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Einig gegen irische Linksrepublikaner

Grenzübergreifende Polizeioperation gegen Aktivisten der Partei Saoradh

  • Von Dieter Reinisch
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Polizeistation Musgrave in Belfast macht derzeit grenzübergreifend in Irland und Nordirland Schlagzeilen. Dort werden sieben Männer und zwei Frauen derzeit verhört. Die Polizei beantragte eine Verlängerung der Verhöre für weitere fünf Tage, wie der Anwalt eines der Verhafteten, Ciarán Shields von Madden & Finucane, berichtete. Der Richter Pat Lynch QC gestattete eine Verlängerung für 72 Stunden. Das Gericht wird am Samstag, 14 Uhr Ortszeit über Anklage oder Freilassung der Aktivisten entscheiden.

Am Dienstag wurden die neun führenden Mitglieder der linksrepublikanischen Partei Saoradh (deutsch: Befreiung) in einer gemeinsamen Aktion der nordirischen Polizei PSNI und der irischen Polizei An Garda Síochána verhaftet. In der Operation Arbacia, die laut BBC vom britischen Geheimdienst MI5 koordiniert und von PSNI in Nordirland und Garda in der Republik ausgeführt wurde, gab es Dutzende Hausdurchsuchungen. So wurden in Nordirland drei Häuser in der Stadt Derry, vier in der Grafschaft Tyrone, und weitere in der Stadt Lurgan durchsucht. Diese drei Gegenden sind, zusammen mit Belfast, die Zentren linksrepublikanischer Aktivitäten der vergangenen Jahre.

In der Republik Irland wurden Häuser in der Hauptstadt Dublin, der südirischen Stadt Cork, sowie in den Grafschaften Kerry und Laois durchsucht. Hierbei gab es keine Verhaftungen. Eine Sprecherin der irischen Polizei erklärte: »Garda hat die Hausdurchsuchungen in Unterstützung der PSNI-Operation in Nordirland durchgeführt. Bei den Durchsuchungen wurden wichtige Informationen sichergestellt, die dem nordirischen PSNI in ihren Ermittlungen hilfreich sein werden.«

Die Aktion mit bewaffneten Sondereinheiten gegen Saoradh war die größte grenzüberschreitende Polizeiaktion der vergangenen Jahre auf der Insel Irland.

Im Gespräch mit »nd« betonte ein Sprecher von Saoradh in Dublin: »Seit Jahren erzählt die Regierung, dass es nicht genug Personal gibt, gegen den Drogenhandel und andere Kriminalität in Dublin vorzugehen. Aber plötzlich sind Hunderte schwer bewaffnete Polizisten vorhanden, um am frühen Morgen die Türen von politischen Aktivisten im ganzen Land einzutreten.«

Der Aktivist selbst möchte anonym bleiben: »Wenn heute mein Name in irgendeiner Zeitung erscheint, dann ist morgen mein Haus für eine Durchsuchung dran.«

Saoradh wurde im Herbst 2016 von Aktivisten aus unterschiedlichen Strömungen gegründet. Ziel war es eine geeinte, linksrepublikanische Alternative gegen die Teilung Irlands, Repressionen und Sozialabbau aufzubauen. Die Partei bezeichnet sich als antikapitalistische und antifaschistische Bewegung mit dem Ziel des Aufbaus einer vereinigten sozialistischen Republik.

Die Mehrheit ihrer Leitung sind erfahrene Aktivisten, die seit dem Nordirlandkonflikt in Sinn Féin und der IRA aktiv waren. Dazu stießen in den urbanen Zentren Belfast, Derry und Dublin junge Aktivisten, die von Jugendarbeitslosigkeit und Sozialabbau getroffen und keine Perspektive im derzeitigen System sehen.

Die Mehrheit der Verhafteten sind ehemalige politische Gefangene. Saoradh gilt als der politische Arm der »Neuen IRA«. Die neun Verhafteten werden in Nordirland nach dem britischen Anti-Terror-Gesetz festgehalten.

Im Gespräch mit »nd« betonte der prominente Belfaster Republikaner Alex McCrory: »Seit der Gründung geht der britische Staat gegen Saoradh vor. Diese Aktion ist nun ein Versuch, die Organisation zu vernichten.«

Der britische Staatssekretär für Nordirland, Brandon Lewis, erklärte: »Es war eine bedeutende Operation, die zu anhaltendem Frieden in Nordirland führen wird.«

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