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Die Bastler

Plattenbau

Die Hits sind das Problem. Der 1985 veröffentlichte Song »Oh Yeah« von Yello wurde im Soundtrack so gut wie jeder drittklassigen Hollywoodkomödie zwischen 1985 und 1990 verbraten. Und in fast jedem Werbespot vom Schokoriegel bis zum Kleinwagen. Seine populärsten Auftritte hatte der Song in »Ferris macht blau« und dem Michael J. Fox-Film »Das Geheimnis meines Erfolges«. Und dann kam auch noch das Lied »The Race« dazu. Mit diesem Hit hat sich das Duo 1988 endgültig in seinen eigenen Schatten gestellt. Als Titelsong der Musik-Clip-Show »Formel 1« erlangte das Stück einen ungeheuerlichen Beliebtheitsgrad. Alles was danach kam, musste sich daran messen.

Von Falco ist überliefert, dass er bei der Nachricht, dass »Amadeus« auf Platz 1 der US-amerikanischen Charts gelandet war, sehr, sehr traurig wurde. »Was soll jetzt noch kommen?«, habe er gesagt. Von Dieter Maier und Boris Blank von Yello ist bezüglich ihrer Hits nichts dergleichen überliefert. Außer, dass sie die Songs an jeden, der sie haben wollte, verscheuert haben.

Yello waren ein cooler Geheimtipp. Die beiden schüchternen Soundbastler Boris Blank und Carlos Perón trafen Ende der Siebziger aufeinander und begannen musikalisch zu experimentieren. Sie gründeten das Projekt Yello. Was sie brauchten, war jemand, der den Frontmann gab. Und da kam ihnen der Züricher Aktionskünstler und Zocker Dieter Meier gerade recht. Der spielte in einer Punkband mit dem charmanten Namen »The Assholes«, folgte aber dem Ruf der beiden Tüftler.

Blank fand zunächst, Meier könne nicht singen. »Weil ich die Töne nicht gut traf, habe ich unser Lied ›Bostich‹ nur auf einer einzigen Note gesungen«, erzählte Meier dem »Kölner Stadtanzeiger«. »Bostich« wurde gerade deswegen ein Synthie-Underground-Hit. Ab jetzt begannen Yello ihre No-Budget-Kreativität zu entfalten. Mit billigsten Mitteln entwarf Blank, ab 1983 ohne Perón, die unglaublichsten Klanggemälde, über die Dieter Meier seine tiefe, oft verfremdete Stimme legte. Der Internetplattform Amazonia erzählte Blank, dass seine Kreativität durch die Improvisation mit primitiven Mitteln entstanden sei. »Ich habe einfach so lange herumgeschraubt, bis ich das gefunden habe, was mir passte.« Er verrührte Synthie-Pop, Klassik, südamerikanische Rhythmen und Swing miteinander. Jede Yello-Platte enthielt tausend Überraschungen. Heute entstehen ihre Songs hauptsächlich am Laptop.

Da Yello nicht live auftraten, waren die großartigen Videos von Dieter Meier umso wichtiger. Das von Rush Winters gesungene »Vicious Games« wurde 1985 zum Minihit. Für »The Rhythm Divine« gewannen sie 1987 gar Shirley Bassey für die Vocals. Dann kam »The Race«. Alles, was danach kam, war irgendwie »Oh Yeah« oder »The Race«.

Die neueste Yello-Inkarnation heißt »Point«. Ein okayes Album. »Oh Yeah« heißt diesmal »Waba Duba« und »The Race« heißt »Out of Sight«. Auf »Vicious Games« müssen wir bei diesem Album verzichten, dafür gibt es den von Fifi Rong gesungenen dudeligen Track »Siren Singing«. Es fehlt natürlich das nerdige DIY-Feeling der Yello-Klassiker aus den Achtzigern. Es geht eher um ein Update des typischen Yello-Sounds für 2020. Und wenn man »Oh Yeah« ausblendet, dann ist »Waba Duba« eigentlich ganz gut. Schön sind aber auch die kleinen Sound-Erzähl-Gemälde wie »The Vanishing of Peter Strong«. Und wie immer stecken die Songs voller kleiner Details und verspielter Schnörkel. Beispielsweise das »Funky-Cold-Medina-Honky-Tonk-Women-Sample« in »Out of Sight«. Und auch beim zweiten oder dritten Hören wird das Album nicht langweilig. Kein kreatives Feuerwerk, aber gelungene Brauchtumspflege.

Yello: »Point« (Universal)

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