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Mehr Zeit für Golf

Der Anfang vom Ende der Karriere des irischen Politikers Phil Hogan war ein Dinner in einem Golfclub. Ohne Corona hätte das Essen sicher keine Erwähnung gefunden. Mit Corona stand der EU-Handelskommissar plötzlich in der öffentlichen Kritik. Denn außer dem begeisterten Golfspieler waren noch rund 80 Personen da - weit mehr als unter Pandemieauflagen zulässig. »Golfgate« nahm seinen Anfang. Für Hogan endet eine 40-jährige Karriere.

Begonnen hat die Laufbahn des 1960 in Kilkenny geborenen Politikers nicht direkt nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften und Geografie an der University Cork. Zunächst arbeitete Hogan als Landwirt, dann als Auktionator, bevor es ihn in Vollzeit in die Politik zog. 1977 gründete er mit anderen eine Ortsgruppe der neu gegründeten Young Fine Gael in Kilkenny - in einer Zeit, als die bürgerlich-konservative Partei sich zögerlich nach links öffnete. Fünf Jahre später saß der damals 22-Jährige im Kreisrat von Kilkenny, für drei Jahre hatte er den Vorsitz.

1987 kandidierte Hogan erfolglos für einen Sitz im Unterhaus, zwei Jahre später klappte es als Abgeordneter des Wahlkreises Carlow-Kilkenny. In seiner Fraktion war er Sprecher für Ernährung, für Verbraucherschutz sowie zwischen 1993 und 1994 für regionale Angelegenheiten und europäische Entwicklung. Nach einem kurzen Intermezzo als Staatsminister im Finanzministerium berief Premierminister Enda Kenny ihn im März 2011 zum Umweltminister. Nach drei Jahren Regierung starte er 2014 seine EU-Karriere. Zunächst EU-Agrarkommissar, wurde er unter Ursula von der Leyen zuständig für Handelspolitik.

Die hat ihm jetzt Respekt gezollt für seinen Rücktritt, nachdem »Big Phil« sich eine Woche mit Dementi versuchte über Wasser zu halten. Sein Spitzname soll sich nicht allein auf seine knapp zwei Meter beziehen, sondern auf seine direkte Art. Im Golfgate wäre Diplomatie sicher hilfreicher gewesen.

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