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Corona-Rebellen

Paranoia, Taktik und Spektakel

»Corona-Rebellen« und »Covid-Leugner«: Versuch einer Demaskierung

Von Georg Seeßlen

Am 6. August 2020, als die Zahlen der neu mit Corona Infizierten wieder einmal deutlich angestiegen waren, gab ein Interview in einer Radio-Morgensendung die Zahl der hiesigen »Maskenverweigerer« mit 10 Prozent an. Ein Mittelwert, der verdeckt, dass es Gegenden und Milieus gibt, in denen fast alle eine Maske tragen - und andere, in denen sich fast jeder zweite diesem Ding verweigert, das beides zugleich ist: eine medizinische Maßnahme, mit der man wohl weniger sich selbst als andere vor sich schützt, und eine symbolische Geste, die besagt: Ich nehme eine erträgliche Beeinträchtigung in Kauf, weil mir das Wohl meiner Mitmenschen am Herzen liegt. Und ich würde selbst dann, wenn der medizinische Erfolg nicht vollständig belegbar ist, eine solche Maske tragen, als Zeichen von Solidarität. Vier Tage später erreichte uns die Meldung: »Laut einer Umfrage würden sich 35 Prozent der US-Amerikaner keiner kostenlosen Impfung gegen Corona unterziehen.« Unter den Anhängern der Republikaner sei die Zahl der Skeptiker »besonders groß«.

I. Nun zeigten die »Krawalle« in Stuttgart und jene Großveranstaltung vom Juli in Berlin (auch wenn die Teilnehmerzahlen von Veranstaltern, Polizei und Medien in Trump’schem Maß auseinanderklaffen), dass die zehn Prozent der »Maskenverweigerer« das Zeug zu einem politischen Subjekt haben - mit einer vollständig widersprüchlichen, vergifteten und großteils anti-rationalen Agenda. Und der Überhang der Republikaner-Fans bei den potenziellen Impfverweigerern zeigt, wie eng politische Einstellung und ein hygienisches Verhalten verbunden sind, das dem wissenschaftlich-kritischen Weltbild so sehr zuwider läuft wie dem Grundwert der Mitmenschlichkeit. Sucht sich ein irrational-egomanisches Verhalten eine politische Rechtfertigung, oder erzeugt eine politisch-ideologische Gemengelage ein rücksichtslos soziophobes Verhalten? Dramatischer noch: Was mag aus dieser dialektischen Einheit entstehen?

Die Vernünftigen und Moralischen schütteln entsetzt den Kopf über »Covidioten« und darüber, wie gelassen inmitten einer Stimmung von Hysterie auch die, die nicht zu den üblichen Verdächtigen gezählt werden, das Mit- und Vornewegmarschieren von Neofaschisten und Rechtsterroristen hinnehmen. Wie sie sich im Namen der »Freiheit« mit Verschwörungsfantasten, Antisemiten und militanter Esoterik verbünden. Ohnehin haben Vernunft und Moral einen schweren Stand in Neoliberalismus und Postdemokratie. Wie viel schwerer ist es, die beiden Grundhaltungen der demokratischen Zivilgesellschaft in der Pandemie zu bewahren!

Widerstehen muss man jedenfalls einem Reflex: alles, was nicht vernünftig ist, als idiotisch und alles, was nicht moralisch ist, als kriminell abzutun. Denn das Verhalten von Menschen, wie destruktiv und soziophob auch immer, hat Ursachen, »Erklärungen«, hat einen psychologischen Unter- und einen ideologischen Überbau. Eine Verharmlosung ist das nicht. Im skandierten »Maske runter« und in gezielten Angriffen auf Pressevertreter zeigt sich, dass es keineswegs nur um »Verweigerung« geht (von den einzelnen, brutalen Übergriffen von »Maskengegnern« auf Menschen, die sie an ihre soziale Verantwortung erinnern, ganz zu schweigen): Die soziophobe Haltung hinter Maskenverweigerung und Coronaleugnung ist auf Angriff getrimmt. Das Angriffsziel ist mitnichten der »autoritäre Staat«, der »uns« die Freiheiten raubt. Sondern eben die auf Vernunft und Moral gegründete demokratische Zivilgesellschaft. Was bei rechtspopulistischen Bewegungen längst taktischer Usus ist, wiederholt sich bei den »Corona-Rebellen« im Schnelldurchlauf: Die Freiheit, die man in Anspruch nimmt, misst man anderen nicht zu. Ein »Peanuts«-Strip bringt das auf den Punkt: Gefragt, ob sie an einem Debattierkurs teilnehmen wolle, verneint Lucy: »Reden macht mir schon Spaß, aber Zuhören ist nicht so mein Ding.«

