert, viermal das gleiche Programm, mit Abstand und »unter extra erschwerten Bedingungen«, Maske plus Sommerhitze. »Aber anders geht es nicht«, sagt der Leiter der Friedensburg-Oberschule in Charlottenburg.

Zimmerschied bezieht das nicht nur auf die Begrüßungsrunden an der von ihm geleiteten Integrierten Sekundarschule, sondern auf den Start ins neue Schuljahr 2020/2021 allgemein. »Ich will das gar nicht herunterspielen, natürlich ist das ein Feldversuch, den wir hier machen.« Trotzdem sieht er die Friedensburg-Oberschule gut vorbereitet: »Wenn man als Schule schon vorher auf einem guten Weg war und die Möglichkeit hatte, vorausschauend zu planen, dann ist es einfacher.«

Rund 1200 Kinder und Jugendliche besuchen die Schule, die damit zu den größten Berlins zählt. Was die zum Teil hitzig geführte Debatte um die seit Montag geltende Maskenplicht in allen öffentlichen Schulbereichen betrifft, kann Zimmerschied wenigstens für seine Schüler nur mit den Schultern zucken: »Das läuft ohne Probleme. Die Schülerinnen und Schüler ziehen alle mit.«

Der Schulleiter betont dabei, dass es wichtig sei, in der aktuellen Situation »auf Nummer sicher« zu gehen. Auch bei den Reiserückkehrern aus Risikogebieten. Die Vorgabe der Bildungsverwaltung lautet hierzu eigentlich: Ist zum ersten Schultag die Quarantänezeit noch nicht abgelaufen und kann kein ärztliches Attest vorgelegt werden, gilt das Fehlen im Unterricht als unentschuldigt. »Das ist total kontraproduktiv«, sagt Zimmerschied. An der Friedensburg-Oberschule wird die Order daher ignoriert. Die betroffenen Schüler sollen für die nächsten Tage einfach zu Hause bleiben - und gut ist.

Dem Vorsitzenden des Landeselternausschusses, Norman Heise, bereiten die aus Risikogebieten zurückgekehrten Schüler durchaus Kopfzerbrechen. Heise kritisiert, dass die entsprechende Verpflichtung zu Coronatests für Berlin viel zu spät kam. »Am vergangenen Samstag waren viele Familien doch längst schon wieder zurück. Und wir nehmen wahr, dass es Eltern gibt, die aufgrund möglicher Konsequenzen gar nicht zugeben, dass sie in Risikogebieten waren.«

Schon vor Tagen hatte der Elternausschuss deshalb angeregt, dass die Klassenverbände in der ersten Woche nicht in die üblicherweise viel zu beengten Unterrichtsräume gestopft werden. Die Devise müsse sein: Unterricht mit so viel Abstand wie möglich. »Es bietet sich bei den Temperaturen ja auch an, im Freien zu unterrichten oder Wandertage durchzuführen«, sagt Heise.

An der Heinz-Brandt-Schule in Weißensee hat sich dieses Problem unfreiwillig von selbst gelöst. Eigentlich sollten die Fassadenarbeiten an der Sekundarschule vergangene Woche abgeschlossen sein. Waren sie natürlich nicht. Die Konsequenz: Die Fenster lassen sich nicht öffnen. Angesichts des Infektionsrisikos, aber auch angesichts der aktuellen Hitze ein No-Go, sagt Schulleiterin Miriam Pech. »Wir wurden mal wieder in unserer Kreativität und Flexibilität getestet.« Also gibt es jetzt ohnehin »Unterricht am anderen Ort«, Ausflüge inklusive. Der Bauleiter habe ihr gerade zugesagt, dass die Arbeiten zum Ende der Woche abgeschlossen seien, so Pech. Dann geht auch an der Brandt-Schule das Komplettprogramm vor Ort los.

Auch Pech kommt gerade von einer Siebtklässler-Begrüßungsfeier. Und auch sie sagt, dass die Stimmung unter den fast 500 Schülern und rund 50 Kollegen »erstaunlich gut« sei. Zugleich weist sie darauf hin, dass ihr bewusst sei, dass das nicht an allen der gut 800 Berliner Schulen der Fall ist. So sei der detaillierte »Handlungsrahmen« für das neue Schuljahr erst Mittwochabend - und somit kurz vor knapp - von der Bildungsverwaltung an die Schulleitungen verschickt worden. Das habe »viele eiskalt erwischt«, sagt Pech. Ihr Kollege Sven Zimmerschied will das gleichwohl nicht dramatisieren: »Die Dinge, die da drinstehen, über die hätten sich die Schulleitungen auch schon vorher Gedanken machen können.«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln