Heizpilze statt Flugzeuge?

MEINE SICHT: Nicolas Šustr über Vorschläge für eine längere Gastro-Freiluftsaison

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Debatte ist voll entbrannt. Kann eine Wiederzulassung von Heizpilzen helfen, die Berliner Gastronomie durch die Coronazeit zu bringen? Der Gaststättenverband fordert das. Immerhin ist ja der Flugverkehr so eingebrochen, dass die paar Tausend Heizpilze das doch wohl nicht aufwiegen können. Nun ja, immerhin emittiert ein gasbetriebenes Exemplar in der Heizsaison ungefähr so viel CO2 wie ein durchschnittlich genutzter Kleinwagen.

Letztlich lügt sich Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) ein bisschen in die Tasche mit dem Vorschlag an die Bezirke, die Zulassung von Elektro-Heizstrahlern, die mit Ökostrom betrieben werden, zu prüfen. Denn außer es bläst eine so steife Brise, dass niemand noch weiß, wohin mit dem ganzen Windstrom, muss der zusätzlich verbrauchte Ökostrom durch zusätzlich konventionell erzeugte Energie kompensiert werden. Und bei Sturm wird kaum jemand draußen sitzen wollen, egal wie warm es auch im Vorgarten ist.

Wahrscheinlich wäre es sinnvoller, wenn die Bezirke mehr Großzügigkeit bei den Aufbauten auf den Bürgersteigen walten lassen würden. Also die ebenfalls aus nachvollziehbaren Gründen vor einigen Jahren verbotenen Zelt- und Pavillonkonstruktionen temporär wieder zulassen würden. Dann noch ein paar Deckchen und der geneigte Gastronomiebesucher könnte auch beruhigt dem Herbst entgegensehen. Denn auch jetzt, wo das Draußensitzen meist noch funktioniert, verzichten nicht wenige weiterhin auf Geselligkeit dieser Art. Die Gastronomie wird so oder so nach dem Ende der Coronakrise nicht wiedererkennen zu sein, so bedauerlich das auch sein mag.

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