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Tore vom Fließband

Pernille Harder schießt Wolfsburg ins Halbfinale der Champions League. Lange kann der Doublesieger die Dänin wohl nicht mehr halten

  • Von Jana LANGE, San Sebastian
  • Lesedauer: 3 Min.

Vor dem ersten echten Härtetest ihrer Triple-Mission schalteten die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg beim Spaziergang durch San Sebastian kurz in den Touristenmodus. Gleich wieder die Koffer packen musste hingegen der FC Bayern nach dem verpassten Coup gegen Olympique Lyon beim Finalturnier der Champions League.

Nach einem weiteren Coronatest am Sonntagmorgen verließ der Vizemeister das Risikogebiet mit einer Mischung aus Enttäuschung und Stolz. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge schickte ein »großes Kompliment« nach Bilbao, weil das hervorragend eingestellte Team von Trainer Jens Scheuer den Seriensieger beim 1:2 (0:1) im Viertelfinale ordentlich ins Wanken gebracht hatte.

Die Wolfsburgerinnen um die vierfache Torschützin Pernille Harder hatten da ihren Blick schon auf das Halbfinale gegen den FC Barcelona am Dienstag (20 Uhr/Sport1) gerichtet. »Das wird ein ganz anderer Gegner«, sagte die dänische Stürmerin nach dem 9:1 (4:0) gegen Glasgow City. Gegen die überforderten schottischen Meisterinnen traf Harder wie am Fließband (15./45./56./71.).

Harders sagenhafte Quote im Trikot des deutschen Meisters und Pokalsiegers verdeutlicht ihre Effizienz: 105 Tore in 112 Pflichtspielen hat sie seit ihrem Wechsel vom FC Linköping im Januar 2017 erzielt.

Kein Wunder, dass finanzkräftige Spitzenklubs um die 27-Jährige buhlen, deren Vertrag 2021 ausläuft. Allen voran der englische Meister FC Chelsea. Dort steht Harders Lebenspartnerin, die schwedische Nationalspielerin Magdalena Eriksson, unter Vertrag. Im März machten Gerüchte über eine Ablöse von 300 000 Euro die Runde.

Dass die Co-Kapitänin und Bundesliga-Torschützenkönigin (27 Tore) über den kommenden Sommer hinaus zu halten sein wird, hat Wolfsburgs sportlicher Leiter Ralf Kellermann jüngst schon ausgeschlossen. Es wäre nicht nur ein herber Verlust für den VfL, sondern auch für die Bundesliga, die beim neuen europäischen Wettbieten um die besten Spielerinnen kaum noch internationale Hochkaräter anlockt.

Jetzt aber soll erst einmal der begehrte Henkelpokal her, den die Wölfinnen seit den Triumphen im Triple-Jahr 2013 sowie 2014 schon lange vergeblich jagen. Die nächste Hürde Barcelona ist schwieriger als Glasgow, aber doch machbar. Der Vorjahresfinalist um die Ex-Wolfsburgerin Caroline Hansen gewann das spanische Viertelfinale gegen Atletico Madrid um die deutsche Nationalspielerin Turid Knaak nur mit 1:0 (0:0).

Eng gestalteten auch die Bayern ihr Duell mit dem Topfavoriten des Turniers aus Lyon, es mangelte aber an Durchschlagskraft. Nikita Parris (41.) und Amel Majri (59.) brachten das glanzlose, aber effiziente französische Starensemble um Deutschlands Nationalspielerin Dzsenifer Marozsan in Führung. Dem Anschlusstreffer durch Carolin Simon (63.) gegen ihr Ex-Team folgte eine packende Schlussphase mit einem Lattenschuss von Sydney Lohmann (79.).

Die Lücke zu Europas Branchenprimus, der am Mittwoch (20 Uhr) auf Paris St. Germain trifft, ist kleiner geworden - der Titelhunger gewachsen. »Natürlich ist es unser Ziel, irgendwann diesen Pokal in die Luft zu stemmen«, sagte Trainer Scheuer. Vereinspräsident Herbert Hainer schickte eine Kampfansage an Serienmeister Wolfsburg hinterher: »Unser Ziel ist es, in Deutschland die Nummer 1 zu werden und uns in Europa in der Spitzengruppe zu etablieren.«SID/nd

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