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Neuaufstellung bei der Linkspartei

Sieben Tage, sieben Nächte

Von Stephan Kaufmann

Politiker und Unternehmensvertreter sprechen gern von »der Wirtschaft« und ihren Nöten. Damit meinen sie allerdings meist gar nicht alle, die an Produktion und Verteilung von Gütern beteiligt sind. Sondern schlicht die Unternehmen. Formulierungen wie »Hohe Kapitalsteuern / Löhne schaden der Wirtschaft« machen deutlich, wie das Interesse der Unternehmen mit dem »der Wirtschaft« in eins gesetzt wird. Die Corona-Pandemie, wird gesagt, schadet ebenfalls »der Wirtschaft«. Doch selbst wenn man sich hier lediglich die Firmen anschaut, sieht man, dass es durchaus Profiteure gibt. Zum Beispiel Online-Händler wie Zalando oder auch den Internetriesen Amazon, der laut Finanzagentur Bloomberg »eine tolle Pandemie erlebt«.

Dass »die Wirtschaft« kein einheitliches Gebilde ist, zeigt uns dieser Tage auch der Aktienmarkt. Seit seinem Tief Mitte März ist der Deutsche Aktienindex um rund 60 Prozent gestiegen. Die Börse in den USA feiert laufend neue Rekorde. Dabei sind Tausende von Unternehmen von der Pleite bedroht, Millionen von Menschen haben ihren Job verloren oder müssen dies fürchten.

Vincent Deluard vom US-Finanzdienstleister StoneX Group machte diese Woche auf einen Zusammenhang aufmerksam: In der Tendenz laufen die Aktien von jenen Unternehmen am besten, die wenig Personal beschäftigen. Angesichts der Aktienhochs spricht er von einem »Bärenmarkt für Menschen« - »Bärenmarkt« bezeichnet eine Situation fallender Kurse. Kurz: Aus Investorensicht ist der Mensch derzeit eine Renditebremse. Denn er ist ein Lebewesen, er kann krank werden, und in Zeiten von Corona kostet dies die Unternehmen Geld.

Deluard hat sich die Aktienkurse jener Unternehmen angeschaut, die viele Menschen beschäftigen. Sie bescherten Anlegern seit Jahresbeginn einen Verlust von 19 Prozent. Mit personalarmen Unternehmen hingegen ließ sich ein Gewinn von 18 Prozent machen. Beispiele für personalarme Konzerne sind die Google-Mutter Alphabet oder auch Netflix, dessen Aktienkurs 50 Prozent zugelegt hat: Bei bloß 8600 Beschäftigten kommt der Videostreamingdienst auf einen Marktwert von 215 Milliarden Dollar. Der E-Autohersteller Tesla ist an der Börse mehr wert als die Supermarktkette Wal Mart, wo 45 Mal mehr Menschen arbeiten.

Aus Sicht der Börse und allen, für die der Unternehmensgewinn zählt, ist die menschliche Physis also ein Risiko fürs Geschäft, dass man loswerden sollte. Ähnliches belegen Untersuchungen, die zeigen, dass Corona die Unternehmen zunehmend dazu bewegt, Arbeitskräfte durch Roboter zu ersetzen.

Mit ihren Bewertungen, so Deluard, reflektieren die Aktienmärkte die Wirtschaft, die wir im Moment haben. »Aber das ist nicht unbedingt die Wirtschaft, die wir gerne hätten.« Stephan Kaufmann

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