Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Auf der stillen Jagd nach Titeln

Fußball-Olympiasiegerin Dzsenifer Marozsan bestreitet in der EM-Qualifikation ihr 100. Länderspiel

  • Von Ulrike John, Podgorica
  • Lesedauer: 3 Min.

Toni Kroos hat Dzsenifer Marozsan einen Champions-League-Titel und ein Länderspiel voraus. Dafür war der Profi von Real Madrid und 98-fache Nationalspieler schon Weltmeister - die Spielmacherin von Olympique Lyon wiederum Olympiasiegerin. Vergleiche mit Männern mögen Fußballerinnen eigentlich gar nicht. Dennoch: Marozsan ist Toni Kroos schon sehr ähnlich, vor allem in der Frauen-Nationalmannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Das Spiel auf dem Rasen wird von Marozsan gelenkt. An diesem Dienstag (16 Uhr/ARD) bestreitet die 28-Jährige in Montenegro ihr 100. Länderspiel für Deutschland.

So war es keine Überraschung, dass Marozsan am Montag in der Pressekonferenz neben Voss-Tecklenburg Platz nahm. »Das Spiel ist sicherlich etwas ganz Besonderes für mich. Da hab’ ich ein bisschen Gänsehaut, das muss ich ehrlich sagen«, meinte sie lächelnd vor ihrem Jubiläumsspiel, in dem sie vielleicht sogar als Kapitänin aufläuft. »Zehn Jahre im Nationalteam, das ist eine verdammt lange Zeit. Da ist so viel passiert.«

Als die in Budapest geborene Marozsan vier Jahre alt war, zogen ihre Eltern nach Deutschland. Vater Janos, ein ungarischer Fußballnationalspieler, unterschrieb beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken. Über DJK Burbach landete die talentierte Tochter bei den Frauen des 1. FC Saarbrücken. Ihr erstes Bundesligaspiel bestritt sie mit 15 - bis heute ist sie die jüngste Spielerin im Oberhaus.

2009 verhandelte Siggi Dietrich, der Manager des 1. FFC Frankfurt, im Wohnzimmer der Marozsans. »Bei ungarischer Salami«, erinnert sich Dietrich. Die Eltern ließen die damals 17-Jährige ziehen. Sieben Jahre spielte die Mittelfeldakteurin am Main, reifte zur Nationalspielerin, gewann 2015 die Champions League, ehe sie 2016 nach dem Olympiasieg in Rio mit der deutschen Nationalmannschaft nach Frankreich wechselte. In Lyon sammelte sie dann Titel um Titel: dreimal wurde sie französische Meisterin, viermal Siegerin in der Königsklasse.

»Dzseni bringt herausragende Erfolge mit und ist unheimlich wichtig für die Mannschaft. Sie bringt einen Riesenwert für die Mannschaft, den sie immer wieder bestätigt«, lobte Voss-Tecklenburg die Europameisterin von 2013. »Im Training sieht man stets ihre besondere Qualität, wie sie vor allem in Drucksituationen mit dem Ball umgehen kann.« Beim 3:0-Sieg am vergangenen Samstag in Essen gegen Irland, mit dem die DFB-Auswahl die Tabellenführung ihrer EM-Qualifikationsgruppe übernahm, erzielte Marozsan ein Tor.

Doch wie Toni Kroos ist auch die Strategin der Frauen-Nationalmannschaft kein Mensch der großen Gesten oder Worte. »Sie ist eine stille Führungsspielerin, die oft den Unterschied ausmacht«, sagt Dietrich. »Sie ist ein totaler Familienmensch und ist sich trotz ihrer Popularität immer treu geblieben.« Marozsans Eltern und ihr Bruder sind in Montenegro wegen der Corona-Pandemie ausnahmsweise mal nicht dabei, irgendwie aber doch: »Auf meinem Arm«, erklärte die tätowierte Nationalspielerin. »Und in meinem Herzen.«

2018 gewannen Kroos und Marozsan gemeinsam die Wahlen zu Deutschlands Fußballer und Fußballerin des Jahres. Einen Vergleich mit dem ungleich berühmteren Real-Star mag Dietrich dennoch nicht anstellen: »Dzseni ist eine Marke für sich.«dpa/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln