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Einzelsportler schlagen Alarm

Während Vereine vom Staat Geld für ausgefallene Spiele erhalten, brechen Individualsportlern die Sponsoreneinnahmen weg

  • Von Andreas Schirmer, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 3 Min.

Die deutschen Spitzenathleten funken SOS. Vielen von ihnen droht existenzielle Not und eine Beeinträchtigung der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Ein Hilferuf von Athletenvertretern angesichts enormer Kürzungen oder Kündigungen von Sponsoren- und Ausrüsterverträgen sowie reduzierter Entlohnung von Klubs als Folge der Coronakrise hat nun die Politik in Berlin aufgeschreckt.

»Ich hatte das Gefühl, dass man von diesen Zahlen geschockt war. Selbst ich war erschrocken«, berichtete Nadine Hildebrand, Athletensprecherin der Leichtathleten, von ihrer Präsentation einer Umfrage zur Notlage in ihrer Sportart im Sportausschuss des Bundestages. Demnach wurden 23 Prozent der Olympia-, Perspektiv- und Nachwuchskadersportler die Sponsorenverträge gekündigt. Knapp zwei Drittel von 357 Athleten hatten sich an der Befragung beteiligt.

Im Schnitt um etwa 40 Prozent sind die Umfänge der Kontrakte bei Topathleten gekürzt worden, Nachwuchssportler haben sogar Einbußen von »bis zu 80 Prozent«, sagte die frühere Hürdenläuferin Hildebrand. Jeder siebte Kaderathlet sei dadurch in »existenzbedrohende Schwierigkeiten« geraten.

Ob und in welchem Umfang Athletenverträge auch bei der Firma Adidas gekürzt oder gekündigt werden, wollte der deutsche Sportartikelhersteller nicht offenbaren. »Wir stehen mit all unseren Partnern in engem Kontakt und werden diese auch in der aktuellen Situation weiterhin unterstützen«, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Vertragsdetails würden jedoch grundsätzlich nicht öffentlich diskutiert.

Wie den Leichtathleten geht es auch anderen Sportlern. »In Sportarten wie Schwimmen oder Beachvolleyball haben wir ein ähnliches Echo bekommen«, sagte Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland. »Die meisten Athleten sind gewohnt, in Askese zu leben. Unsere Aufgabe ist nun, sie zu bestärken, dass sie das Recht haben, Forderungen zu stellen.«

Während Vereine in professionellen Mannschaftssportarten der olympischen, nicht-olympischen sowie paralympischen Sportvereine bis hinunter in die dritten Ligen rund 200 Millionen Euro vom Bund für Einnahmeausfälle bekommen, gibt es bisher keine Hilfe für bedürftige Individualsportler, die zum Beispiel durch abgesagte Wettkämpfe und entgangene Startgelder gebeutelt sind. »Da existiert ein Ungleichgewicht«, meinte Herber. »Athleten, die zu Olympia fahren, sollten ebenfalls unterstützt werden.« Bisher haben sich 223 Sportler von 400 erwarteten Tokio-Startern qualifiziert.

Der Hilferuf der Athleten hat die Politiker in Berlin beeindruckt. »Die Athleten dürfen sich darauf verlassen, dass wir von Seiten der Bundespolitik das Thema im Auge behalten«, versicherte die Sportausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD). Handlungsbedarf sieht auch ihr CDU-Kollege Eberhard Gienger. »Wenn wir im Nachwuchskader nicht eine ganze Generation an nachfolgenden Athleten verlieren wollen, müssen wir die Leistungssportler und ihre Vereine noch stärker unterstützen«, sagte der frühere Turnweltmeister.

»Wunschziel wäre, wenn die Athleten finanziell im Olympiajahr den gleichen Stand hätten wie bisher. Sie wollen nicht reich werden«, betonte Hildebrand, »sondern sich keine Gedanken machen müssen, die Miete zahlen zu können.« Verlassen können sie sich dabei momentan vor allem auf die Deutsche Sporthilfe, deren Förderung uneingeschränkt weiterläuft. »Für die Medaillenkandidaten bei den Olympischen Spielen in Tokio wurden die Eliteprogramme in vollem Umfang bis Sommer 2021 verlängert«, erklärte der Vorstandsvorsitzende Thomas Berlemann.dpa/nd

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