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Krank und schön

Plattenbau

  • Von Benjamin Moldenhauer
  • Lesedauer: 2 Min.

Drone-Musik, die jeden unmittelbaren Eindruck von Wohlklang vermeiden will, kann inzwischen bei Bedarf auf ein mittlerweile etwas abgegrabbeltes Arsenal musikalischer Gesten und Effekte zurückgreifen: Noise, Rauschen, dunkles Wummern, dann mal eine Merzbow-artige Verzerrung. Dass es beim Hören schmerzt und zwirbelt, heißt nicht automatisch, dass Originalität das bestimmende Moment sein müsste.

Das vorweg, um schon einmal darauf hinweisen, wie konsequent sich das Duo KTL von effektiven, aber eben auch häufig sehr simplen Drone-Klischees abhebt. Peter Rehberg (Laptop, Kabelgelöt) und Stephen O’Malley (Gitarren) arbeiten schon seit Längerem zusammen. KTL existieren als Duo seit fast fünfzehn Jahren, und O'Malley - hauptberuflich Gitarrist bei der alles erschütternden Drone-Metal-Band Sunn O))) - ist mit seinem Label Ideologic Organ an Editions Mego angegliedert, dem Label von Peter Rehberg.

Auf dem während des Lockdowns in einem Berliner Studio entstandenen Album »VII« produzieren sie eine Form von Noise, in der sich der Eindruck von Krankheit und der Eindruck von Schönheit auf eine befremdliche Weise verbinden. Und das in einer Tonalität, die man so noch nicht gehört hat. Das geht beim zwölfminütigen Opener »The Director« direkt und konfrontativ los.

Noise ist hier kein Brett, sondern eine dissonante Klangstruktur, die durch konstant-vibrierende Anspannung zusammengehalten wird. Ab und an schallert es mal verhalten. Aber in der Hauptsache entsteht das Gefühl des Zerrens, das diese Musik zuallererst auszeichnet, durch ein sirenenartiges Geräusch, das an ein immer wieder aufs Neue startendes, nicht abhebendes Flugzeug erinnert. »Silver Lining« schließt hier an. »Lee’s Garlic« fährt dann Verzerrer und ruppigere Klänge auf. Die zweite Hälfte von »VII« ist statischer und friedfertiger. »Tea with Kali« und »Frostless« lassen sich auch gut als meditativer Krach zum Ausblenden der Restwelt verwenden.

Trotz dieser sich graduell ändernden Tonalitäten bleibt die Evozierung von Stress das bestimmende Moment von »VII«. Sie zergelt und stört und will den ganzen Raum einnehmen: Musik, die jedes Nebenbeihören komplett verweigert. Um hier bei voller Lautstärke Schönheit zu entdecken, muss man ein bisschen abwarten, irgendwann kommt sie um die Ecke gekrochen. Das ästhetisch schlüssigste Quarantäne-Album bislang.

KTL: »VII« (Editions Mego)

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