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Corona-Impfstoff patentiert

China setzt auf viele Projekte gleichzeitig, um schnell zu einsatzfähigen Vakzinen zu kommen

  • Von Fabian Kretschmer, Peking
  • Lesedauer: 3 Min.

Während sich die meisten europäischen Pharmaunternehmen verhalten optimistisch über ihre Impfstoffkandidaten äußern, können sich einige Chinesen bereits heimische Vakzine injizieren lassen. Zumindest wenn man bei einem Staatsunternehmen arbeitet, erzählt eine junge Angestellte aus Peking: »Die Manager haben sich allesamt impfen lassen, wahrscheinlich um als gutes Beispiel voranzugehen. Bei vielen Mitarbeitern herrscht allerdings noch Skepsis«, sagt die Chinesin, die anonym bleiben will. Ob sie sich selbst impfen lassen möchte? »Der ersten Versuchsgruppe will ich nicht angehören. Wie kann ich wissen, ob es sicher ist oder nicht?«, fragt sie.

Am Sonntag gab jedoch die staatliche Behörde für geistiges Eigentum bekannt, erstmals eine Patenzulassung für einen Impfstoff erteilt zu haben. Der unter dem Namen »Ad5-nCOV« laufende Kandidat des Pharmazeuten Cansino Biologics mit Sitz in Tianjin demonstriere damit laut Medien, »originär und kreativ« zu sein. Das nationale Patent würde zudem »das Vertrauen auf dem internationalen Markt erhöhen«. Zumindest die Aktien des Pharmaherstellers sind am Montagmorgen in die Höhe geschnellt, an der Börse in Hongkong gar um 14 Prozent.

Derzeit befindet sich das Serum in der dritten und damit letzten Testphase, die unter anderem in Saudi-Arabien mit über 5000 Probanden durchgeführt wird. Bereits Ende Juli publizierte das chinesische Start-up die Resultate der zweiten Testphase, die von der wissenschaftlichen Gemeinschaft als effizient und sicher goutiert wurden. Schon bald könne der Impfstoff laut chinesischen Behörden »im Falle eines Ausbruchs« produziert werden - und zwar mit bis zu 200 Millionen Dosen jährlich.

Kein anderes Land hat derzeit ähnlich viele pharmazeutische Projekte im Rennen um einen Corona-Impfstoff: Neun von insgesamt 29 Kandidaten, die sich mittlerweile in klinischen Tests am Menschen befinden, wurden in der Volksrepublik entwickelt. Von den derzeit sieben Kandidaten in der finalen dritten Testphase kommen fünf aus China.

Bei den vielversprechendsten Vakzin-Projekten aus dem Reich der Mitte fusioniert die innovative Privatwirtschaft mit der ressourcenreichen Staatsmacht: Bei Cansino Biologics etwa handelt es sich um ein Start-up, doch die Forschung führt es mithilfe von führenden Wissenschaftlern der Volksbefreiungsarmee durch.

Seit über einem Jahrzehnt meldet die Volksrepublik so viele Impfstoffpatente gegen Infektionskrankheiten an wie sonst kein anderer Staat. Gleichzeitig haben sich die Arzneimittel aus China bislang nur selten auf dem internationalen Markt behaupten müssen. All das - gepaart mit einigen Impfstoffskandalen in der Vergangenheit - sorgt nun dafür, dass den chinesischen Impfstoffen mit einer gewissen Skepsis begegnet wird.

Im Falle von Corona setzt China bei seinen Impfstoffen vor allem auf sogenannte »inaktivierte« Versionen. Diese täuschen dem Körper gewissermaßen eine Infektion vor. Der Ansatz gilt als durchaus sicher und hat sich bei vergangenen Epidemien bereits bewährt, doch gleichzeitig haben »inaktivierte« Impfstoffe auch einen entscheidenden Nachteil: Ihre Produktion ist sehr arbeitsintensiv und daher ineffizient. In Europa haben die meisten Pharmaunternehmen daher einen anderen Weg gewählt.

Schlussendlich wird in den kommenden Monaten eine ganz andere Frage in den Vordergrund rücken: Wer erhält zuerst Zugang zu effizienten Impfstoffen, ganz gleich aus welchem Land? Bereits im Mai hat Chinas Präsident Xi Jinping beim alljährlichen Treffen der Weltgesundheitsorganisation WHO versprochen, einen möglichen Impfstoff aus China als globales Gut zu deklarieren: Dies solle »den Zugang zum Impfstoff für Entwicklungsländer sicherstellen«. Wie das konkret in der Praxis ausschauen soll, ist offen. Die Befürchtungen der internationalen Staatengemeinschaft, dass es eine politisch kalkulierte Impfstoffdiplomatie geben könnte, sind noch nicht vom Tisch.

Pekings Außenministerium hat etwa den Philippinen besondere Zugangsrechte für einen Impfstoffkandidaten aus China zugesichert - just jenem Staat also, mit dem man über Machtansprüche in Bezug auf das Südchinesische Meer streitet. Zudem hat Präsident Xi Jinping bereits lateinamerikanischen Ländern Impfstoff-Kredite versprochen - wohl nicht zufällig direkt im politischen Einflussgebiet der Vereinigten Staaten.

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