Zum Beleg für diese Haltung mag die Aktion des Satirikers Florian Schröder bei einer »Querdenken«-Demo in Stuttgart dienen: »Ich wollte aufzeigen, was diese Leute meiner Ansicht nach verlernt haben: sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen, andere Perspektiven einzunehmen, aus ihrer Blase herauszukommen.« Tatsächlich scheint es, als habe sich ein Teil der Bevölkerung aus der materiellen Isolation nur befreit, um sich in eine neue, radikalere Form der intellektuellen und semantischen Isolation zu versetzen. Ganz pragmatisch, gewiss, hat das gefährliche Züge: Man macht sich nichts daraus, ein Virus zu verbreiten, an das man nicht »glaubt«. In Sprache und Posen hat dies auch jenseits der kleidsamen Aluhüte unbestreitbar komische Züge. Aber vielleicht steckt in diesem Verhalten eben doch mehr als nur eine Übersprungs- und Trotzhaltung.

II. Beginnen wir bei der argumentativen Logik. Der Katalog der Rationalisierungen für eine Verweigerung des Maskentragens ist recht überschaubar: Das eine ist die vollständige Leugnung des Medizinischen - hier das Maskentragen, dort die Impfung. So vollständig ist die Leugnung, dass nicht einmal eine gängige Formel mehr greift: Wenn es nichts nützen wird, so kann es doch auch nicht schaden. Die medizinisch-soziale Maßnahme wird in eine symbolisch-politische umgedeutet.

Das zweite ist die fundamentale Leugnung sozialer Verantwortung. Meine persönliche Freiheit - eigentlich nur: meine Nicht-Beeinträchtigung - wiegt schwerer als Ideen von Mitmenschlichkeit oder, altmodisch gesagt: Gesellschaft. Das Verweigern der Maske ist ungefähr mit der Weigerung vergleichbar, Einschränkungen des privaten Waffenbesitzes hinzunehmen. Wir erahnen schon hier eine autonom-libertäre Rekonstruktion des Subjekts.

Beide Haltungen, die Leugnung der medizinischen Kenntnis und die Leugnung der sozialen Verantwortung, sind für sich weder rational noch moralisch haltbar in dem, was von einer bürgerlichen Gesellschaft geblieben ist. Sie entsprechen einer zur Kenntlichkeit verzerrten »Ideologie« des Neoliberalismus: Gesellschaft soll abgeschafft werden zugunsten des Marktes; Demokratie soll abgeschafft werden zugunsten der Deregulierung von Arbeitsmärkten und einer individuellen Freizeit- und Konsumfreiheit. Als Zeichen der Verbundenheit mit Gesellschaft und Menschen wird die Maske abgelehnt; man sieht sie als Schwächung des Subjekts.

Da diese beiden Argumente also für sich genommen einen geradezu obszönen Egoismus verraten würden, wird ein Drittes benötigt: die Doppelkonstruktion eines Feindbildes und einer Gegenerzählung. Das erste Feindbild ist ein zum »Regime« erklärter Staat, plötzlich autoritär und terroristisch - auch wenn dieselben Kräfte ihn gerade noch als schwach und korrupt bezeichnet hatten. Wahlweise ist er in Händen der Konzerne, Verbände und Lobbyisten - oder wird von internationalen, »blutschänderischen«, anti-völkischen Verschwörungen gesteuert. Das zweite ist ein wissenschaftlich-aufgeklärtes, liberal-humanistisches Weltbild, das als unzuverlässig, uneindeutig und wechselhaft dargestellt wird. Der medizinischen Wissenschaft wird ausgerechnet vorgeworfen, kein Ein-für-allemal zu postulieren, sondern ein System von Korrektur und Selbstkorrektur zu sein. Auch hier wirkt ein erzpopulistisches Denkmuster: das Verlangen nach einfachen Wahrheiten statt verwirrender Wirklichkeit. Und einem, der die erstere zu kennen meint, muss man mit zweiterer nicht kommen.

»Corona-Leugnung« versteht sich so als Avantgarde einer neuen globalisierten, privatisierten und digitalisierten - fiktionalisierten - »Gesellschaft« aus neoliberalen und populistischen Grunddiskursen, für deren weichen Kern der Unterschied zwischen links und rechts in der Tat nicht mehr besteht. In dieser Melange, dem Nebeneinander und auch Miteinander faschistischer, hedonistischer, verschwörungsfantastischer, »linker«, antiautoritärer, unzufriedener, hysterischer, besorgter, hooliganistischer, esoterischer und vieler anderer Impulse, muss eine eigene Grammatik wirken: Wo kommt das her, und wo will das hin? Es ist, als würde sich die dröge Pegida-Bewegung zugleich mit Neonazis und Party People vermischen, als hätte der neue Faschismus endlich zu Sinnlichkeit und Eros gefunden und als könnten sich gerade hier die zwei Bewegungen miteinander verbinden, die den Zerfall der Demokratie in Deutschland beschleunigten: Darwinistischer Turbokapitalismus und neonationalistischer Populismus. Es bedurfte nur eines Anlasses, eines Gegners, einer Sprechweise, um zu verbinden, was zunächst so verschieden zu sein scheint.

Diese Amalgamierung hat drei Treibkräfte: Paranoia, Taktik und Spektakel. Für den erstgenannten Begriff haben wir zwei Felder: zum einen der mehr oder weniger klinische Sinn, zum anderen der kognitiv-pragmatische. Paranoides Verhalten, das sich gewissermaßen vom medizinischen Fall in die soziale Kommunikation geschlichen hat, ist an drei Faktoren gebunden:

Man sieht, hört oder »weiß« von Dingen, die sich »normaler« Wahrnehmung und Rationalität entziehen. Man verbindet Dinge, die »normalerweise« nicht oder anders korrespondieren. Aus Misstrauen wird zunehmend Hass gegen die, die nicht sehen, hören, wissen, was man weiß, und keinen Zusammenhang sehen, wo derselbe einem klar scheint: Das »Normale« wird Bedrohung.

So erkennen wir Ideologie als softe, mehr oder weniger sozialisierte Form von Paranoia - oder Paranoia als »gefährlich« dramatische, toxische Ideologie.

III. Die Demo selbst, die mediale Aufmerksamkeit auf der einen und die Ablehnung durch den »verblendeten Mainstream« auf der anderen Seite verdrängen noch die letzten (Selbst-)Zweifel. Aus Taktik, Ideologie und Paranoia wird ein negativer Heroismus, der zuerst in einer Selbstwahrnehmung als Opfer besteht (erdrückende Staatsmacht, ferngesteuerte Medien, »gutmenschliche Versiffung«) und erst danach im »Widerstand«. Diese wohlfeile Haltung stützen die Medien, wenn sie von »Corona-Rebellen« sprechen - und »Bild« füttert sie mit Kampagnen gegen die medizinischen Maßnahmen und ihre Protagonisten. Im Zentralorgan der Niedertracht sucht man »Deutschlands klügste Corona-Skeptiker« oder setzt der »Spiegel«-Kommentator Nikolaus Blome ein »›anarcha-queer-feministisches‹ Hausprojekt« mit einem »Gib Gates keine Chance«-Plakat gleich.

