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Mit Carwitz kam der literarische Erfolg

nd-Tagesreise auf den Spuren des großen Erzählers Hans Fallada

Von Heidi Diehl

Von Heidi Diehl

Wetten, dass Sie Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen kennen, auch wenn Sie sicher sind, diesen Namen noch nie gehört zu haben! Es ist niemand anders als Hans Fallada, der mit seinem 1932 veröffentlichten Roman »Kleiner Mann - was nun?« nach vielen Misserfolgen einen Bestseller schrieb, der ihm internationale Anerkennung einbrachte. Wenngleich die Erstveröffentlichung nicht exakt seinem Manuskript entsprach. Ungekürzt erschien der Roman erst 2016 im Aufbau-Verlag.

Wollen Sie wissen, warum sich der Schriftsteller ein Pseudonym wählte und unter dem Namen Hans Fallada publizierte? Dann halten Sie sich den 23. September frei und gehen mit anderen Neugierigen auf eine nd-Leserreise auf den Spuren Hans Falladas. In Carwitz, wo der Schriftsteller lange lebte, sowie in und um Feldberg werden Sie garantiert fündig.

Carwitz war in der ursprünglichen Lebensplanung des Schriftstellers nicht vorgesehen. Dorthin verschlug es den Unangepassten, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hielt, eher unfreiwillig. Denn im März 1933 wurde er von Mietern seines Hauses im brandenburgischen Berkenbrück, wo Fallada mit seiner Familie lebte, bei der örtlichen SA denunziert, die ein angeblich staatsfeindliches Gespräch des Schriftstellers mit einem Bekannten belauscht hatten. Fallada wurde kurzzeitig inhaftiert, gab danach sein Haus auf und kaufte in Carwitz nahe der mecklenburgischen Kleinstadt Feldberg ein Gehöft. Hier schrieb er unter anderem seinen berühmt gewordenen Roman »Wer einmal aus dem Blechnapf frisst«, in dem er seine Erfahrungen aus der Haftzeit verarbeitete.

Fallada verbrachte viel Zeit in der Feldberger Natur, die er sehr liebte. Warum, werden Sie wissen, wenn Sie selbst dort unterwegs gewesen sind. Sie werden die Seenlandschaft bequem vom Schiff aus beobachten können. Mit der MS »Bella del Lago« unternehmen Sie eine große Seenrundfahrt zum Seeadlerhorst, bei der Sie zwei Stunden lang über den Großen Haussee, den Breiten Luzin, den Lüttersee, den Langen Hals und den Kleinen Haussee fahren.

Wieder an Land und gut gestärkt, besuchen Sie anschließend das Hans-Fallada-Museum in Carwitz, Falladas Lebensmittelpunkt von 1933 bis 1944. Hier fand er zum ersten Mal nach langen unruhigen Jahren einen Ort der Beständigkeit und Ruhe zum Schreiben.

Aus heutiger Sicht würde man sagen, Fallada hatte, vor allem in seinen Jugendjahren, große psychische Probleme. Einen als Duell getarnten Doppelsuizidversuch, bei dem sein Freund Hanns Dietrich von Necker am 17. Oktober 1911 starb, überlebte er schwer verletzt. Er wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, eine Anklage gegen ihn ließ man wegen Schuldunfähigkeit fallen. Er war alkohol- und mophinsüchtig, verbrachte deswegen mehrere Jahre in Entzugsanstalten und Sanatorien.

Seine ersten Romane waren alles andere als »Renner«. Finanziell hielt er sich vor allem mit landwirtschaftlichen Gelegenheitstätigkeiten mehr schlecht als recht über Wasser. Das reichte kaum zum Leben, insbesondere weil er weder vom Alkohol noch vom Morphium lassen konnte. Das dafür erforderliche Geld beschaffte er sich durch Unterschlagungen, was 1923 zu einer dreimonatigen Haftstrafe führte. Kaum wieder auf freiem Fuß, machte er so weiter wie vorher - so schlossen sich 1926 die Gefängnistüren für zweieinhalb Jahre hinter ihm. Viele Jahre war Hans Fallada das, was man eine gescheiterte Existenz nennt.

Etwas Normalität kam erst in sein Leben, als er Ende der 20er Jahre in Hamburg Anna Issel kennenlernte und sie heirateten. Gemeinsam bekamen sie vier Kinder. Und mit »Kleiner Mann - was nun?« stellte sich endlich auch der Erfolg ein. Doch sein Privatleben verlief in den 30er Jahren weniger glücklich als sein Leben als Schriftsteller, das ihn finanziell auf sichere Füße stellte. Die Ehe scheiterte, wurde nach 15 Jahren im Juli 1944 geschieden. Nur wenige Monate später schoss er, schwer betrunken, im Streit mit seiner geschiedenen Frau mit einer Pistole in einen Tisch. Er wurde des versuchten Totschlags angeklagt und zur Beobachtung in den Maßregelvollzug in Neustrelitz eingewiesen. Hier schrieb er eine Reihe von Kurzgeschichten und das Manuskript des später posthum erschienenen Romans »Der Trinker«.

Von all dem und vielen weiteren Details aus dem Leben des großen Erzählers erfahren Sie während einer Führung durch Falladas Wohnhaus in Carwitz. Einige Räume sind noch original erhalten, andere beleuchten sein Leben mithilfe moderner Installationen. Sie haben genug Zeit, sich im Haus umzuschauen und durch die weitläufigen Hof- und Gartenanlagen am Seeufer zu wandeln. Der Museumsleiter, Dr. Stefan Knüppel, wird während der Führung hier und da Lesestationen einbauen und Ihnen einige Passagen aus Hans Falladas Erinnerungsbuch »Heute bei uns zu Haus« und aus den »Geschichten aus der Murkelei« vorlesen.

Machen Sie es sich auf einer Bank bequem, und stellen Sie sich vor, der einstige Hausherr selbst würde Ihnen, seinen Gästen, ein wenig von dem zu Gehör bringen, woran er gerade arbeitet. Vielleicht bekommen Sie ja Lust, mal wieder in dem einen oder anderen Buch Hans Falladas zu lesen. Vielleicht in seinem letzten, 1947 in gekürzter Form veröffentlichten Roman »Jeder stirbt für sich allein«, in dem er den authentischen Fall des Ehepaares Otto und Elise Hampel verarbeitet hat, die Flugblätter gegen Hitler ausgelegt hatten, denunziert und hingerichtet wurden. Der Aufbau-Verlag veröffentlichte ihn im Jahr 2011 erstmals in ungekürzter deutscher Ausgabe - mit großem Erfolg. 300 000 Mal ging das Buch über den Ladentisch.

Nach einem erlebnisreichen Tag auf den Spuren des Schriftstellers fahren Sie zurück nach Berlin - die Stadt, in der Fallada am 5. Februar 1947 nach einem unsteten Leben starb.

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