Die Rolle der »traditionellen« Medien bei der Verwandlung von Paranoia in Ideologie ist neben den »neuen« Medien nicht zu unterschätzen, ebenso wie das Wirken christlicher Scharfmacher, die sich bis in Regierungen hinein als Motor verschwörungsfantastischer »Corona-Leugnung« etabliert haben. Dies deutet auf eine weitere Fährte: eine Verbindung von Paranoia nicht nur mit Ideologie, sondern auch mit Religion - nicht nur in Sphären der »Esoterik«. Wie man die paranoide Reaktion auf »unsichtbare« Gefahr politisieren und ideologisieren kann (die Maskenverweigerung ist nicht nur in Trumpistan ein Statement), so lässt sie sich auch theologisieren: Da sind nicht nur die Fundamentalisten, die Beten als einzig wahre Waffe gegen die Pandemie propagieren (bei den derberen Despoten sollen es Wodka und Knoblauch richten); vielmehr ist die »Corona-Rebellion« selbst ein Ersatz. Ein Ersatz für das »Freizeitvergnügen« als Massenevent, ein Ersatz für politischen Widerstand und Kritik und schließlich ein Ersatz für eine religiöse Bewegung als Rausch gemeinsamer Erleuchtung. Wer das für eine Unterstellung hält, versenke sich in entsprechende Videos mit Call and Response der »Gemeinde«.

Das Spektakel, die öffentliche Aufmerksamkeit und das Gemeinschaftserlebnis sind hinreichende »Belohnungen« für die Mühen und (wahrscheinlich hier und dort doch noch geahnten) Risiken der Bewegung. Ausgeblendet wird dabei, dass eben der Staat, aber auch die liberalen Medien mit den Anti-Corona-Militanten linder und verständnisvoller umgehen als mit (linken) Protesten, die auf sehr konkrete, genau verfolgbare Geschehnisse reagieren und konkrete Forderungen erheben, die sich gar auf Eigentumsverhältnisse beziehen: Offensichtlich wissen Staat und Medien, welche »Rebellen« wirklich gefährlich sind. So müsste jedes schurkische »Regime« den Scheinaufstand »gegen Corona« erfinden, wenn es ihn nicht gäbe: Nichts ist bequemer als Kritik, die nichts trifft. Was aber wirklich in der Krise sichtbar wurde - die Destruktion durch Neoliberalismus und Postdemokratie, die jetzt als »Rückkehr zur Normalität« zur Utopie mutiert - verschwindet nicht nur im Spektakel der »Corona-Rebellen«, sondern auch im kopfschüttelnden Grauen der »Normalen«.

Zunächst scheint die »Corona-Rebellion« auch von einem Hauch lustvoll-individualistischen »Anarchismus« umweht: Man ist »ungehorsam«, ein wenig wie das Kind, das sich elterlichen Hygieneregeln widersetzt, für die Freiheit, gegen Zwang. Wer sich hierin als »links« verstehen will, zeigt aber eher »libertäre« Dispositionen: weg mit dem Staat, nicht nur, wo er »autoritär« ist, sondern noch mehr in seiner »Fürsorglichkeit«. Die Verachtung gilt gerade einem Staat, der sich seiner eigenen Autorität zu schämen scheint (das ist doch auch viel »altmodischer« als die neuen Formen der Soft-Power), und der für einen historischen Augenblick sogar seine tiefe, strukturell korrupte Beziehung zur ökonomischen Elite aufgibt. Man hasst also gerade den Staat, der nicht der schlichten Erzählung folgt. Der libertäre Charakter - die neoliberale Form des autoritären Charakters - verachtet das »Mütterliche« am Staat und verlangt ihm »Väterliches« ab: Aufrüstung, nationalistische Rhetorik, Grenzen statt gerechter Verteilung, statt Rücksichtnahme, statt sozialem Verhalten. Wir beginnen zu verstehen, warum Regenbogen- und eine Reichskriegsflagge, ein »Liebe«-Chor und eine Hasspredigt sich hier verstehen.

IV. Diese Bilder, jede Wette, werden in künftigen Geschichtsbüchern als bedeutende Vorzeichen einer kommenden Transformation gelten. So könnte das dann klingen: Warum machte es Esoterikern, Alt-Hippies und gar Regenbogen-Träger*innen so wenig aus, in betonter körperlicher Nähe neben Neonazis, Reichswehrfahnen, Aluhüten, QAnon-Fans zu marschieren? Warum störte die Überschrift »Querdenken« nicht, die doch hierzulande unmissverständlich jene faschistische »Querfront« aufrief, die schon im Label »Nationalsozialismus« steckte? Warum wollte man den Bezug des »Tags der Freiheit« zu Leni Riefenstahls gleichnamigem Reichparteitags-Wehrmachtsfilm nicht sehen? In diesem Film beteuert Adolf Hitler, gleichsam in doppelter Codierung, wie sehr die Wehrmacht der Friedenserhaltung diene, während der Aufmarsch der Truppen das Gegenteil signalisiert, von der Fliegerstaffel, die ein Hakenkreuz bildet, zu schweigen. Diese doppelte Codierung entsprach dem Wesen auch der »Corona-Rebellion«.

Sie war der Zusammenschluss der libertären Erben des Hippie- und Hipster-Kapitalismus, der dumpfen, »unzufriedenen« Spießer-Rechtspopulisten sowie alten und neuen Hardcore-Faschisten. Nicht der gemeinsame Gegner, den es in Wahrheit nicht gab (es sei denn, man nenne ihn demokratische Mitmenschlichkeit), sondern eben dieser Zusammenschluss war das wirkliche Ziel dieser Installationen, deren »Stars« diesen Zusammenschluss auch buchstäblich verkörperten: Der vegane Kochtopfguru, die Rapper, die Post-Hippies und »Theatermacher« vereinigten in sich die drei Gruppen, die zur anti-demokratischen völkisch-neoliberalen Front verschmelzen sollten.

Als nützliche Idioten dienten sie hierbei nicht zuletzt einem Staat, einer Regierung, einer politischen Klasse, die gern verhindern wollte, dass man ihr Wirken genau besah und unter dem Motto der »Rückkehr zur Normalität« und mit dem giftigen Begriff der »Systemrelevanz« an einer wahrhaft unbarmherzigen Reaktion dieses Systems aus Neoliberalismus, Mediokratie und Populismus arbeitete.

Einige Linke hatten sich indes schon vorher dem »Sozialdarwinismus« angeschlossen, der Alte und Kranke als Opfer ansieht, die für den Fortgang des geschäftsförmigen Lebens oder der »Natur« geopfert werden müssten. Die verbliebene »linke« Kritik konzentrierte sich zu sehr auf eine Distanzierung von den Nazi-Einlagerungen, und gelangte wohl aus taktischer Vorsicht nicht an den Kern der Unmenschlichkeit in dieser »Bewegung«: Im Faschismus gibt es die bedingungslose Identifikation mit der Macht; die Steigerung ist die Identifikation mit jener Kraft, die Leben macht und sterben lässt. Ein vitalistischer Sozialdarwinismus feierte seine »Vereinigung« unter eben dieser Klammer: Bei den Rechten ist es die »völkische« Instanz, die über Wert und Unwert des Lebens entscheidet, bei den post-hippiesken Esoterikern ist es »die Natur«, bei den libertären schließlich nur noch die Fähigkeit zu Arbeit und Genuss.

Das kulturhistorische »Verdienst« der »Corona-Rebellion« war ihr Beitrag zur Umwertung der Vorstellung von Freiheit. Indem sie medizinische, soziale Maßnahmen politisierte, ermöglichte sie dem »System« eine weitere Entpolitisierung in seiner Wahrnehmung. Scheinbar widersprüchliche, »quere« Bewegungen in der Post-Corona-Gesellschaft verbanden sich zu einem neuen biopolitischen Projekt. Am »Tag der Freiheit« sollte der Humanismus begraben werden. Die Folgen sind bekannt.

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